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Plötzlich Erzieher

Archiv-Artikel vom Mittwoch, den 08.03.2017

Von Sarah Weik

Marco Bräutigam wollte kein Kaufmann im Einzelhandel mehr sein.

Zuerst war es nur ein Scherz. "Meine Lebensgefährtin ist Tagesmutter bei den 'Kleinen Räubern' in der Schwetzingerstadt in Mannheim", erzählt Marco Bräutigam. "Und als ihre Kollegin schwanger wurde, habe ich aus Spaß vorgeschlagen, ich könnte doch die Schwangerschaftsvertretung machen." Doch dann ließ ihn der Gedanke nicht mehr los.

"Ich habe mir nach der Schule schon mal überlegt, Erzieher zu werden", erinnert sich der 32-jährige Speyerer. "Ich hatte immer einen guten Draht zu Kindern." Doch nach der Mittleren Reife entschied er sich nach einigen Praktika dafür, eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann zu machen. "Dabei spielte der Gedanke, dass Erzieher ja kein typischer Männerberuf ist, durchaus auch eine Rolle", gibt er zu.

Bräutigam arbeitete einige Jahre im Einzelhandel und verkaufte Sportartikel. "Da Sport mein großes Hobby ist, hat das anfangs auch ganz gut gepasst." Doch irgendwann langweilte ihn die Tätigkeit. Bräutigam wollte mehr, beruflich weiterkommen und wechselte das Unternehmen. "Aber ich war in dem Job einfach nicht mehr glücklich, das hat mich schließlich auch körperlich und seelisch belastet." Ihm wurde klar, dass er etwas völlig anderes machen musste. "Ich wollte dann Fitnesstrainer werden und habe auch einige Kurse besucht."

Tagesvater zu werden - daran hatte Bräutigam gar nicht gedacht. Bis die Kollegin seiner Freundin schwanger wurde und sich ganz unerwartet die Möglichkeit ergab, seinen ursprünglichen Berufswunsch zu erfüllen. "Aus einer spaßigen Idee wurde dann Ernst." In Bruchsal besuchte er einen Kurs zur Qualifizierung als Tagespflegeperson. "Natürlich als einziger Mann", erzählt der 32-Jährige und lächelt. Die anfänglichen Bedenken, als Mann in dem Beruf von Kolleginnen oder auch von den Eltern schief angeschaut zu werden, haben sich nie bestätigt. "Im Gegenteil - die meisten freuen sich. Und die Kinder haben mich vom ersten Tag an akzeptiert." Mittlerweile steht fest, dass er auch nach der Vertretungszeit bei den "Kleinen Räubern" bleiben wird.

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 08.03.2017
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