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Psychologie: Depressionen können auch Kinder und Jugendliche treffen / Symptome ähnlich wie bei Erwachsenen

Dunkelheit im Herzen

Jedes fünfte Mädchen im Alter von bis zu 18 Jahren leidet einmal unter Depression. Die Hälfte davon muss damit alleine klarkommen.

© dpa

Hamburg/Heuchlingen. Vor dem Fenster mit den geschlossenen Jalousien scheint die Sonne. Drinnen, hinter den Jalousien, ist es dunkel. Genauso wie in Elisas Gedanken und Gefühlen. Als die Depression Elisa (Name geändert) fest umklammert hielt, war sie 15 Jahre alt. Doch die Krankheit kam viel früher. Wann genau, weiß Jörg Lohgard nicht. Er kennt Elisa erst, seit sie mit 15 in die betreute Wohngruppe in Hamburg kam, in der er als Sozialpädagoge arbeitet. Kinder und Jugendliche mit einer besonders schweren Lebensgeschichte oder besonders gravierenden Problemen finden dort Hilfe - wie Elisa.

Und wie sie leiden rund zwölf Prozent aller Jungen und 20 Prozent aller Mädchen bis zu ihrem 18. Geburtstag mindestens einmal unter Depressionen. Das sind 4 bis 8 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland - mindestens ein Kind in jeder Schulklasse. Damit gehören Depressionen zu den häufigsten psychischen Störungen. Die World Federation for Mental Health sieht in der Erkrankung gar eine globale Krise.

Doch die Hälfte der Fälle werde gar nicht erkannt, sagt der Kinder- und Jugendtherapeut Martin Baierl. Grund dafür sei oft, dass Eltern mit auffälligen Kindern nur zum Kinder- oder Hausarzt gehen. Wenn Kinder nicht mehr lachen können, keine Freude mehr an ihren Hobbys haben, sollten Eltern aber unbedingt einen Psychologen oder Therapeuten aufsuchen, der sich auf Kinder und Jugendliche spezialisiert hat, betont Baierl.

Schutz vor Depressionen

  • Genauso wie bestimmte Lebensumstände Depressionen fördern, können andere Umstände vorbeugend wirken.
  • Eine gute Atmosphäre zu Hause, klare Grenzen, ein strukturierter Tagesablauf, ermutigende Worte der Eltern, Anerkennung stärken Kinder und machen sie immuner gegen die Folgen von Schicksalsschlägen und Belastungen.
  • "Loben Sie ihr Kind", rät Kinder- und Jugendtherapeut Martin Baierl. "Und lösen Sie Probleme gemeinsam."
  • Bewegung, viel Licht, helle Räume sorgen außerdem für ein positives Lebensgefühl, fügt er hinzu.
  • Und: "Eltern müssen auch dafür sorgen, dass es ihnen gut geht, sonst können sie ihren Kindern nicht zur Seite stehen."

Die Anzeichen für eine Depression sind bei Kindern ähnlich wie bei Erwachsenen. Michael Schulte-Markwort von der Uniklinik Hamburg-Eppendorf zählt auf: Ständige Traurigkeit, Antriebslosigkeit, Schlaf- und Essstörungen gehören dazu. Auch Konzentrationsstörungen, Aggressivität und ein geringes Selbstwertgefühl können Hinweise sein. "Depression hat viele unspezifische Symptome", sagt Baierl. "Die endgültige Diagnose kann nur ein Facharzt stellen."

Ob ein Mensch zu Depressionen neigt, entscheiden die Gene. Ist ein Elternteil depressiv, sind auch die Kinder anfälliger. Ausgelöst wird die Krankheit aber häufig durch äußere, oft sehr einschneidende Faktoren. "Die häufigste Ursache ist die Trennung der Eltern", sagt Schulte-Markwort. Aber grundsätzlich könne jede langanhaltende Belastung oder ein kurzfristiges, schweres Problem der Auslöser sein, erklärt Baierl. Dazu gehören Überforderung in der Schule, Streit mit den Eltern, aber auch ein Migrationshintergrund. Elisas Vater war Alkoholiker, die Eltern trennten sich, die alleinerziehende Mutter konnte sich nicht ausreichend um die drei Kinder kümmern. Elisa plagten depressionstypische Verlustängste und Selbstzweifel.

Hilfe nötig

Wie Erwachsene brauchen auch Kinder Hilfe, um Depressionen zu überwinden. Nach der Diagnose folgt wie bei jeder Krankheit die Behandlung. Bei einer Depression ist das meist eine Gesprächs- oder Verhaltenstherapie. Bei einer mittleren bis schweren Depression wird die Behandlung in der Regel durch Antidepressiva unterstützt. Die wichtigste Medizin aber in dieser Zeit ist eine gute Beziehung zu den Eltern. dpa

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 16.10.2012
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