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Mahlzeiten: Spezielle Lebensmittel nach Ansicht der Verbraucherzentralen ohne Nutzen / Gewöhnung an Fertiggerichte problematisch

Keine Extrawurst für Kinder

Von unserem Korrespondenten Wolfgang Mulke

Bratwurst ja, Extrawurst nein: Kinder sollten das essen, was ihre Eltern essen, raten Experten.

© dpa

Berlin. Kinder sollten ab einem Alter von einem Jahr gemeinsam mit den Eltern essen. Sonderprodukte wie Fruchtzwerge, Wurst mit Bildern oder kleine Spielzeuggeschenke und anderes mehr hält der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) für überflüssig und zudem teuer. "Kleinkinder brauchen keine Extrawurst", stellt vzbv-Chef Gerd Bille nüchtern fest.

Viele Produkte werden durch eine spezielle Aufmachung, etwa Abbildungen von Comicfiguren oder bunte Schriftzüge, für eine junge Zielgruppe besonders interessant gemacht. Die Eltern gehen meist davon aus, dass die Rezepturen dieser Nahrungsmittel dafür auch kindgerecht zusammengestellt werden. 40 Prozent der vom Verband repräsentativ befragten Kunden vermuteten beim Inhalt beispielsweise wenig Zucker, Salz und Fett im Vergleich zu anderen Lebensmitteln.

Doch weit gefehlt. Ein Marktcheck der Bremer Verbraucherzentrale im letzten Sommer dient als Beleg. Von 39 untersuchten Kinderlebensmitteln enthielten 41 Prozent zu viel Zucker, in 16 Prozent war mehr Salz vorhanden, als es für Kinder gut ist und etwa ein Drittel der Lebensmittel enthielt zu viele ungünstig gesättigte Fettsäuren.

Der Blick auf die Nährwertangaben auf den Verpackungen hilft den Eltern beim Einkauf auch nicht recht weiter. Denn die Hersteller legen beim Kalorienbedarf den täglichen Grundbedarf einer erwachsenen Frau zugrunde. Die Beobachtungen des Verbandes haben ergeben, dass sich die Industrie mit Kleinstkindern im Alter von unter drei Jahren geradezu eine neue Zielgruppe erschlossen hat.

Einige Lebensmittel gelten als diätisch. Dazu gehören zum Beispiel Trinkbreie oder Kindermilch. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BvR) kam in einer Studie zu dem Ergebnis, dass Kindermilch nicht besser ist als normale Kuhmilch. Aber teurer ist sie allemal. Nach Berechnung des vzbv kostet sie im Jahr bis zu 270 Euro mehr als die gewöhnliche fettarme Milch.

Vor allem ärgert sich Billen über die frühe Gewöhnung der Sprösslinge an industriell hergestellte Fertigprodukte. "Eltern und Kinder werden von Anfang an entmündigt und auf Fertigprodukte geeicht", kritisiert er. Kinder sollten echtes Obst kennenlernen und nicht nur Aromaersatzstoffe. Auch die Werbeaussagen stellt der Verband an den Pranger. Denn häufig würden die Hersteller gesundheitsfördernde Eigenschaften beim Riegel oder Getränk versprechen. Manche sollen beispielsweise besonders viele Vitamine beinhalten, andere zu einer besseren Jodversorgung beitragen. Rechtlich ist das höchst umstritten. Das EU-Recht verlangt eigentlich einen Wirksamkeitsnachweis, wenn derlei Nebeneffekte einer Mahlzeit auf deren Verpackung prophezeit werden.

Großer Zuwachs bei Pudding

Ein Dossier des vzbv spricht von einem Wildwuchs bei der Umsetzung der entsprechenden Verordnung. Billen will einen Verzicht der Hersteller auf eine speziell an Kinder gerichtete Werbung durchsetzen. Wenn die Selbstverpflichtung der Branche nicht eingehalten werde, müsse die Politik handeln.

Der Markt ist für die Industrie bedeutsam. Über 600 Millionen Euro gaben die Unternehmen 2010 allein für die Werbung für Süßigkeiten aus. Auch greifen viele Eltern gerne zu Kinderprodukten. Fruchtzwerge und Co. kauften im letzten Jahr laut Verband 15 Millionen Haushalte. Für Kindermilch, -joghurts und -quarks wurden 165 Millionen Euro ausgegeben. Neue Produkte wie Kinderwurst oder -pudding verzeichnen jährlich zweistellige Zuwachsraten.

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 06.03.2012
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