direkt zum Inhalt

Morgenweb Das Nachrichtenportal Rhein-Neckar
Morgenweb Das Nachrichtenportal RheinNeckar

Suche:

  • Artikel versenden Artikel versenden
  • E-Paper E-Paper

Bewegung: Fernöstliche Übungen helfen bei Konzentrationsmangel und stärken das Selbstbewusstsein

Hund, Katze, Kamel: Yoga bringt Kinder in ihre Mitte

Von unserem Redaktionsmitglied

Michaela Roßner

Olivia ist neun - und praktiziert schon ein Jahr lang Yoga. Seit sie die Atem- und Bewegungsübungen regelmäßig macht, hat sie "viel weniger Stress". Die zwölfjährige Klaudia findet "In der Schule passe ich viel besser auf" - und dehnt sich mit sichtlicher Begeisterung auf der dünnen Matte im Keller von Yoga-Lehrerin Paraskevi Haas in Mannheim. Nicht nur Erwachsene, auch ihre Sprösslinge suchen im Yoga Abstand zum fordernden Alltag zwischen Klassenzimmer und Freizeitstress.

"Nicht jedes Kind spricht darauf an", sagt Paraskevi Haas. Wenn die Eltern der asiatischen Meditationslehre gegenüber aufgeschlossen sind, fänden die Kinder leichter Gefallen an den Übungen. "Sie lernen, sich so anzunehmen, wie sie sind", erklärt Haas den positiven Effekt auf die Psyche. Denn Yoga arbeitet ganzheitlich. Schon die Kleinen seien ständig Konkurrenzdruck und Erwartungen ausgesetzt - hier könnten sie loslassen und feststellen: "Ich bin wertvoll, so wie ich bin." Das stärke das Selbstbewusstsein. Haas selbst kam wegen ihres hyperaktiven Sohns zum Kinderyoga. Die Reiki-Therapeutin bildete sich weiter und lernte, Yoga-Stunden für Kinder zu konzipieren.

Zuerst erzählen die Kleinen, wie ihr Tag war, "um erst einmal hier anzukommen". Der Yoga-Raum ist mit Tüchern und Lichtern dekoriert. Die Übungen sind denen der Erwachsenen ähnlich, haben aber oft andere Namen, meist die von Tieren.

Tiere nachahmen

Die "Katze" streckt sich auf allen Vieren und reckt den Rücken zum Buckel nach oben, die Kobra biegt ihren Oberkörper vom Boden Richtung Himmel und zischt dazu züngelnd. "Geräusche und Bilder gehören beim Kinderyoga dazu", erläutert Haas. Lachen, spielen und erzählen ebenfalls - und zwischendurch mal kurz austoben: Als die Mädchen unruhig werden, erlaubt die Lehrerin ihnen, sich zweimal kreuz quer durch den Raum zu rollen. Danach geht es mit dem "Baum" weiter: Auf einem Bein stehend strecken die Kinder ihre Arme über den Kopf und üben Balance. Bei anderen Elementen können Erwachsene blass vor Neid werden: Mühelos biegen sich die jungen Rücken zur Brücke - ältere Yoga-Anfänger tun sich schwerer.

Zum Schluss liest die Lehrerin noch ein Märchen, das sich die Kinder aus einem dicken, vergilbten Band heraussuchen. Die "Geschichte von Schwan und Krähe" lehrt, dass man sich so akzeptieren soll, wie man ist - und nicht versuchen, eine andere Person zu sein.

Bei Christine Maier, die Kindern an der Volkshochschule in Wiesloch Yoga beibringt, ist jede Stunde in eine Geschichte verpackt. Ansonsten hält sie den Ablauf offen. Die "Asanas" - so heißen die Übungen - sind wie bei Paraskevi Haas leicht abgewandelt. Der "Baum" hat viele Varianten und "wiegt" sich auch gerne mal im Wind: Dann wedeln die Arme der Kleinen. Richtig durchatmen steht ganz oben auf dem Lehrplan der Stunde. Denn auch viele Erwachsene nutzen selten ihr ganzes Lungenvolumen.

"Yoga wird nie langweilig", ist Ronja (11) begeistert. Handball, Volleyball, Turnen und Tischtennis hat das Mädchen kennengelernt - "aber Yoga gefällt mir einfach am besten".

Mannheimer Morgen
26. Februar 2009

» Seitenanfang

Anzeige:

Adresse der Seite: http://www.morgenweb.de/ratgeber/gesundheit_und_ernaehrung/wohlfuehlwochen_2009/Artikel/20090226_srv0000003823481.html