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Beratungsstelle: Diplom-Psychologe Wolfgang Kasubek warnt vor zu hohen Erwartungen von Patchwork-Familien

Mit Behutsamkeit und Respekt

Von unserem Redaktionsmitglied Uwe Rauschelbach

Nach Trennungen bilden sich oftmals neue Familien. Was nach außen harmonisch wirkt, erfordert in der Regel eine harte Beziehungsarbeit.

Nach Trennungen bilden sich oftmals neue Familien. Was nach außen harmonisch wirkt, erfordert in der Regel eine harte Beziehungsarbeit.

© Grabowsky/photothek

Nach Trennungen und Scheidungen formieren sich die zersprengten Familienteile oftmals unter anderen Vorzeichen. In der "Patchworkfamilie" müssen Kinder und Erwachsene neue Beziehungen regeln. Ist die Ursprungsfamilie zerbrochen, muss das klassische Familienmodell durch ein neues abgelöst werden. Doch statt heiler Patchworkwelt dominieren häufig die Probleme.

Herr Kasubek, wie lauten Ihre Erfahrungen mit Patchworkfamilien in der Beratungspraxis?

Wolfgang Kasubek: Etwa 20 Prozent unserer Beratungen kreisen um Probleme von Patchworkfamilien. In den Gesprächen zeigt sich, dass sich niemand diese Lebensform von vornherein ausgesucht hat. Viele klagen über die verborgenen Fallstricke und darüber, wie mühevoll es ist, ein solches Modell am Laufen zu halten, damit die neue Familie nicht auch wieder Schiffbruch erleidet.

Ist der Begriff "Patchworkfamilie" glücklich gewählt?

Kasubek: Wenn Menschen aus ursprünglich unterschiedlichen Familien zusammenkommen, und das auch noch mit Kindern auf beiden Seiten, dann kann man durchaus von einem bunten Flickenteppich sprechen. Den Begriff der Stiefmutter oder des Stiefvaters finde ich sehr viel problematischer. Der dänische Familientherapeut Jesper Juul spricht hier von "Bonuseltern".

Wird die Patchworkfamilie idealisiert?

Kasubek: Gelegentlich. Bis eine Patchworkfamilie aber gut funktioniert, sind in der Regel mühevolle Anpassungsprozesse nötig. Immerhin hat es zuvor Trennungen gegeben, mit all den Folgen, mit denen Kinder wie Erwachsene umgehen müssen.

Mit welchen Problemen kommen die Leute zu Ihnen?

Kasubek: Die Probleme haben vor allem mit Anpassungsschwierigkeiten der Kinder in einer neuen Familiensituation zu tun. Diese können aber auch aufseiten der Erwachsenen auftauchen. Klassisches Beispiel: Man bemüht sich um die Kinder des Partners und meint es auch gut, ist dann aber womöglich irgendwann mit den Kräften am Ende, weil sich die Kinder gegen die Beziehung zum neuen Partner eines Elternteils sträuben.

Ist die Ursprungsfamilie, auch wenn sie kaputt sein mag, grundsätzlich besser für Kinder als eine neue Konstellation?

Kasubek: Das kann ich so nicht sagen. Es kann durchaus richtig sein, wenn Eltern, die sich zwar innerlich voneinander getrennt haben, um der Kinder willen weiter zusammenleben. Es kann aber auch sinnvoll sein, eine Ehe, die stark unter Spannungen leidet, aufzulösen. Wichtig ist im Sinne der Kinder bloß, dass Eltern auch nach einer Trennung miteinander kooperieren.

Wie sehr leiden Kinder unter dem Bruch einer Familie?

Kasubek: Die Trennung von Eltern ist für Kinder immer ein sehr schmerzhafter Prozess. Grundsätzlich dauert es mindestens zwei bis drei Jahre, bis Kinder eine solche Trennung emotional verarbeitet haben. Wenn Eltern ihre Kämpfe gegeneinander fortsetzen, kann das bei Kindern zu seelischen Störungen führen. Wenn es gelingt, ein kooperatives Klima herzustellen, können Kinder auch mit einer Trennung besser umgehen. Dazu gehört auch, dem Kind zu erlauben: Du kannst es dir gutgehen lassen in deiner neuen Familie und brauchst kein schlechtes Gewissen zu haben, dass du mir damit wehtun könntest.

Wie finden Stiefeltern das rechte Maß an Zuwendung, wollen sie nicht die Ersatzrolle des leiblichen Elternteils übernehmen?

Kasubek: Eine solche Situation erfordert viel Behutsamkeit und Respekt im Umgang mit den Kindern. Mein Rat: Eher vorsichtig und langsam den Kontakt anbahnen als überfallartig. Es darf nicht darum gehen, ein leibliches Elternteil zu ersetzen.

Woran scheitern Patchworkfamilien hauptsächlich?

Kasubek. Viele Familien gehen mit großem Elan in eine solche neue Situation. Vielleicht auch mit der guten Absicht, alte Fehler nicht zu wiederholen. Viele Familien überfordern sich in dem Anspruch, es unbedingt besser machen und möglichst bald wieder Normalität herstellen zu wollen.

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 27.12.2011
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