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Scheidung statt goldener Hochzeit

Immer mehr Paare trennen sich nach jahrelanger Ehe / Meist ergreifen Frauen die Initiative

Von unserem Mitarbeiter Jörg Zittlau

26 Jahre lang hielt die Ehe von Margot Käßmann, doch dann reichte sie die Scheidung ein. Die hannoversche Landesbischöfin liegt mit ihrer (Ent-)scheidung voll im Trend. Denn die Zeiten, in denen sich vor allem junge Paare trennten, sind vorbei.

"Seit 1975 hat sich die Zahl der Ehescheidungen nach der Silberhochzeit verdoppelt", berichtet Michael Vogt, Sozialarbeiter und Eheberater am bischöflichen Generalvikariat in Essen. Insa Fooken von der Universität Siegen ermittelte, dass gerade in letzter Zeit die Zahl der späten Trennungen regelrecht explodiert. "Lag ihr Anteil im Jahr 2001 noch knapp unter zehn, steuert er inzwischen auf 20 Prozent aller Scheidungen zu", so die Psychologin.

Dies bedeutet natürlich auch, dass sich immer mehr ältere Menschen zur Trennung entschließen. Die Zahl der 60- bis 65-Jährigen und selbst die der über 75-Jährigen, die vor den Scheidungsrichter treten, ist heute doppelt so hoch wie vor zehn Jahren. Alter und Lebenserfahrung sind also kein Garant mehr für eine stabile Ehe. Bleibt die Frage, warum das so ist.

Die Antwort: Die gesellschaftlichen Wandlungen der letzten Jahrzehnte haben nun offenbar auch das Bollwerk der langjährigen Ehen erreicht. Dazu zählt, dass die Frauen im Zuge der Emanzipation mutiger geworden und weniger als früher bereit sind, eine schlecht Ehe klaglos hinzunehmen. In zwei Dritteln der späten Trennungen sind sie es, die die Initiative zur Scheidung ergreifen. Und sie treffen dabei auf völlig überraschte Männer. Die empfinden nämlich, wie Insa Fooken in Interviews ermittelt hat, ihre Ehe meistens "als ungetrübte und harmonische Beziehung", und fühlen sich daher überrumpelt, wenn ihre Frau plötzlich von Trennung spricht.

Doch auch wenn Frauen öfter die Initiative ergreifen, ist es eher der Mann, der die Umstände zur Scheidung schafft. Denn wenn er in Rente geht, mutiert er zum ehelichen Krisenherd. Nicht nur, dass er sich auf einmal, wie Loriot in "Pappa ante Portas", in Dinge einmischt, die vorher auch ohne ihn gut liefen ("Ich nehme dann jetzt mal den Einkauf in die Hand"). Männer neigen auch dazu, den Begriff "Ruhestand" wörtlich zu nehmen und sich aus gesellschaftlichen Angelegenheiten auszuklinken, während ihre Frauen an einem Neuanfang interessiert sind.

Und wenn dann doch einmal die Männer aktiv werden, dann meistens sexuell. Das Motiv "Frustrierter Ehemann tauscht alte Ehefrau gegen junge Geliebte", also die männliche Untreue während oder nach der Midlife-Krise gehört nach wie vor zu den häufigen Auslösern für eine Scheidung.

Mannheimer Morgen
07. August 2007

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