Während sich deutsche Hersteller das Siegel "Made in Germany" aktuell noch freiwillig und meist zu Werbezwecken selbst verleihen, könnte die Kennzeichnung des Herkunftslands bald zur Pflicht werden.
Die EU-Kommission in Brüssel hat gestern vorgeschlagen, die Angabe des Herkunftslands auf jedem Produkt - vom T-Shirt bis zum Fön - einführen zu wollen. "Mit den neuen Regeln können gefährliche Verbrauchsgüter bis zur Quelle zurückverfolgt werden", sagte EU-Verbraucherkommissar Tonio Borg. Für Lebensmittel gelten die Vorschläge nicht. Sie sollen aber sonstige Importe und einheimische Waren abdecken. Im letzteren Fall könnten Hersteller entscheiden, ob sie das Land nennen oder allgemein die "EU" als Herkunftsregion. Bei Einfuhren nach Europa muss bisher nur in den Papieren vermerkt sein, woher die Waren kommen.
Mit den anvisierten Regeln will die EU-Kommission für mehr Sicherheit sorgen. "Heute ist das Herkunftsland für etwa zehn Prozent der unsicheren Produkte auf dem EU-Markt nicht bekannt", sagte Borg. Auch Name und Anschrift des Herstellers sollen demnach auf der Ware vermerkt sein, erklärte er.
Borg und sein ebenfalls zuständiger Kollege, EU-Industriekommissar Antonio Tajani, wollen die EU-Gesetzgebung zur Produktsicherheit und Marktüberwachung vereinfachen. So wollen sie zum Beispiel die nationalen Aufsichtsbehörden zu gemeinsamer Planung und zu besserer Zusammenarbeit zwingen. Waren, die jedes Jahr erneut an den europäischen Standards zur Produktsicherheit scheitern, will die EU-Kommission zudem künftig dauerhaft verbieten können. Als Beispiel nannte die Brüsseler Behörde Feuerzeuge, die wie Spielzeug aussehen und leicht bedienbar sind. Sie sind in Europa nicht erlaubt, weil Kinder sich daran verbrennen könnten. Das Europaparlament und die EU-Staaten müssen die Vorschläge billigen. dpa