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Moderne Medien:

"Papa, ich will auf Facebook!" - Was Eltern wissen müssen

Von Andreas Heimann

Eltern sind oft irritiert, wenn die Tochter schon wieder stundenlang chattet und der Sohn andauernd Fotos postet. Ihnen kommt das bestenfalls sinnlos vor, schlimmstenfalls gefährlich. Aber soziale Netzwerke sind Alltag. Risikolos sind sie zugegebenermaßen nicht.

Eltern sollten den Facebook-Auftritt ihrer Kinder nicht zu misstrauisch kontrollieren. Denn sonst müssen sie damit rechnen, den Zugang zum Profil bald ganz verwehrt zu bekommen.

© dpa

Berlin (dpa/tmn) - Viele Eltern haben ein ungutes Gefühl, wenn ihre Kinder mehr Zeit mit SchülerVZ, Google+ und Facebook verbringen als mit ihnen. Und oft fehlt ihnen jedes Verständnis dafür, dass sich Jugendliche lieber dort austauschen, als sich nachmittags zu treffen. Aber soziale Netzwerke sind für heutige Teenager Alltag. "Sie sind aus dem Kinderzimmer nicht mehr zu verbannen", sagt Heinz Thiery von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke). Eltern sollten das akzeptieren. "Sie können diesen Kampf nicht durch Verbote gewinnen."

Allerdings sei es gleichzeitig wichtig, dass sie sich mit dem Thema beschäftigen, argumentiert der Leiter der bke-Online-Beratung. Das Social Web sei bei Jugendlichen mittlerweile die wichtigste Form der Internetnutzung, erklärt Tobias Arns vom IT-Verband Bitkom. Mehr als 90 Prozent der zwischen 14- und 29-Jährigen nutzten die sogenannten Social Media, vor allem soziale Netzwerke wie die oben genannten.

"Soziale Netzwerke sind so attraktiv, weil sie viele Funktionen vereinen", sagt Arns. "Man sieht sich dort Bilder und Filme an, bekommt Informationen und tauscht sich mit seinen Freunden aus." Einerseits könne man Freunden gezielt Nachrichten schicken, sich aber zum anderen einfach treiben lassen. 82 Prozent in der genannten Gruppe der Jüngeren gaben bei der jüngsten Bitkom-Erhebung dazu an, ihnen sei es am wichtigsten, sich über ihre Freunde zu informieren. "In keiner anderen Altersgruppe ist dieser Wert so hoch."

Vertrauen ist besser als Kontrolle

Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser - das gilt auch in Bezug auf soziale Netzwerke. Sich das Passwort seines Kindes zu besorgen und sich heimlich unter dessen Namen zum Beispiel bei Facebook einzuloggen, hält der Erziehungsberater Heinz Thiery für keine gute Idee. Auch den Kindern Facebook nur zu erlauben, wenn die Eltern regelmäßig zugucken dürfen, sei problematisch. Misstrauen provoziere eine Abwehrhaltung. Selbst wer das gleiche soziale Netzwerk nutzt, hat begrenzte Kontrollmöglichkeiten: "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Jugendliche alle Tricks kennen, um unliebsame Besucher von ihrer Seite auszuschließen."

Soziale Netzwerke sind für Jugendliche völlig normal. "Sie organisieren ihren Alltag damit und nutzen sie so selbstverständlich wie ihre Eltern das Telefon", sagt Arns. "Ältere benutzen Facebook, um mit anderen Kontakt zu halten, zum Beispiel, weil die weit weg wohnen." Jugendliche geben über Facebook bekannt, wenn sie in fünf Minuten aufbrechen, um shoppen zu gehen. Dazwischen liegen Welten.

"Eltern hatten schon immer ein diffuses Unbehagen, wenn sie nicht verstehen, was ihre Kinder da machen", sagt Arns - und erst recht, wenn Jugendliche heute mit dem Smartphone ins Internet gehen. Dahinter stecke oft die Angst, die Kinder könnten in eine gefährlich erscheinende virtuelle Welt abdriften.

Dass es Risiken gibt - wie immer im Leben - sollten Eltern allerdings auch wissen: "Für Jugendliche unter 12 Jahren sind soziale Netzwerke deshalb nicht zu empfehlen", sagt Heinz Thiery. Bei Facebook ist für die Mitgliedschaft ein Alter von 13 vorgeschrieben. "Ihr Geburtsdatum können Jugendliche natürlich leicht faken." Thiery empfiehlt, als Profilfoto kein reales Bild zu wählen - oder nur eins, bei dem Teenager nicht leicht identifizierbar sind. Denn anonym sei man geschützter.

Vorsichtig sollte man auch bei den Angaben zur Person sein: "Allenfalls sollte man die Stadt und die Schule nennen, nie, wo man wohnt", warnt Thiery. Sicherer sei, seinen Namen zu verfremden, so dass Außenstehende nicht gleich die Möglichkeit haben herauszufinden, wer man ist. Jugendliche seien in dieser Hinsicht auch längst vorsichtiger geworden.

Viele verstehen dagegen noch nicht, dass sie Ärger bekommen können, wenn es um Persönlichkeitsrechte geht. Die können schon verletzt werden, wenn jemand mit dem Handy ein Mädchen aus der Nachbarklasse fotografiert und bei Facebook postet - ohne dessen Zustimmung wäre das streng genommen nicht erlaubt. "Viele Jugendliche glauben, wenn sie das Bild gemacht haben, gehört es ihnen, und sie können damit machen, was sie wollen", sagt Thiery. "Aber das Internet ist kein rechtsfreier Raum."

Das gilt umso mehr, wenn es um das viel diskutierte Urheberrecht geht. Nicht jedes Foto, jeder Text, jeder Witz kann einfach veröffentlicht werden. "Wer zum Beispiel einen Cartoon aus einer Zeitschrift übernimmt, begeht eine Urheberrechtsverletzung", erklärt Julian Höppner, Fachanwalt für IT-Recht in Berlin. Eine andere Frage ist, ob das auch gilt, wenn jemand so ein Bild nur weiterverbreitet wie beim "Teilen" in Facebook. "Das ist noch nicht geklärt", sagt Höppner.

Klar ist nach Paragraf 185 des Strafgesetzbuchs (StGB) dagegen, dass Beleidigungen verfolgt werden können: Wer "Yvonne ist eine dumme Schlampe" postet oder anderes auf vergleichbar niedrigem Niveau in seinem sozialen Netzwerk veröffentlicht, muss mit Konsequenzen rechnen. Das ist bei Drittklässlern noch etwas anderes. "Aber ab dem

14. Geburtstag ist auch ein Jugendlicher grundsätzlich strafrechtlich verantwortlich für sein Tun", sagt Höppner.

Solche Auseinandersetzungen vor Gericht führen zu wollen, sei allerdings nicht die erste Wahl: "Eltern können zwar Strafanzeige stellen", sagt Höppner, insbesondere wenn es mehrere Vorfälle dieser Art gab und es schon in Richtung Cybermobbing geht. "Ein Anwalt könnte auch zivilrechtlich gegen Beleidigungen vorgehen und darauf bestehen, dass das in Zukunft unterlassen wird." Ob das viel bringt, sei allerdings nicht sicher. "Oft ist es schlauer, auf die anderen Eltern zuzugehen und das Problem in der Schule zur Sprache zu bringen", sagt Höppner. "Rechtlich lässt sich das meist nicht lösen."

Mittwoch, 16.05.2012
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