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Medien: Bilder von Katastrophen und Kriegen sind allgegenwärtig / Eltern sollten ihre Kinder damit nicht alleine lassen

Wenig kindgerechte Nachrichten

Wenn Kinder allein im Fernsehen Nachrichtensendungen sehen, können sie von den Bildern leicht überfordert sein.

© dpa

Hamburg/München. Die Bilder und Nachrichten der Weltereignisse halten auch viele Erwachsene in Atem: Busunfall in der Schweiz, Tsunami und Atomkatastrophe in Japan, das Massaker an Schülern in Norwegen, Krieg unter anderem in Libyen und Syrien. Können schon Erwachsene die Geschehnisse oft nur mühsam verdauen, so ist oft unklar, was Kinder und Jugendliche davon mitnehmen und verstehen. "Die Idee hat sich erledigt, die Kinder von den großen, fürchterlichen Weltereignissen fernzuhalten - die Bilder sind omnipräsent", sagt die Medienpädagogin Maya Götz vom Internationalen Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) in München.

Doch wie soll man Kindern diese Welt erklären, ohne Angst zu schüren? Und welche Bedürfnisse hat der Nachwuchs in unterschiedlichen Altersklassen? "Es ist im Augenblick wirklich eine große Herausforderung für Eltern, jeweils Erklärungen zu geben", sagt Verena Weigand, Jugendschutzreferentin der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien in München. Dabei müssen zum einen der Wissensstand und das Verarbeitungsvermögen der Kinder berücksichtigt werden, aber auch die Art und Weise, wie Kinder von den Nachrichten erfahren.

"Jugendliche informieren sich leider häufig nicht gerade in den seriösen Medien über die Geschehnisse", sagt Weigand. Oft erhielten sie unausgewogene Informationen und würden mit teils schockierenden Bildern konfrontiert. Eltern sollten aktuelle Themen wie zum Beispiel das Busunglück in der Schweiz ansprechen und fragen "Was habt Ihr darüber gehört?". So hätten Kinder die Gelegenheit, darauf einzugehen, und man könne sich zusammen umfassend informieren.

Die Medienpädagogin Maya Götz vom Internationalen Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen in München hat sich zusammen mit Kollegen in einer Studie mit der Frage beschäftigt, wie Kinder die Japan-Katastrophe wahrgenommen haben.

Die Wissenschaftler befragten mehr als 300 Kinder zwischen fünf und 13 Jahren. Der überwiegende Teil hält Atomkraft für "ein bisschen" oder "total" gefährlich.

Während bei den Älteren die Sorge um die Auswirkungen der Radioaktivität am größten war, hatten die Jüngeren mehr Angst vor Tsunamis und Überschwemmungen.

Nur fünf der Kinder hatten in den ersten Wochen gar nichts von den Ereignissen in Japan erfahren.

"Bei diesem Thema ist es wichtig, eine neutrale Haltung in Diskussionen mit den Kindern einzunehmen und ihnen eigene Ängste nicht überzustülpen."

Kinder zwischen acht und 14 Jahren seien oft bestürzt und verunsichert über aktuelle Ereignisse. "Die jüngeren von ihnen verstehen oft nicht genau die Hintergründe, sie wollen Argumente hören. Da sind Kindermedien und -nachrichten eine gute Art und Weise, sie aufzuklären." Gut wäre auch zu erfragen, was die Kinder in der Schule besprechen. Oder ihnen Möglichkeiten zur Hilfe aufzuzeigen, etwa durch Spenden nach einer Katastrophe.

Erwachsene trauten Schulkindern jedoch schon eine Menge zu, und oft sei es jene Altersgruppe, die abends noch mit den Eltern Nachrichten schaue. "In diesem Fall sollte man die Kinder nicht direkt danach ins Bett schicken und sie mit den Informationen alleine lassen - das ist eine Überforderung für diese Altersgruppe", sagt Weigand.

Bei den Kindern unter acht Jahren sei es am schwierigsten, wenn sie Bilder von Ereignissen wie Krieg, Unfällen oder Naturkatastrophen sähen. Sie reagierten am stärksten auf Bilder. "Oft werden in Nachrichten auch Kinder gezeigt, um die Zuschauer emotional anzusprechen. Kinder nehmen diese anderen Kinder als Identifikationsfiguren wahr, und übertragen das auf sich", sagt Weigand. Dies bestätigt auch Götz vom IZI. "Wir Erwachsenen bekommen oft gar nicht mit, wie beeinflusst die Kinder beispielsweise von spannender Musik oder dunklen Szenen sind. Sie haben viel häufiger Angst, als man denkt", sagt Götz.

Bei Katastrophen wie der Atomreaktorkatastrophe in Japan seien Erklärungen hilfreich. So könne man den Kindern sagen, warum es Atomkraft gebe, wofür sie gebraucht wurde in der Vergangenheit, und dass wirklich selten etwas passiere. Gerade das Thema Radioaktivität sei schwer zu begreifen, teils hätten die Kinder schlimme Fantasien. "Zu den Fantasien gehören etwa, dass den Menschen die Beine abfallen, wenn sie mit radioaktivem Wasser in Berührung kommen."Daher müsse man die Kinder darauf ansprechen, was sie sich vorstellen.

Keine falschen Tatsachen

Für eine ehrliche Aufklärung plädiert auch der Kinderpsychotherapeut und Traumaexperte Andreas Krüger aus Hamburg. "Man sollte die Kinder nicht auf Basis falscher Tatsachen beruhigen. Atomkraft hat Risiken, und Eltern verlieren ihre Glaubwürdigkeit, wenn sie diese verleugnen", sagt Krüger. Gleichwohl sollten aber Fakten dosiert werden, um die Kinder nicht mit einem Zuviel an Infos zu quälen.

Aus seiner Sicht sollten gerade jüngere Kinder unter acht Jahren von schrecklichen Bildern möglichst ferngehalten werden, weil sie sie nur schlecht verarbeiten können. "Gerade die ganz Kleinen brauchen bis zu einem gewissen Grad die Illusion von Sicherheit. Mama ist die Tollste, Papa ist der Größte, und die Welt ist ein guter Ort - das festigt sie in ihrer Persönlichkeit." Mit zunehmendem Alter verstünden sie die Probleme, die es auf der Welt gebe - und Eltern sollten darauf eingehen. dpa

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 20.03.2012
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