Metropolregion:
Zahl der Anbieter geht auch in der Region zurück / Nachwuchssorgen und Finanzen belasten die Branche
Apotheken sagen leise Servus
Von unserer Mitarbeiterin Katrin Hoffmann
Wer mit gesundheitlichen Sorgen eine Apotheke aufsucht, dem begegnet immer öfter eine andere Not: Viele Pharmazeuten kämpfen ums wirtschaftliche Überleben.
© dpa
Mannheim.
In Deutschland gibt es immer weniger Apotheken. Ihre Zahl ist zum Jahresende 2012 bundesweit unter die Marke von 21 000 gefallen. So wenige gab es seit 1994 nicht mehr. Jede Woche schließen laut Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) durchschnittlich sechs Apotheken.
Der Rückgang hat sich in den vergangenen vier Jahren beschleunigt. Während es 2009 "nur" 54 Apotheken weniger wurden, waren es 2012 bereits 317. Auch in der Region ist dieser Trend zu beobachten: Nach Angaben der Landesapothekenkammer Baden-Württemberg ging die Zahl der Apotheken im Stadtkreis Mannheim seit 2008 um zwei auf 94 zurück. Im Rhein-Neckar-Kreis sank die Zahl um fünf auf 155.
"Das klingt jetzt bitter, aber mir wäre es lieber, wenn mal tausend Apotheken auf einmal schließen würden. Das langsame Zumachen kommt bei der Politik nicht an", sagt Hans Jacob von der Burg Apotheke in Wachenheim an der Weinstraße. Im Raum Bad Dürkheim sei die Situation noch relativ gut. Er schätzt, dass hier 2013 keine Apotheke schließt. Doch für die folgenden Jahre sieht seine Prognose anders aus. Viele seiner Kollegen seien 60 plus und wüssten schon, dass sie keinen Nachfolger finden werden. Besonders der ländliche Raum gilt als Sorgenkind. Jede Apotheke, die dort schließt, verstärkt die Last auf die Übriggebliebenen, wenn es beispielsweise um Notdienste geht. Arztpraxen, die schließen, verschärfen das Problem, weiß Stefan Möbius von der Landesapothekerkammer Baden Württemberg. Eine Apotheke auf dem Land ohne Praxis in der Nähe habe fast keine Chance.
Generell sieht der Verband ABDA das Problem in den gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen, die er in drei Hauptaspekten zusammenfasst: Apothekerhonorar, Honorarrabatt und die noch nicht eingeführte Notdienstpauschale. Zu Beginn des Jahres wurde zwar das Apothekenhonorar von 8,10 auf 8,35 Euro pro abgegebener verschreibungspflichtiger Arzneimittelpackung angehoben, doch das entspreche nicht einmal einer Steigerung von drei Prozent über den Zeitraum von neun Jahren. Der Anstieg sei geringer als die Inflation, beklagt die ABDA.
Streit um Notdienstpauschale
Der Honorarrabatt für Krankenkassen ist derzeit vor einer Schiedsstelle. Kassen und Apothekerverband wurden sich nicht einig. Nachdem die Apotheken den Kassen als "Sonderopfer" in den vergangenen zwei Jahren einen Abschlag von 2,05 Euro gewähren mussten (vorher 1,75 Euro), soll der Honorarrabatt nun wieder gesenkt werden - auf welche Höhe, ist aber strittig.
Der dritte Aspekt ist derjenige, der im Moment besonders im Fokus steht: die Notdienstpauschale. Seit die Regierungskoalition im Herbst 2012 beschlossen habe, ab 2013 120 Millionen Euro zusätzlich für die Notdienste bereitzustellen, sei einfach nichts mehr geschehen, so die ABDA. Bislang darf jede Apotheke pro Patient 2,50 Euro Notdienstgebühr erheben. "Das trifft besonders die Apotheken im ländlichen Raum", sagt Karin Busse von der Mannheimer Löwen-Apotheke. Wo nachts nur wenige Patienten kämen, könne nicht kostendeckend gearbeitet werden. Eine Pauschale könnte die Lösung sein. Dank ihrer zentralen Lage im Quadrat P2 sei die Apotheke nicht so wie andere getroffen. "Als Innenstadt-Apotheke ist im Notdienst einiges zu tun", so Busse.
Neben den gesetzlichen Rahmenbedingungen werde das Geschäft durch Versandapotheken, bei denen Medikamente via Internet bestellt werden, zusätzlich erschwert. Martin Sillus von der Bürstädter Engel-Apotheke beklagt vor allem die Bürokratie und die finanziellen Belastungen, die den Berufsstand zunehmend unattraktiv machten.
Zumindest bei der Zahl der Pharmaziestudenten macht sich das nicht bemerkbar: Sie ist laut ABDA seit 2007/08 sogar gestiegen. 2010/2011 lag sie bei 12 719 Studierenden. Aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor. Die Universität Heidelberg hat konstant 45 Studienplätze, die zentral über die Stiftung für Hochschulzulassung vergeben werden.