Serie „Kinderbetreuung in Unternehmen“:
Bei John Deere in Mannheim gibt es derzeit neun Vollzeitplätze für Mitarbeiterkinder
Mit Papa morgens zu Tor 1
Von unserem Redaktionsmitglied Tatjana Schneider
Spielen, Mittagessen, Schlafen - in der Einrichtung "Johnny's Kids" können Kinder den ganzen Tag über - von 7.30 Uhr bis 17 Uhr - betreut werden.
© Rinderspacher
Mannheim.
Ein grüner Traktor bahnt sich seinen Weg durch das Gelände - das ist beim Landmaschinenhersteller John Deere in Mannheim nichts Ungewöhnliches. Doch dieses Fahrzeug rollt nicht über die Straßen des großen Werksgeländes auf dem Lindenhof, sondern über einen bunten Teppich. Vor einer Holzrutsche bleibt es stehen. Dort herrscht lebhafter Betrieb. Mit einer Puppe in der Hand wartet ein kleines Mädchen darauf, dass es an die Reihe kommt. Mit knapp eineinhalb Jahren gehört es in der Gruppe zu den Jüngsten.
Es ist kurz vor 16 Uhr. Der Tag in der Kindertagespflegestelle "Johnny's Kids", direkt neben Tor 1 des Firmenareals, neigt sich dem Ende. Einige Kinder sind schon abgeholt worden, um 17 Uhr ist Feierabend. "Wenn mal ein Meeting etwas länger dauert, können die Eltern aber auch Bescheid geben", sagt Dorothea Frey. Sie ist Geschäftsführerin der Familiengenossenschaft, die die Einrichtung bei John Deere betreibt.
Was die Öffnungszeit von 7.30 Uhr bis 17 Uhr betrifft, ist "Johnny's Kids" eher auf den Angestelltenbereich ausgerichtet, sagt Melanie Freund, Personalmanagerin bei John Deere in Mannheim. Dort hätten die Mitarbeiter meistens Gleitzeit und könnten sich an die Betreuungszeiten anpassen.
Aber auch Beschäftigte aus der Produktion, die Schicht arbeiten, haben Kinder in der Einrichtung. "Wenn der Vater beispielsweise um 6 Uhr anfängt, bringt die Mutter das Kind morgens in die Tagespflegestelle, und der Vater nimmt es nach der Frühschicht mit nach Hause", erklärt Frey. Wichtig sei auch, dass die Betreuung das Jahr über nahezu durchgehend stattfinde - eine Sommerpause, die Beschäftigte zwingen würde, im Zweifel für mehrere Wochen Ersatz zu finden oder selbst Urlaub zu nehmen, gebe es nicht.
Ein Teil der Kosten für einen Betreuungsplatz wird durch kommunale Zuschüsse gedeckt, auch John Deere übernimmt einen Anteil. Ein Mitarbeiter aus Mannheim muss so zum Beispiel für einen Vollzeitplatz (40 Stunden pro Woche) noch 210 Euro im Monat selbst bezahlen.
Ingesamt gibt es bei "Johnny's Kids" neun Vollzeitplätze, die derzeit auf elf Kinder verteilt sind. Bei zuletzt deutlich über 3000 Mitarbeitern am Standort eine überschaubare Zahl. "Wir können den Bedarf derzeit nicht so abdecken, wie er da ist", sagt Personalmanagerin Freund. Aktuell stünden etwa 20 Mitarbeiter auf der Warteliste.
Falls Plätze frei sind, können John-Deere-Beschäftigte ihr Kind auch in einer von drei weiteren Einrichtungen betreuen lassen, die die Familiengenossenschaft in Mannheim betreibt. Alternativ vermittelt die Organisation Beschäftigten auch Tagesmütter.
Ursprünglich war bei John Deere nach Angaben eines Sprechers nur eine Tagesmuttervermittlung für die Mitarbeiter angedacht. Befragungen bei Beschäftigten hätten aber schnell ergeben, dass sich viele eine Betreuungseinrichtung direkt in der Firma wünschten. "Es gibt immer wieder Eltern, denen das häusliche Umfeld einer Tagesmutter zu privat ist. Sie vertrauen mehr auf eine Einrichtung", sagt Frey.
Eine Betreuung auf dem Werksgelände habe darüber hinaus für Beschäftigte den Vorteil, dass sie vor oder nach der Arbeit keine langen Umwege einplanen müssen, um das Kind abzugeben oder abzuholen. "Und wenn mal etwas ist, das Kind zum Beispiel zahnt oder fiebert, ist man auch gleich da", sagt Frey.
"Wir wollen gute Mitarbeiter nicht verlieren oder lange auf sie verzichten müssen, weil sie keine Kinderbetreuung finden", erklärt John-Deere-Personalmanagerin Freund die Motivation des Unternehmens für "Johnny's Kids". Doch so lange sich das Angebot auch an öffentlichen Betreuungsplätzen nicht verbessert, lässt sich das wohl nicht ganz vermeiden: "Es kommt immer wieder vor, dass Beschäftigte anrufen und ihre Elternzeit verlängern wollen, weil sie nirgends einen Platz für ihr Kind gefunden haben", sagt Freund.