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"Achtung, Achtung, alles festhalten, wir setzen zur Landung an", ruft der Pilot über ein Megafon in den Flur. Die Lautsprecher wurden schon vor langer Zeit eingespart. Hinten sitzen all jene dicht gedrängt auf ihren Barhockern, die noch einen Platz bekommen haben. Die anderen Passagiere halten die wie bei einem Linienbus von der Decke herabhängenden Gurte fest umschlossen. In halbwegs komfortablen Sitzreihen, wie noch vor wenigen Jahren, sitzt im irischen Flieger der Zukunft keiner mehr. Kosten sparen lautet das einhellige Motto. Hauptsache der Kunde kommt am Ende so günstig wie möglich an sein Ziel. Doch nicht um jeden Preis. Irgendwann wird auch die Geduld der Kunden ihre Grenzen kennen.
Doch bis es so weit ist, geht die Suche nach neuen Ideen weiter. In nicht allzu ferner Zukunft könnte das Szenario bei Ryanair schon so aussehen, sollte sich Konzernchef Michael O'Leary mit seinen verrückten Gedanken durchsetzen. Vielleicht ist aber auch alles nur Werbung. Experten nennen die Strategie der Billig-Airline cleveres Marketing. Denn egal wie verrückt die Ansätze auch sind, die öffentliche Aufmerksamkeit ist O'Leary sicher. Dabei hat der Unternehmer die Möglichkeiten seiner Geschäftsidee überhaupt noch nicht richtig erkannt. So viel Potenzial bleibt bisher unentdeckt.
Sicher die Ideen einer "Fat Tax" bei der übergewichtige Fluggäste eine Zusatzgebühr bezahlen, oder den Kunden Geld abzunehmen, sollten sie die Toilette benutzen wollen, sind schon weit gedacht. Aber das Papier auf dem stillen Örtchen kostet ebenfalls Geld und auf den Zettel ließe sich wunderbar Werbung verteilen. Und wäre es nicht denkbar, künftig 25 Euro für die Benutzung des Notausganges zu verlangen? Außerdem haben Vielflieger die Sicherheitshinweise an Board oft genug gelesen. Da wären 2,50 Euro für den speziellen Lesestoff angebracht. Wurde eigentlich schon über Liegeplätze im Fach für das Bord-Gepäck nachgedacht?
Am Ende könnte der Kunde bei einem Flug vielleicht sogar noch die eigene Urlaubskasse aufbessern. Die Kunst der Deutschen, das eigene Auto vor dem Urlaub zu beladen, ließe sich so gekonnt nutzen. Wer beim Verstauen der Koffer in den Flieger mit anpackt, bekommt 20 Euro. Wer nach der Landung beim Putzen des Flugzeugs dabei ist, erhält 15 Euro.
Reifendruck- und Ölstand-Kontrolle kennt man ja ebenfalls vom eigenen Pkw. Fünf Euro bekommt derjenige, der auf dem Rollfeld zum Messstab greift. Kerosin einzufüllen, ließe sich gut nebenher erledigen. Wer dann im Flieger noch kräftig in die Pedale tritt und damit die Energie der neuen "Elektro-Flieger" ankurbelt, bekommt je nach Wattzahl einen Bonus überwiesen.
Den Möglichkeiten die Luftfahrtbranche zu revolutionieren, scheinen keine Grenzen gesetzt. Und so lange Menschen um jeden Preis Geld sparen wollen, werden Billig-Airlines weiter nach Ideen suchen. Doch egal welche Vorschläge am Ende noch auftauchen. Alles müssen Kunden nun wirklich nicht mit sich machen lassen. Jens Zillmann
Wirtschaftsmorgen
26. August 2009
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