Energie:
Ausschuss diskutiert Nutzung von Wind- und Wasserkraft in Lautertal
Propeller sind noch Zukunftsmusik
Von unserem Mitarbeiter Thomas Tritsch
Der Umweltausschuss debattierte unter eisigen Bedingungen in Gadernheim. Diesmal lag es nicht an den Gemeindevertretern - es wurde nicht geheizt.
© Lotz
Gadernheim.
Es war kalt in der Heidenberghalle. Sehr kalt. Genau die richtige Atmosphäre, um über Energie zu diskutieren. Die Nutzung von Wind- und Wasserkraft in Lautertal wird schon seit einigen Monaten heiß diskutiert. Die Kooperationspartner SPD und GLL, aber auch die CDU haben mit ihren Vorschlägen in und außerhalb der Gemeindevertretung für Gesprächsstoff gesorgt: Drehen sich auf den heimischen Hügeln schon bald die Propeller? Und sind die Lauter und das Trinkwassernetz wirklich dazu geeignet, günstig "Saft" ins Stromnetz einzuspeisen?
"Ihr müsst wissen, was ihr wollt"
In der ungeheizten, über dreistündigen Sitzung wurde deutlich, dass es selbst bei kollektiver Zustimmung noch Jahre dauern würde, bis sich auf der Gemarkung das erste Windrad drehen könnte. Allein das Genehmigungsverfahren zur Errichtung einer Anlage frisst an die zwei Jahre Vorlaufzeit, wie der parteilose Regenerativ-Pionier Achim Straus im Ausschuss betonte. "Vor allem müsst ihr wissen, was ihr wollt."
Ausschuss-Chef Frank Maus (GLL) moderierte die Sitzung mit einer klaren (Wind-)Richtung: Lautertal müsse das Potenzial nutzen. Der GLL-Fraktionsvorsitzende plädierte dafür, schnell in den langwierigen Prozess einzusteigen und zu prüfen, ob eine Anlage wirtschaftlich rentabel arbeiten würde.
Zuvor will die GLL die Menschen in den Gestaltungsprozess einbinden und in der Bevölkerung für ein genossenschaftliches Betreibermodell werben, wie es sich um die Anlage auf der nahen Neutscher Höhe formiert hat. Kontakte mit der Energiegenossenschaft Starkenburg sind geknüpft. Der Dialog mit den Vogel- und Naturschützern wartet noch.
SPD und GLL wollen den Bürger als Teilhaber gewinnen. Wer einsteigt, verdient an jeder erzeugten Kilowattstunde mit. "Wer auf ein Windrad blickt, der will auch dessen Nutzen spüren", so Klaus Harjes. Nur so könne die Scheu gegenüber den Anlagen überwunden werden. Im Norden Deutschlands wachsen diese "Spargel" ganz selbstverständlich in der Landschaft. Mit einem Blick auf die regionale Windkarte fügte Frank Maus hinzu, dass die Höhenzüge im Osten weitaus besser geeignet sind als das flache Ried.
Früher, konkreter und realitätsnaher erscheint die Verwirklichung gemeindeeigener Wasserkraftwerke (wir haben berichtet). Auch dieses Konzept ist Teil der rot-grünen Energieoffensive. Aus den eigenen Reihen wurden Fachleute geholt, die dieser schon älteren Idee durch harte Fakten neuen Schwung geben sollen.
Runder Tisch geplant
"Wir wollen zeigen, dass es funktioniert", so Frank Maus, der im Ausschuss auch für dieses Thema ein aufmerksames wie zustimmendes Publikum fand. Kein Wunder, denn die CDU-Fraktion um Peter Hannewald hatte bereits in der letzten Gemeindevertretung dafür geworben, in den Wasserleitungen Kleinstturbinen zur Stromerzeugung einzubauen. Und dafür breite Zustimmung geerntet.
Für Frank Maus ist der Vorstoß ein "kluger Antrag". Die Energiewende funktioniere nur, wenn sich viele kleine Mosaiksteinchen aneinanderfügen. Eine Logik, die nur in Megawatt denke, müsse jede private Photovoltaikanlage auf den Müll schmeißen, entgegnete er den Kritikern. Pro Turbine könne man mit einer Leistung von einem Kilowatt rechnen.
Einstimmig votierte der Ausschuss für einen runden Tisch, an dem Experten und Fraktionsvertreter zusammen kommen und über die Details diskutieren. Wasser zum Zweiten: Auch das Projekt eines Kleinkraftwerks an der Lauter konkretisiert sich langsam. Nach einer Ortsbegehung werde derzeit im Regierungspräsidium geprüft, ob und wo eine solche Anlage einsetzbar wäre. Eine Genehmigung steht noch aus. Die Lauter fließt mit 80 Litern pro Sekunde, so Jürgen Aust, Physiker aus den Reihen der GLL.
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