Wohlfühlwochen:
Box-Training auch bei „Büromenschen“ immer beliebter / Training fordert Kopf und Körper
Haken schlagen für die Fitness
Von unserem Redaktionsmitglied Sybille Burmeister
Sieht gefährlicher aus, als es ist: "Box Kondition" heißt dieser Kurs. Die Teilnehmer wollen sich austoben, nicht den Gegner K.O. schlagen.
© Blüthner
Wer bei Boxen nur an tätowierte "Schlägertypen" denkt, hat einen Trend verpasst: Boxen für Büromenschen hat die seriösen Fitness-Studios erobert. Vor allem Frauen haben Spaß daran, sich auszupowern und auch mal zuzulangen. Da geht es weniger darum, sein Gegenüber mit einem gezielten Fausthieb K.O. gehenzulassen, sondern sich durch die Übungen mit einem sogenannten Sparringpartner körperlich zu ertüchtigen.
Beim "Box Kondition"-Kurs im Fitness-Park Pfitzenmeier am Flughafen in Mannheim-Neuostheim führt Dominic Knörr (Bild) das Training an. Die meisten "Boxer" sind schon einige Jahre dabei, der Unternehmensberater Benjamin erst das zweite Mal. So weiß er auch noch nicht ganz genau, was es mit "Jab", "Cross", "Hook", "Undercut" und anderen Befehlen auf sich hat. Seine "Bratzenhandschuhe" trägt er hingegen wie ein alter Hase. Spezielle Kleidung, einen Zahn- oder Kopfschutz braucht niemand.
Vor das Boxen hat der Trainer allerdings das Seilspringen als Aufwärm-Einheiten gestellt. Locker wie Muhammad Ali zu seinen besten Zeiten hüpft der Sanitärunternehmer Alexander über das Kunststoff-Tau, bei Versicherungsberaterin Nathalie laufen schnell die Schweißperlen über das Gesicht.
Bosen früher und heute - ein Fitness-Sport
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Die ersten Faustkämpfe zur Unterhaltung der Zuschauer und als sportliche Disziplin wurden bereits in der Antike ausgetragen.
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Die Ursprünge des modernen Boxens liegen im England des 17. Jahrhunderts.
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Beim Boxen Handschuhe zu tragen, ist erst seit Ende des 19. Jahrhunderts üblich. Olympische Sportart ist Boxen seit 1904 - für Amateure.
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Boxen gilt als eine der populärsten Sportarten weltweit und erreicht im Fernsehen hohe Zuschauerquoten.
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Kritisiert werden allerdings die offen zur Schau getragene Gewalt und die Gesundheitsgefahren für die ausübenden Sportler.
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Elemente des Boxkampfes haben es in den modernen Fitness-Sport geschafft. So gibt es mittlerweile viele Studios, die Kurse anbieten, ohne auf Wettkämpfe vorzubereiten.
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Sehr beliebt sind auch vom Boxen abgeleitete Fitness-Formen wie Tae Bo (verbindet Boxvarianten mit Aerobic) oder Aqua-Boxing im Wasser. Beim Kick-Boxen wird Boxen mit Karate verbunden.
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In vielen Städten haben sich nach amerikanischem Vorbild "White Collar Boxing Clubs" (White Collar heißt übersetzt Weiße Kragen und steht für Büro-Arbeiter) etabliert. bur
Rockmusik wummert aus den Lautsprechern, im Takt zu hüpfen funktioniert aber nicht. Dann kommt ein Durchgang mit kleinen Gewichtshanteln in den Händen und Schattenboxen in der Luft. Jetzt noch ein paar Liegestütze und die ersten "Kämpfer" bandagieren sich schon die Hände.
Mit einem "Veilchen" am Auge verlässt beim Box Kondition keiner den voll verspiegelten Trainingsraum. Es geht nicht um einen Sieg nach Punkten in Runde 12 oder um ein K.O. Völlig kaputt ist man hinterher aber trotzdem und weiß einen Boxkampf im Fernsehen plötzlich ganz anders zu schätzen.
Komplizierte Bewegungsfolgen
Immer zu zweit stellt Dominic Knörr die Sparringspartner dann auf. Der Trainer, der Sportmanagement studiert und kurz vor dem Abschluss steht, erklärt die Bewegungsfolgen. Erst zwei "Jabs", dann einen "Hook", einen "Cross" und schließlich einen "Undercut" und wieder "Jab". Alles klar? Übersetzt bedeuten die Anweisungen, dass erst mal zweimal mit der Linken (bei den meisten Rechtshändern ist das dann die "Führhand") kurz zugeschlagen wird, dann einmal mit der rechten Hand (der "Schlaghand") aufwärts, man sich unter der "Bratzenhand" des Gegners wegduckt und dann eine lange Rechte schlägt und wieder mit der kurzen Linken draufhält.
Das klingt einfacher als es ist und man ertappt sich als Neuling, die jeweilige Anzahl der Schläge mitzuzählen und doch daneben zu liegen. Den alten Box-Hasen macht das aber nichts aus, oder sogar Spaß: "Das ist super für den Kopf, man muss hochkonzentriert sein", sagt die Versicherungsangestellte Nathalie. Sie könne sich hier "körperlich total auspowern, alles rauslassen".
Ihr Trainingspartner schätzt besonders, dass er beim Boxen "eigentlich nie auslernt" und sich oft auf wechselnde Gegenüber einstellen muss. Der Sanitärunternehmer freut sich, dass Boxen "in Deutschland richtig gesellschaftsfähig geworden ist". Dem Boxen hänge nicht mehr das Image eines Halbweltsports an. Er merke bei sich selbst, dass er im Alltag nicht so aggressiv sei, wie viele Menschen, die er erlebe. "Ich höre auch mal über einen Spruch weg. Boxen hat nichts mit Sichschlagen zu tun. Das geht gar nicht, dass man den Sport auf die Straße holt."
Nach eigenem Tempo gehen
Für Dominic Knörr ist der Boxsport eigentlich für jeden geeignet. Sogar ein zehnjähriges Mädchen, das seinen Vater ins Training begleitet, wird eingebunden und schlägt sich im übertragenen Sinn sehr wacker. "Nur bei einer akuten Entzündung in der Schulter oder bei argen Problemen mit den Bandscheiben sollte man vorsichtig sein und grundsätzlich lieber einen Arzt fragen", rät Knörr, der selbst auch für Wettkämpfe trainiert.
Gerade Anfänger sollten zunächst nach ihrem eigenen Tempo boxen und sich nicht vom vermeintlichen Können der anderen Sportler einschüchtern lassen. "Das kommt alles mit der Zeit. Das ist ein Kraft- und Ausdauersport, der auch die Koordination fördert", weiß der Experte. Und für den Muskelkater, der am nächsten Tag so sicher kommt wie das Amen in der Kirche, hat er noch einen Tipp: Kirschsaft trinken. "Die Enzyme darin helfen dem Körper, die winzigen Muskelrisse zu heilen." Und die Kaffeetasse nicht mit beiden Händen halten - weil diese noch von der Anstrengung zittern könnten.