BASF:
Chemiekonzern wird bald Deutschlands größte Kinderkrippe an einem Ort betreiben
„Der Bedarf wächst und wächst“
Von unserem Redaktionsmitglied Bettina Eschbacher
Frühkindliche Förderung kann richtig Spaß machen, wie die Kleinen auf unserem Bild überzeugend demonstrieren. Die BASF will das Betreuungsangebot für Kinder unter drei Jahren, den LuKids, massiv ausbauen.
© BASF
Ludwigshafen.
Gerade wird an einer neuen Unterkunft gebaut für die 70 Kinder der BASF-Krippe LuKids, die aktuell auf zwei Standorte im Norden und Süden Ludwigshafens verteilt sind. Ende 2013 sollen sie alle in das neue Zentrum für Work-Life-Management der BASF einziehen. Dann werden sie nicht nur großzügige Räume mit Garten bekommen, sondern auch mehr Gesellschaft. Der Chemiekonzern baut sein Angebot zur Betreuung von Mitarbeiterkindern am Stammwerk Ludwigshafen massiv aus: Bis Ende 2014 sollen 250 Kinder zwischen sechs Monaten und drei Jahren im neuen Zentrum betreut werden.
Damit wird die BASF die größte Kinderkrippe für diese Altersgruppe an einem Ort in Deutschland betreiben. Die Zahl 250 entspreche einer vorläufigen Bedarfsschätzung, erklärt Benita von Haugwitz, die bei BASF das Team Vereinbarkeit Beruf und Familie leitet. Momentan hat sie sehr viel mehr Anfragen als Plätze. "Der Bedarf wächst und wächst", ist von Haugwitz' Erfahrung. Eine Kommission aus Unternehmens- und Betriebsratsvertretern sowie Kita-Leitung entscheidet, wer einen der begehrten Plätze bekommt. Die besten Chancen haben Kinder, deren beide Elternteile bei der BASF arbeiten. Wichtig ist aber auch die Empfehlung des Vorgesetzten.
Da zurzeit die LuKids-Plätze im Bedarfsplan der Stadt Ludwigshafen aufgenommen sind, erhält die BASF von der Stadt die entsprechende Betriebskostenförderung. Die Nutzung der Krippe steht generell allen Mitarbeitern der BASF offen - unabhängig vom Wohnort. Die Gebühren für die Eltern entsprechen denen öffentlicher Einrichtungen.
Die BASF bietet Mitarbeitern auch die Möglichkeit, ihre Kinder kurzfristig unterzubringen, zum Beispiel wenn die Tagesmutter ausfällt.
Zehn Plätze stehen bei LuKids Adhoc für Kinder zwischen sechs Monaten und zehn Jahren zur Verfügung. Interessant ist dieses Kurzzeit-Angebot auch für BASF-Mitarbeiter aus anderen Standorten und Ländern, die noch keine reguläre Betreuung für ihre Kinder gefunden haben.
Was die BASF insgesamt in die Kinderbetreuung investiert, will der Konzern nicht veröffentlichen.
Schaut man sich die Konzeption der BASF an, so dürfte das starke Interesse an LuKids-Plätzen nicht verwundern: Relativ lange Öffnungszeiten von 7 bis 18 Uhr, ein komfortabler Personalschlüssel mit 2,5 Erzieherinnen für 10 Kinder in einer Gruppe, bilinguale Betreuung, viel Platz zum Austoben - so dürfte die Wunsch-Kita vieler Eltern aussehen.
Sieben Muttersprachler unter den aktuell 40 Erzieherinnen sorgen zum Beispiel für die Englisch-Förderung. Dazu kommen Schwerpunkte, etwa im musisch-künstlerischen Bereich. So durften die LuKids Süd 2012 bei einem Projekt mit der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz zusammen mit Musikpädagogen Instrumente ausprobieren und eine Aufführung vorbereiten.
Auszeichnung als Bewegungs-Kita
Die LuKids Nord wiederum bekamen als erste Krippe in Rheinland-Pfalz die Auszeichnung Bewegungs-Kita, dank eines vielfältigen Bewegungsangebots mit unterschiedlichen Materialien. Den Platz zum Toben und Bewegen sollen die LuKids auch in ihrer künftigen Heimat bekommen. Von Haugwitz verweist auf die integrierten Piazzas, große freie Flächen im Innenraum mit Kletterwänden und Schaukeln, die für den Neubau vorgesehen sind.
"Wir haben schon ein qualitativ hochwertiges Angebot", sagt Benita von Haugwitz, "aber wir haben auch einen hohen Anspruch für unsere Mitarbeiter." Von Haugwitz beobachtet, dass die Mitarbeiter sich immer mehr darauf verlassen, dass das Unternehmen ihnen hilft, Familie und Beruf zu vereinbaren. Schließlich sei die Qualität der Kinderbetreuung längst ein wichtiger Faktor zur Mitarbeiterbindung und zur Rekrutierung von neuen Fachkräften. "Unsere Angebote zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die weit über die Kinderbetreuung hinausgehen, werden in Bewerbungsgesprächen verstärkt nachgefragt", sagt sie. So will sie das BASF-Angebot nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zu den Angeboten öffentlicher Träger sehen. "Als Arbeitgeber stehen wir eher in Konkurrenz zu anderen Dax-Unternehmen."
Betrieben wird die BASF-Krippe von dem freien Träger educcare, der bundesweit in 23 Einrichtungen für Städte und Unternehmen die Regie führt, unter anderem für die Universität Mannheim. "Die Zusammenarbeit hat sich bewährt", so von Haugwitz, ohne externe Unterstützung sei das Angebot nicht zu leisten. "Das Betreiben von Krippen ist sehr ressourcenintensiv." Von dem aktuellen Erziehermangel sei die BASF nicht betroffen, sagt von Haugwitz. Mit dem Ausbau der Kita-Plätze müssten 80 weitere Erzieherstellen besetzt werden, bisher seien dabei keine Probleme abzusehen.
Für frühkindliche Förderung engagiert sich die BASF aber nicht nur bei den Mitarbeiterkindern. Die großangelegte Initiative "Offensive Bildung" unterstützt Kindergärten der Metropolregion bei mehreren Förder-Projekten: Zum Beispiel werden pädagogische Fachkräfte in der Sprachförderung weitergebildet.