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Donnerstag, 24.05.2012

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Kabarett: Eckart von Hirschhausen unterhält den voll besetzten Rosengarten drei Stunden lang niveauvoll

Parallelen zum Langzeit-Kanzler

Von unserer Mitarbeiterin Waltraud Brunst

Hat immer das richtige Rezept: Dr. Eckart von Hirschausen lässt lachen.

Hat immer das richtige Rezept: Dr. Eckart von Hirschausen lässt lachen.

© Proßwitz

"Es ist nicht fair, dass 95 Prozent der Zahnärzte den anderen einen schlechten Ruf einbringen." Für solche Sprüche wird der Herr Doktor von Hirschhausen aus der Humanmediziner-Ecke zwar von den Zahnärzten inbrünstig gehasst, aber der Rest der Nation amüsiert sich königlich. Der multipel talentierte Kinderneurologe, Kabarettist, Bestseller-Autor und Talkshow-Moderator Eckart von Hirschhausen tourt mal wieder mit seiner unaufdringlich-effizienten Drei-Mann-Combo (Piano, Drums, Bass) und seinem Erfolgsprogramm "Liebesbeweise" durch die Republik und lässt die vielen Wiederholungstäter im ausverkauften Mozartsaal vergessen, dass er anno 2009 am gleichen Ort das damals nagelneue Programm schon mal präsentiert hatte.

Der Eine oder Andere hat sich vielleicht an die getanzte Waldorfpädagogik oder die computeranimierten Strichmännchen erinnert, aber da der blitzgescheite Entertainer die politischen und gesellschaftlichen Alltagskatastrophen wie ein Schwamm aufsaugt, war die Programm-Aktualität garantiert.

Die Methode namens Aussitzen

Bekanntlich ist Hirschhausen ein Meister der Interaktion. Er fragt stets nach Mediziner-Kollegen und deren Fakultäten. Mit erschütternd geringem Erfolg übrigens, wobei die Dunkelziffer beträchtlich sein dürfte. Natürlich sucht und findet der Mann in seiner komplexen Branche allerlei Futter für kollektiven Frohsinn, referiert kenntnisreich über Placebos oder erläutert an MRT-Aufnahmen menschlicher Gehirne vorgetäuschte Orgasmen. Zum Thema "Liebesbeweise" macht er sich im Publikum auf die Suche nach auskunftswilligen Pärchen, findet sogar ein Senioren-Duo, das schon die goldene Hochzeit hinter sich hat. Nach dem Rezept für diese Ausdauer befragt, entgegnete die Langzeit-Gattin lapidar: "Aussitzen!" Worauf Hirschhausen Parallelen zum pfälzischen Langzeit-Kanzler konstatierte.

Irgendwann im Laufe der 15 Jahre auf der Piste, seit der hoffnungsvolle Jung-Mediziner den weißen Kittel auszog, hat er auch die Verführungsqualitäten seines angenehmen Baritons entdeckt. Inzwischen greift er so routiniert zum Mikrofon wie damals zum Stethoskop. Bei "Perhaps Love" und beim umgetexteten "Besame Mucho" schmelzen die Frauenherzen nur so dahin. Er animiert das Auditorium dazu, komplizierte Calypso-Rhythmen zu klatschen und lautstark den guten, alten Beatles-Titel "All You Need Is Love" zu singen. Überhaupt ist der fast dreistündige Abend so kurzweilig, dass kaum einmal jemand auf die Uhr schaut.

Notorische Mäkler behaupten gelegentlich, die unerschütterliche Nettigkeit des promovierten Glücksspenders ginge ihnen gehörig auf den Senkel. Gibt es nicht genügend grenzdebile Kotzbrocken auf deutschen Bühnen? Jedenfalls hat man bei Hirschhausens populärmedizinischen Seminaren nie das fatale Gefühl, sich weit unter Niveau zu amüsieren. Zugegeben - die schriftliche Publikumsbefragung war diesmal wenig ergiebig. Die vorwiegend läppischen Statements regten eher die Mannheimer zum Fremdschämen als den Herrn Doktor zu brillanten Kommentaren an. Dafür fielen ihm an anderer Stelle gar köstliche Stilblüten ein. Wer von uns wird je wieder wagen, die Liebe zwischen Romeo und Julia zu idealisieren? Hat Hirschhausen nicht Recht, wenn er zu bedenken gibt, dass die beiden auch nie mit zwei plärrenden Kleinkindern auf der Rückbank zehn Stunden im Stau am Brenner zubringen mussten? Und wer könnte nicht den ketzerischen Gedanken eines gestressten Vaters nachvollziehen, der beim Anblick einer Babyklappe an irgendeinem Krankenhaus insgeheim bedauert, dass sein renitenter 14-Jähriger da nicht mehr reinpasst?

Die Hirschhausen-Jünger beiderlei Geschlechts bejubelten ihr Idol und seine musikalischen Mitstreiter ausgiebig und stürmten anschließend den Merchandising-Stand im Foyer, um sich für die tollen Tage zumindest mit den roten Clowns-Nasen auszustatten. Fürwahr ein heiterer und ganz und gar krawattenloser Altweiberfasnachts-Abend.

© Mannheimer Morgen, Samstag, 18.02.2012

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