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Führerschein: Verband ACE sieht als Grund für hohe Durchfallquote die schlechte Ausbildung / Fahrlehrer widersprechen

„Mutmaßungen ohne Beleg“

Von Sabrina Sassen und Matthias Kros

Eine Fahrstunde dient laut ADAC zu sehr dem Lernen der Bedienung des Fahrzeugs, Sicherheitsaspekte kommen zu kurz.

© dpa

Mannheim. Als "Mutmaßungen ohne jeden Beleg" haben die Fahrschulen in Deutschland Vorwürfe zurückgewiesen, Mängel in ihrer Ausbildung seien schuld an der hohen Durchfallquote bei den Prüfungen. Die Ursachen seien nicht in der Vorbereitung, sondern in der Prüfung selbst zu suchen, die stets nur eine Momentaufnahme mit besonderer Nervenanspannung sei, sagte Gerhard von Bressensdorf, Vorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände, gestern. Zudem spielten "so viele unberechenbare Außenakteure mit wie in keiner anderen Prüfung".

Sogar Absicht im Spiel?

Zuvor hatte der Autoclub Europa (ACE) Defizite bei der Ausbildung in den Fahrschulen dafür verantwortlich gemacht, dass jedes Jahr so viele junge Leute an der Prüfung scheitern. Die aktuelle Durchfallquote von rund 30 Prozent sei jedenfalls kein Zeichen für eine hoch qualifizierte Ausbildung. Mehr noch: "Es kommt der Verdacht auf, dass es einen Zusammenhang zwischen der hohen Durchfallquote und der schlechten Ertragslage gibt, unter der viele Fahrschulen angesichts der demografischen Entwicklung leiden", sagte ACE-Sprecher Rainer Hillgärtner der dpa. "Sie spekulieren auf eine hohe Durchfallquote, um anschließend zusätzliche Fahrstunden abrechnen zu können." Der Autoclub rief Führerscheinaspiranten daher dazu auf, Fahrschulen nicht nach vermeintlichen Billigpreisen auszusuchen. Entscheidend sei eher eine hohe Quote bestandener Prüfungen.

Der Pkw ist bei jungen Fahranfängern das Unfallfahrzeug Nummer Eins. Knapp ein Fünftel der Unfalltoten ist zwischen 18 und 24 Jahre alt.

Fast bei jedem vierten Pkw-Unfall mit Personenschaden gelten Fahranfänger als Hauptverursacher.

In der praktischen Grundausbildung von Fahranfängern sind 12 Sonderfahrten vom Gesetzgeber vorgeschrieben: fünf Überlandfahrten, vier Autobahnfahrten sowie drei Fahrten bei Dunkelheit.

Von Bressensdorf weist das zurück: Auffällig seien allenfalls regionale Unterschiede, findet er. Tatsächlich geht die Durchfallquote weit auseinander. In Baden-Württemberg liegt sie bei 22,5, in Hessen bei 20,4, in Hamburg bei über 40 Prozent. Hierzu habe der Fahrlehrerverband gemeinsam mit TÜV Süd bei der Uni Dresden eine Studie in Auftrag gegeben, die in Kürze vorgestellt werden soll, so von Bressensdorf.

Auch Ralf Rakowski, Inhaber der gleichnamigen Mannheimer Fahrschule, hat sich gestern über die Vorwürfe des ACE geärgert. Die Einschätzung sei "völlig falsch". Er warnte davor, die Zahlen zu verallgemeinern. Stattdessen müssten regionale Unterschiede berücksichtigt werden. Eine Fahrprüfung auf dem Lande sei zum Beispiel leichter zu bestehen als im dichten Stadtverkehr. Auch müssten Sprachprobleme von Migranten berücksichtigt werden, die eine Ausbildung nicht immer leichtmachten. Rakowski beschäftigt in Mannheim acht Fahrlehrer, die Durchfallquote liege bei ihm im Schnitt bei 20 Prozent, sagte er. Fahrstunden kosten ab 32 Euro. Allerdings weiß Rakowski auch um den hohen Konkurrenzdruck in der Branche, und er kann sich vorstellen, dass es "schwarze Schafe gibt, die schnell über Masse verdienen wollen".

Rückendeckung bekommt er vom ADAC, der davor warnt, auf den Fahrlehrern "herumzuhacken". Gleichwohl sieht der Automobilverband Handlungsbedarf bei der Ausbildung. In den Fahrstunden stehe die Bedienung des Autos zu stark im Vordergrund, für Sicherheitsaspekte bleibe oft nicht die Zeit, sagte Sprecherin Katharina Bauer. Man müsse darüber nachdenken, die Zahl der Pflichtstunden zu erhöhen oder ähnlich wie in Österreich sogenannte "Feedback-Fahrten" einzuführen. Hierbei sollen Fahranfänger von erfahrenen Begleitern Rückmeldung über das erhalten, was sie beherrschen und was nicht. Ob es so kommt, soll ab heute beim Verkehrsgerichtstag in Goslar geklärt werden. Rund 1900 Verkehrsexperten wollen dabei über eine Verbesserung der Fahrausbildung diskutieren.

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 23.01.2013
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