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DÜSSELDORF. Mit der Finanzkrise und den teils großen Verlusten von Privatanlegern sind die Provisionen von Finanzvermittlern unter Beschuss geraten. Der Vorwurf von Verbraucherzentralen: Bei Beratungsgesprächen gehe es vor allem darum, viele Provisionen zu verdienen. Um welche Beträge geht es da? Hier ein Überblick für die typischen Finanzgeschäfte:
Lebensversicherungen: Bei Kapitallebensversicherungen, Privatrenten oder Berufsunfähigkeitsversicherungen ist die Provisionsgrundlage generell die Summe aller künftigen Prämien. Je länger der Vertrag läuft, desto besser für den Vermittler. Bei einer Monatsprämie von 100 Euro und einer Beitragszahlungsdauer von 35 Jahren ergibt sich zum Beispiel ein Gesamtbetrag von 42 000 Euro. Bei einem üblichen Provisionssatz von vier Prozent ergibt sich eine Provision von 1680 Euro. Größe Vertriebsfirmen bekommen laut Branchenkennern oft bis zu sieben Prozent - dann würde die Provision schon knapp 3000 Euro ausmachen.
Krankenversicherungen: Bei privaten Kranken-Vollversicherungen als auch Kranken-Zusatzversicherungen wird die Provision nach anfänglichen Monatsbeiträgen (MB) errechnet. Sechs bis acht MB sind üblich. Bei einer Monatsprämie von 300 Euro für eine Vollversicherung und einer Provisionsvereinbarung über acht MB, verdient der Vermittler beim Abschluss somit 2400 Euro. Wie bei Lebensversicherungen bekommen große Vertriebsfirmen oft deutlich mehr. Um bestimmte Tarife möglichst schnell zu verkaufen, werden laut Branchenkennern auch bis zu zwölf MB gezahlt.
Investmentfonds: Bei Einmalanlagen wie Sparplänen hängt die Provision wesentlich vom "Ausgabeaufschlag" ab, auch Agio genannt. Bei Rentenfonds beträgt der meist drei Prozent, bei Aktienfonds fünf bis sechs Prozent. Bei einer Einmalanlage von 10 000 Euro und einem Agio von fünf Prozent würden nur 9523 Euro wirklich angelegt, die restlichen 477 würden als Agio abgezogen. Davon erhält der Vermittler meist 75 bis 90 Prozent. Neben dem Agio werden Vermittler in der Regel an der jährlichen Verwaltungsvergütung beteiligt. Handelt es sich bei dem Produkt um eine Investmentfonds-Police, so wird die Vermittlung wie bei einer Lebensversicherung abgerechnet.
Immobilienfinanzierung: Bei Krediten liegt der Provisionssatz zwischen 0,5 und zwei Prozent. Bei einem üblichen Satz von einem Prozent erhält der Vermittler von 250 000 Euro Hypotheken-Darlehen somit 2500 Euro. "Das Geld zahlt letztlich der Kunde über einen höheren Effektivzins", sagt Arno Gottschalk, Baufinanzierungsexperte bei der Verbraucherzentrale Bremen. "Wenn der Kunde durch die Mühe eines Vermittlers einen günstigen Kredit mit guten Konditionen bekäme, wäre dagegen nichts einzuwenden. Aber vielfach werden überteuerte Kredite vermittelt." Wird vorab ein Bausparvertrag abgeschlossen, so beträgt die Provision meist ein oder 1,6 Prozent der Bausparsumme. Bei 100 000 Euro Bausparsumme wären das 1000 oder 1600 Euro.
Beteiligungen: Für Firmen-Beteiligungen, etwa in geschlossenen Fonds, fließen häufig zehn bis 15 Prozent der Einlage an den Vertrieb. Ebenso lukrativ kann es für den Vermittler sein, Unternehmensanleihen zu vermitteln. Dabei handelt es sich mitunter um Unternehmen, die wegen einer schlechten Bonität an der Börse keine Geldgeber mehr finden und deshalb nun als "Geheimtipp" für Privatanleger herumgereicht werden. Ftx
Mannheimer Morgen
18. August 2009
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