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Der Mannheimer Huber-Verlag stemmt sich erfolgreich gegen den Abwärtstrend bei Zeitschriften. Die "Biker News" haben in der Szene längst Kult-Status. Von Christiane Schollmaier
Über die Jugend von heute kann sich beschweren wer will, Jörn Nitz gehört nicht dazu. Der Geschäftsführer des Mannheimer Huber-Verlags hält sie zwar für ein wenig orientierungslos, sieht darin aber einen Vorteil für sein Unternehmen: "So können wir eine neue Szene kreieren."
Das ist dem Verlag, der in diesem Jahr seinen 30. Geburtstag feiert, in der Vergangenheit mehrfach gelungen. Mit den "Bikers News" brachte Verlagsgründer Günther Brecht, der sich mittlerweile aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hat, 1980 die erste Zeitschrift für die damals noch junge Rockerszene auf den Markt. Das Heft mit einer verkauften Auflage von 48 000 Exemplaren hat inzwischen Kultstatus erreicht und ist bis heute ohne Konkurrenz.
Auch in den folgenden Jahren bewies der Verlag ein ausgezeichnetes Gespür für neue Trends. Mit den Titeln "Tätowier Magazin" und "Tattoo Style" gilt Huber als Marktführer in Deutschland. Mittlerweile gibt der Verlag acht Zeitschriften rund um die Themen Motorrad, Tattoos und Lifestyle heraus. Bislang erscheinen die Hefte europaweit nur in deutscher Sprache, eigene Ausgaben der Tattoo- und zweier Motorrad-Titel sind in naher Zukunft für Italien, England und die USA anvisiert.
Dass der Verlag seine Zielgruppen nicht aus den Augen verliert, liegt vor allem an der Nähe zum Leser. Rund 100 freie Mitarbeiter sind als mobile Einsatztruppe selbst Teil der Szene. Jedes Magazin verfügt lediglich über zwei Redakteure, die am neuen Verlagssitz in Mannheim-Friedrichsfeld die Stellung halten.
Außerdem hat der Verlag seinen Magazinen ein großes Umfeld geschaffen - und sich selbst damit neue lukrative Einnahmequellen erschlossen, die mittlerweile schon zu einem Viertel des Umsatzes beitragen. Da ist zum einen der verlagseigene "Szene-Shop", ein Online-Versandhandel, der neben Büchern auch Mode, Musik und sogar Möbel vertreibt. Allein mit dem Shop, dessen Internet-Auftritt gerade komplett relauncht worden ist, setzt Huber rund 800 000 Euro pro Jahr um. Fast ebenso viel bringt die Motorradmesse "Custombike" ein - mit 27 000 Besuchern die größte ihrer Art in Europa - die der Mannheimer Verlag in diesem Jahr bereits zum fünften Mal in Bad Salzuflen veranstaltet. Eine eigene Werbeagentur sowie zwei Internet-Plattformen zum Verkauf von Fotos und Tattoo-Motiven gehören ebenso zum Verlag.
Sein Platz in der Nische hat den Huber-Verlag vor einem allzu drastischen Anzeigeneinbruch, wie ihn große Publikumszeitschriften in Krisenzeiten wie jetzt erleiden, geschützt. "Wir leben von vielen kleinen Kunden und nicht von wenigen Großen", beschreibt Nitz die komfortable Position, in der sich der Verlag befindet. Der 43-jährige hat vor sieben Jahren die Geschäftsführung übernommen und hat seither einen Expansionskurs eingeschlagen. Allein die Belegschaft wurde unter seiner Ägide auf jetzt 68 Mitarbeiter verdoppelt. 2007 war laut Nitz bislang das wirtschaftlich erfolgreichste Jahr des Unternehmens. Mit dem Enduro-Heft "Dirtbike", und dem "Dynamite-Magazin" für alle Liebhaber der 50er-Jahre-Retro-Welle, lancierte der Verlag gleich zwei neue Zeitschriften auf dem Markt. Damit ist Huber in den letzten Jahren gegen den Trend im Special-Interest-Bereich gewachsen.
Auch in diesem Jahr bekamen die Friedrichsfelder schon Zuwachs: von der Münchner Lila Publishing GmbH kauften sie den Titel "Reise Motorrad" und vervollständigten damit ihr Portfolio für Motorradfans - vom Rocker bis zum Tourenfahrer. Und noch ein neues Feld will Nitz betreten: Noch in diesem Jahr steht mit einem Automagazin eine erneute Hausgeburt an.
Wirtschaftsmorgen
26. August 2009
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