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„Gewürzmetalle“ gefragt

Archiv-Artikel vom Samstag, den 08.12.2012

© Jan-Peter Kasper
© Ralf Hirschberger

Hightech-Rohstoffe drohen knapp zu werden - Unternehmen kalkulieren daher zunehmend das Recycling von Handys, Photovoltaikanlagen oder Elektromotoren ein. VON MARTIN SCHÄFER

In deutschen Schubladen stecken heute mehr wertvolle Rohstoffe als im Erz einer Mine: Gold im Handy, Indium im Display, Lithium im Akku. Fachleute machen sich daher Gedanken, an diese teils als Altgeräte vor sich hin staubenden Rohstoffquellen zu kommen. "Wir müssen über neue Recyclingmethoden nachdenken und an die Produkte aus den Haushalten wieder herankommen", sagt der Abfallwirtschaftler Martin Kranert von der Universität Stuttgart.

Was den Forscher umtreibt: Die Rohstoffe für Elektroautos, Photovoltaikanlagen, Windkraftgeneratoren, Handys und Flachbildschirme werden knapp. Der Begriff Knappheit ist hier zunächst wirtschaftlich gesehen: Knappe Verfügbarkeit spiegelt sich in einem höheren Preis wider. So gibt es weltweit zwar viel Lithium, der Bedarf für die Millionen Akkus in Handys und Elektroautos ist allerdings riesig. Andererseits sind die Vorräte mancher Rohstoffe in der Erde gering, oder der freie Marktzugang ist unsicher, da wenige Länder Menge und Preis kontrollieren.

Seltene Erden: Umfasst eine Gruppe von 17 metallischen Stoffen im Periodensystem der chemischen Elemente.

Technologiemetalle: Meint die Seltenen Erden und weitere 29 strategisch wichtige Metalle von Antimon über Chrom bis Titan und Wolfram.

Gewürzmetalle: Eine Prise Gewürzmetall entscheidet über die Funktion eines Bauelements. Dazu zählen die Seltenen Erden und ein Dutzend weiterer Stoffe.

Recycling: In modernen Recyclinganlagen gelingt es, sämtliche Edelmetalle aus dem Elektroschrott wieder herauszuholen. Dazu zählen Gold, Silber, Platin, Palladium, Rhodiu, Ruthen und Iridium. Außerdem können die Metalle Selen, Tellur, Antimon, Arsen, Wismut, Indium, Kupfer, Blei, Nickel und Zinn separiert werden. Unternehmen arbeiten an speziellen Recyclingverfahren für Photovoltaikmodule, Displays und Lithium-Ionen- sowie Nickel-Metallhydrid-Batterien.

Bei einer sehr wichtigen Rohstoffklasse, den sogenannten Seltenen Erden, ist die Nachfrage im Zeitraum der Jahre 2008 bis 2011 um zehn Prozent gestiegen, die Kosten hingegen um 1000 Prozent, bilanziert Siegfried Behrendt vom Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung in Berlin. Zur Gruppe der Seltenen Erden zählen 17 Metalle wie Lanthan, Neodym, Europium, Yttrium -mysteriös klingende Bezeichnungen. "Das sind diejenigen chemischen Elemente, die im Chemieunterricht übersprungen werden", sagt Behrendt.

Chinas Monopol auf Seltene Erden

Seltene Erden sind relevant für Katalysatoren, Leuchtstofflampen, Magnete, Elektromotoren, Displays. Anders, als der Name Seltene Erden allerdings andeutet, sind sie gar nicht so selten: Die auf dem Globus bekannten Reserven liegen bei geschätzten 99 Millionen Tonnen. Die jährliche Fördermenge liegt bei 124 000 Tonnen. Experten schätzen die sogenannte Reichweite dieser Rohstoffe auf über 700 Jahre. Doch 95 Prozent dieser Ressourcen kontrolliert China. Als die asiatische Großmacht kürzlich drohte, die Exporte zu verknappen, war die Unsicherheit auf den weltweiten Technologiemärkten daher groß. Übersehen wurde allerdings, dass beispielsweise Deutschland die Rohstoffe nicht immer direkt importiert, sondern die Endprodukte einführt, die wie im Fall der kompletten Apple-Produktlinie in China gefertigt werden.

Aufgrund dieser Rohstoff-Abhängigkeiten sinnieren Fachleute über Alternativen nach. In Australien, Grönland, Finnland und Südafrika sollen weitere Minenprojekte die Abhängigkeit mindern. "Das dauert aber noch fünf Jahre, bis die Minen liefern", sagt Behrendt. Vier Handlungsfelder beschreibt der Forscher, um Abhängigkeiten zu reduzieren. Auf dem Feld der Politik müsse der Zugang zu Rohstoffen gesichert werden. Zudem sollten Wissenschaftler Ersatzstoffe und -methoden entwickeln. Drittens gelte es, die Materialeffizienz weiter zu erhöhen. Ebenso wichtig sei es, das Recycling der Rohstoffe voranzutreiben. "Das Recycling ist kaum entwickelt", konstatiert Behrendt.

Schonende Wiedergewinnung

Dabei lohnt sich Recycling. "Der Energiebedarf zur Gewinnung von Edelmetallen im modernen Recycling braucht nur einen Bruchteil der Energie, die im Bergbau benötigt würde", erklärt Christian Hagelüken vom Unternehmen Umicore in Hanau. Umicore betreibt in der Nähe von Antwerpen eine der größten Metallrecyclingsanlagen. In einem Kilogramm Handyschrott stecken beispielsweise 16 Milligramm Gold für die Kontakte der elektrischen Leitungen, zudem rund 69 Gramm Kupfer. In einer Gold- oder Kupfermine stecken im Kilo Erz nur bis zu fünf Milligramm Gold und 50 Gramm Kupfer. Da sollte sich Recycling lohnen. Eine Tonne Althandys beziffert Hagelüken denn auch mit einem Wert von 15 000 Euro.

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