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Trennung: Für ältere Kinder ist das Ehe-Aus oft dramatisch / Experten geben Hilfestellung

Scheidung der Eltern setzt auch Jugendlichen zu

Wenn sich die Eltern scheiden lassen, ist das für Jugendliche oft ein Drama. Wichtig ist, dass sie ihre Emotionen zulassen.

© Andresen/Jahreszeiten Verlag

Wuppertal/Berlin. Für viele Jugendliche ist die Nachricht der absolute Horror: Die Eltern lassen sich scheiden. Warum passiert das ausgerechnet mir? Warum können wir nicht einfach wie andere Familien normal zusammenleben? Die meisten haben große Probleme, die Trennung der Eltern zu überstehen.

"Das ist oft eine ganz schlimme Erfahrung", bestätigt Maria El-Safti-Jütte vom Berliner Kinder- und Jugendtelefon. "Mit der Trennung der Eltern kommt eine ganz große Unsicherheit, denn das alte, vertraute Leben ist weg." Viele Jugendliche fragten sich: Wo werde ich leben? Was wird sich alles verändern? Kann ich auf meiner alten Schule bleiben oder muss ich umziehen?

Beate Friese, Sprecherin des Beratungstelefons "Nummer gegen Kummer" in Wuppertal, weiß aber auch, dass längst nicht für alle Jugendlichen eine Welt zerbricht: "Meist gab es lange vorher schon immer wieder Streit oder Zeiten, in denen die Eltern nicht miteinander gesprochen haben. Dann kann es sogar eine Erleichterung sein, wenn das vorbei ist." Einfach sei eine Trennung allerdings auch dann nicht.

Eltern mit sich selbst beschäftigt

Egal, wie es einem geht: Seine Gefühle sollte man auf alle Fälle zulassen, empfiehlt Diplom-Psychologin Elisabeth Raffauf aus Köln. "Wer traurig ist, sollte ruhig weinen, und wer wütend auf die Eltern ist, sollte sich das ebenfalls zugestehen - das ist völlig normal." Eines sollte man aber auf keinen Fall tun: Die Schuld für die Trennung der Eltern bei sich selbst suchen. "Man muss sich klar machen: Das ist eine Entscheidung der Erwachsenen, da habe ich als Sohn oder Tochter keinen Einfluss darauf, auch keinen positiven. Gedanken wie "Hätte ich dies oder das getan, hätte ich die Beziehung bestimmt kitten können" seien daher nicht hilfreich.

Mit der Trennung kommt aber oft auch die Frage: Bei wem soll ich wohnen? Bei Mama oder bei Papa? "Das ist eine sehr schwierige Entscheidung, weil man ja niemandem wehtun will", sagt Friese. Dennoch sollten sich Jugendliche ehrlich fragen: Was möchte ich? "In so einer Situation ist es am besten, wenn man auf beide Eltern zugeht und ihnen versucht klarzumachen, was einem wirklich wichtig ist", rät Diplom-Pädagogin Friese. Dazu könne zum Beispiel auch gehören, dass man beiden erklärt, warum man zum jeweils anderen Elternteil gerne engen Kontakt hätte. In etwa so: "Ich verstehe, dass du dich mit Papa oft gestritten hast, aber ich hatte nicht so einen Streit mit ihm und mag ihn immer noch sehr, deswegen möchte ich ihn auch jetzt regelmäßig sehen."

Überhaupt ist es gut, den Eltern auch seine eigenen Bedürfnisse mitzuteilen. "Bei einer Trennung sind die Eltern oft sehr mit sich selbst beschäftigt", weiß El-Safti-Jütte. "Deswegen sollte man sich als Kind aber nicht zurückziehen, sondern Vater und Mutter ganz deutlich sagen: ,Mir geht es sehr schlecht damit. Ich leide darunter'." Außerdem könne man von den Eltern einfordern, endlich mit der Streiterei aufzuhören. "Man kann ihnen ruhig sagen: ,Streitet euch nicht ständig, wenn ich dabei bin.'" Es sei wichtig, den Eltern klarzumachen, dass man sich nicht zwischen ihnen entscheiden will, sagt die Expertin. "Und es ist hilfreich, mit den Eltern einzeln zu sprechen, das ist oft viel sinnvoller. Dann kann man jedem in Ruhe erzählen, wie es einem mit der neuen Situation geht."

Trotzdem: Die Trennung der Eltern kann lange Zeit ganz schön wehtun und kompliziert sein. Da ist es gut, sich Hilfe zu holen. Zum Beispiel von Geschwistern oder Freunden. "Bei Freunden sollte ich mir aber sicher sein, dass sie die Probleme nicht gleich weitererzählen und dass sie auch wirklich auf meine Sorgen eingehen können", sagt Friese. Manche Freunde seien mit so einer Situation nämlich überfordert.

Enttäuschung vermeiden

"Deswegen rate ich: Sprecht mit den Freunden erst einmal über Dinge, bei denen es für euch nicht ganz so schlimm wäre, wenn sie rumerzählt werden." Langsam rantasten könne helfen, eine weitere Enttäuschung zu vermeiden. Manchmal sei es auch gut, sich Hilfe von Fremden zu holen, wie zum Beispiel bei einem Beratungs- oder Sorgentelefon. "Da kann man seine Ängste und Sorgen jemandem erzählen, der nicht voreingenommen ist oder es anderen Leuten erzählt."

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 21.02.2012
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