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Dreamliner-Brand stellt selbst Experten vor Rätsel

Auch die Sicherheitsforschung darf bei neuen Batterien nicht zu kurz kommen – wie das Beispiel von Boeings jüngstem Flugzeugmodell zeigt. VON MARTIN SCHÄFER

© Matthew Thompson
© Japan Transport Safety Board /

Lag es an der Batterie, am Ladevorgang oder an weiteren elektronischen Schaltungen im Dreamliner? Wieso in zwei Flugzeugen des Typ Boeing 787 an den modernen Lithium-Ionen-Akkus Feuer ausbrach, ist noch ungewiss. Gewiss ist hingegen, dass der Betrieb von Lithium-Ionen-Batterien (LIB) besonderer Sicherheitsvorkehrungen bedarf. Ingenieure wissen das - nicht zuletzt aus spektakulären Internet-Videos, die in vergangenen Jahren zeigten, wie Laptops oder Smartphones in Flammen aufgingen. Den Herstellern hat das Gespött nur kurzfristig geschadet. Sie haben nachgerüstet. Seither ist vonseiten der Konsumelektronik keine Gefahr mehr ausgegangen. Nun also Boeing.

Das Problem mit den LIBs kommt mit einem ihrer Vorzüge daher: Sie speichert große Mengen Energie auf deutlich kleinerem Raum als etwa Vorgängersysteme wie Nickel-Cadmium-Akkus. In kritischen Betriebszuständen kann es passieren, dass die Energie sich ungewollt ihren Weg nach draußen sucht: Die Batterie wird warm, immer wärmer, bis sie Flammen schlägt oder sogar explodiert. Fachleute nennen das den "thermal runaway". Durch eine Steuerelektronik sollen diese kritischen Betriebszustände, etwa Kurzschluss, Tiefentladung oder deutliche Überladung, verhindert werden. In der Regel funktioniert das tadellos. Die Sicherheitsschaltungen waren im Fluggerät von Boeing auch doppelt und vierfach ausgelegt.

Das hat offensichtlich nicht gereicht. Ohne die beiden Batteriesysteme - jeweils doppelt so groß wie eine Autobatterie - in Bug und Heck kann der Flieger nicht abheben. Die LIB versorgen wichtige Funktionen im Bordbetrieb: Sie starten etwa das Computerdisplay des Piloten und unterstützen andere elektronische Systeme. Ersten Untersuchungen zufolge kam es zu einem Kurzschluss. Fachleute fahnden derzeit nach Herstellungsfehlern der Batterie oder beim Ladegerät. Auch andere Branchen dürfte der Imageschaden von Boeing nicht ungerührt lassen: An Bord eines Elektroautos läuft nichts ohne die Lithium-Ionen-Akkus.

© Mannheimer Morgen, Samstag, 02.02.2013
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