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Krebs durch Sex: Neue Impfung bietet Schutz

HPV-Viren lösen Gebärmutterhalskrebs aus / Bis zu 80 Prozent aller Menschen stecken sich mit dem Erreger an

Von unserem Redaktionsmitglied Ursula Barth

Krebs als eine Art Geschlechtskrankheit: Was klingt wie eine absurde Schreckensnachricht, wird für rund 6500 Frauen im Jahr zur bitteren Realität. Sie erkranken an Gebärmutterhalskrebs, ausgelöst durch Humane Papillomaviren (HPV), die beim Sex übertragen werden. Knapp 1700 Patientinnen sterben in Deutschland jährlich am Zervix-Karzinom. Eine neu auf den Markt gekommene Impfung könnte die Ausbreitung jetzt stoppen.

Obwohl der Gebärmutterhalskrebs die dritthäufigste gynäkologische Tumorerkrankung darstellt, ist sich kaum eine Frau der Infektionsgefahr bewusst: In einer Umfrage wusste nicht einmal jede Vierte, dass Papillomaviren Krebs auslösen. Dabei sind schon fünf Jahre nach dem ersten Geschlechtsverkehr bis zu 60 Prozent der Frauen mit HPV infiziert. Im Laufe ihres Lebens stecken sich 60 bis 80 Prozent aller Menschen mit den Erregern an - Männer gelten als Überträger. Die Infektion gehört damit zu den häufigsten sexuell übertragbaren Viruserkrankungen.

Junge, sexuell aktive Menschen sind von HPV-Infektionen am meisten betroffen: je mehr Sexualpartner, desto höher die Infektionsgefahr. Am geballtesten tritt die Infektion zwischen dem 20. und 24. Lebensjahr auf. Allerdings bleibt die Erkrankung in 80 Prozent der Fälle ohne gesundheitliche Folgen: Das Immunsystem besiegt die Viren zumeist innerhalb von fünf bis 18 Monaten. Gegen die entsprechenden Typen ist der Körper danach immun, kann sich mit anderen jedoch nochmal infizieren.

Nicht alle Virus-Unterarten sind gleich gefährlich: Über 100 HPV-Unterarten sind mittlerweile identifiziert, schätzungsweise weitere 100 existieren zusätzlich. Die meisten von ihnen ("Low-Risk"-Viren) verursachen keine Beschwerden, einige sind dagegen für die Entstehung von Hauterkrankungen wie Genitalwarzen verantwortlich. Als besonders riskant gelten die Viren der Untergruppen 16, 18, 31, 33, 35, 52 und 73. Diese "High-Risk"-Viren werden bei etwa fünf Prozent der Infizierten nachgewiesen. Sie können Zellveränderungen verursachen und sich im Zusammenwirken mit weiteren Risikofaktoren wie Rauchen oder Pilleneinnahme zu Krebsvorstufen bis hin zum Tumor weiterentwickeln. "High-Risk"-Viren sind nicht nur an der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs beteiligt, sondern werden auch mit Krebserkrankungen des Penis, der Vulva oder des Anus in Verbindung gebracht.

Da die meisten Papillomaviren keinerlei Beschwerden verursachen, sind sie nur schwer nachzuweisen. Liefert der so genannte "Pap-Abstrich" - also die jährliche Früherkennungsuntersuchung - aber verdächtige Ergebnisse, wird ein HPV-Test gemacht. Damit lassen sich Papillomaviren oder gar mögliche Krebsvorstufen entdecken. Ist das Ergebnis positiv, kann eine engermaschige Kontrolle oder eine Behandlung notwendig werden.

So weit muss es allerdings nicht kommen: Insbesondere junge Frauen, die noch keinen Sex hatten, können sich neuerdings gegen HPV-Viren impfen lassen - und damit schon die Entwicklung von Krebsvorstufen verhindern. Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Immunisierung für Mädchen zwischen zwölf und 17 Jahren. In jedem Fall sollte sie vor dem ersten Geschlechtsverkehr abgeschlossen sein. Die Kosten von 465 Euro für die Impfung mit drei Dosen übernehmen in dieser Altersklasse die Krankenkassen.

Auch für ältere Frauen kann sich eine Impfung noch lohnen. "Das gilt vor allem dann, wenn sie noch keine sexuellen Kontakte hatten oder noch keine Infektion mit den entsprechenden Typen nachzuweisen ist", sagt Professor Harald zur Hausen, ehemaliger Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg und "Vater" der Impfung gegen HPV. Das Problem: Der Nachweis der Viren ist schwer zu führen, außerdem müssen Ältere die Impfung selbst finanzieren. Trotzdem können Frauen ihren Arzt nach dem persönlichen Nutzen fragen. Denn auch wer mit einem der Virustypen infiziert war, kann sich durch die Impfung noch vor anderen Typen schützen.

Obwohl Jungen Überträger der Viren sind und etwa an Afterkrebs oder Krebs im Mundhöhlenbereich genauso häufig erkranken wie Mädchen, ist eine Impfung für sie nicht vorgesehen. "Leider sind die Kassen nicht bereit, die Kosten zu übernehmen", bedauert zur Hausen, der schon aus Gründen der "Geschlechtersolidarität" für eine Impfung aller Jugendlichen plädiert. "Wenn wenigstens 60 Prozent der Mädchen geimpft würden, könnten die Übertragungswege gestoppt werden", sagt er.

Der Impfschutz hält voraussichtlich fünf bis sechs Jahre. Einzige Einschränkung: Die beiden vorhandenen Impfstoffe schützen nur vor den gefährlichsten "High-Risk"-Viren: "Cervarix" (noch nicht zugelassen) vor den Typen 16 und 18, "Gardasil" zusätzlich vor den Typen 6 und 11, die Feigwarzen verursachen können. Der Schutz ist laut Robert-Koch-Institut daher nur rund 95-prozentig. Die jährliche Früherkennungsuntersuchung bleibt also Pflicht. Und auch bei HPV gilt: Kondome schützen.

Mannheimer Morgen
24. April 2007

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