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Ernährungswissenschaft: Heißgetränk nicht so ungesund wie oft gemeldet / Studien belegen positive Wirkung von Koffein

Kaffee besser als sein Ruf

Von unserem Mitarbeiter Roland Mischke

Kaffee galt lange Zeit als ungesundes Genussmittel. Doch Studien aus aller Welt zeigen: Die Vorteile des Heißgetränks überwiegen – zumindest, wenn es in Maßen getrunken wird.

Kaffee galt lange Zeit als ungesundes Genussmittel. Doch Studien aus aller Welt zeigen: Die Vorteile des Heißgetränks überwiegen - zumindest, wenn es in Maßen getrunken wird.

© dpa

München. 160 Liter Kaffee trinkt der Deutsche pro Jahr, nur US-Amerikaner schlürfen etwas mehr. Bis vor kurzem galt zu viel als ungesund. Inzwischen wissen wir mehr, vor allem über positive Wirkungen von Koffein & Co. Internationale Studien haben ein klares Ergebnis: Kaffee ist gesund.

Beim Genuss einer Tasse des Heißgetränks wird die Bauchspeicheldrüse angeregt, Insulin zu produzieren. Die löslichen Ballaststoffe im Kaffee unterstützen die Magen- und Darmtätigkeit, der verdauungsfördernde Effekt von Koffein ist erwiesen. Koffein verbessert auch Wahrnehmung und geistige Leistung, regt Herz, Stoffwechsel und Atmung an und führt bei Menschen mit Bluthochdruck nicht - wie lange beharrlich behauptet - zu weiterer Erhöhung. Deshalb empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung neuerdings, zwei Tassen Kaffee pro Tag zu trinken.

Epidemiologische Studien an mehr als 125 000 Menschen weisen sogar darauf hin, dass mäßiger, aber regelmäßiger Kaffeegenuss vor chronischen Krankheiten wie Diabetes, Leberleiden oder Parkinson schützen kann. Kanadische und US-Forscher untersuchten über mehrere Jahre hinweg 45 000 Männer, die älter als 40 Jahre waren. Jene, die vier bis fünf Tassen pro Tag tranken, reduzierten ihr Risiko, an Gicht zu erkranken, um 40 Prozent, bei sechs Tassen gar um fast 60 Prozent.

Hilfe bei Kopfschmerzen

Verantwortlich dafür sind im Kaffee enthaltene Antioxidantien. Den Chlorogensäuren des Kaffees sagen Wissenschaftler nach, dass sie einen Schutz vor allem gegen Diabetes darstellen. Kaffee enthält auch die Spurenelemente Kalium, Kalzium, Magnesium und Phosphor. Zudem besitzt das Bohnengetränk stickstoffhaltige Anteile, sogenannte Alkaloide. Dazu gehört die Nicotinsäure, auch Vitamin B genannt. Tränke ein Erwachsener am Tag zehn Tassen Kaffee, hätte er damit seinen Bedarf gedeckt.

Koffein ist der am meisten erforschte Kaffeeinhaltsstoff. Sein anregender oder Wacheffekt rührt daher, das es direkt auf das Hirn wirkt. Es sickert durch die Blockade ermatteter Nervenrezeptoren und wirkt einige Zeit der Müdigkeit entgegen. Koffein verkürzt die Reaktionszeit und regt Stoffwechsel, Herz und Atmung an. Zu viel Koffein kann zum Blutdruckanstieg führen. Sehr wahrscheinlich ist Koffein daran beteiligt, dass Kaffee die Leber vor Schäden durch Alkohol schützt. Das Risiko für eine alkoholbedingte Leberzirrhose soll bereits bei einer Tasse Kaffee am Tag um 20 Prozent, bei mehr als drei Tassen um 80 Prozent sinken.

Ganz neu sind Untersuchungen, die belegen, dass das populäre Getränk unter bestimmten Umständen träge, unkonzentriert, müde und traurig machen kann. Das trifft aber nur dann zu, wenn zu viel oder unregelmäßig Kaffee getrunken wird. US-Wissenschaftler mehrerer Universitäten wiesen das in unabhängigen Studien nach. Hauptsächlich in Verbindung mit Alkohol ist Kaffee problematisch. Wer mit einer Kanne seinen Kater bekämpfen will, gerät in eine kritische Balance: Wein, Bier oder Schnaps sorgen für einen Gemütsnebel, der Kaffee putscht auf. Die Folge ist eine Selbstüberschätzung, die vor allem im Straßenverkehr gefährlich werden kann. Der Betreffende fühlt sich frisch und munter, aber Tests erwiesen, dass er enorm langsam ist und eine hohe Fehlerquote aufweist.

Interessant ist der Baldrianeffekt. Erwachsene mit ADS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom) reagieren bei Koffeinzufuhr "paradox", haben Psychiater ermittelt. Koffein macht aus Zappelphilippen ruhige Leute. Neurologen empfehlen Migränegeplagten, direkt vor dem Zubettgehen einen Espresso zu schlürfen und gleich danach in den Schlaf zu gleiten. Kopfschmerzattacken treten meist in der Zeit zwischen Mitternacht und vier Uhr morgens auf, Kaffee aber öffnet die Kopfadern und saugt mit Gefäßengstellungen die Migräne weg. Ältere Leute hatten oft berichtet, dass sie mit einem Kaffee die Nachtruhe einleiten und dass dieser dann wie eine Schlafkeule wirke. Zum sofortigen Schlafmodus kommt es aber nur 15 bis 20 Minuten nach dem Kaffeegenuss, darüber kann es dazu führen, dass eine schlaflose, unruhige Nacht folgt. Eine der bemerkenswerten Botschaften der Forscher ist der Hinweis darauf, dass Kaffee selbst bei Depressionen hilfreich sein kann, allerdings dosiert. Niedrige Dosierungen bewahren vor Stimmungsschwankungen, hohe Dosierungen können Ängste auslösen und ein Stimmungstief verursachen.

Auch vor Demenz soll Kaffee einen Schutz darstellen. Genau weiß man noch nicht, wie das zustande kommt. Es wird vermutet, dass nicht Koffein, sondern ein mit ihm verbundener Stoff für diese Wirkung sorgt.

Dass manche Menschen ausgesprochen gern das Bohnengetränk schlürfen und andere nur daran nippen, könnte mit einem Kaffeegeschmacks-Gen zusammenhängen. Eine Untersuchung der genetischen Profile von 47 000 Personen, vorgenommen durch die Harvard School of Public Health in Boston, ergab, dass die Kaffeegeschmackssteuerung wohl in der Leber sitzt. Diesem Organ ist offenkundig eincodiert, wie Koffein im Körper wirkt, wie viel er davon braucht und verträgt.

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 07.02.2012
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