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Gesundheit: Traditionelle Chinesische Medizin kennzeichnet ein ganzheitliches Verständnis des Organismus

Akupunktur, Atemübungen und aromatische Kräutertees

Von unserem Redaktionsmitglied Michaela Roßner

"TCM": Für die Einen ist das der Name eines Kaffeeröster-Sortiments, für andere ein Begriff für Nobel-Armbanduhren. Immer mehr Menschen erhoffen sich von den drei Buchstaben aber einen Schub für ihre Gesundheit oder ihr Wohlbefinden: Die Traditionelle Chinesische Medizin findet auch hierzulande stetig mehr Anhänger.

Der Trend drückt sich nicht nur darin aus, dass Schulmediziner sich in Fortbildungen Qualifikation zum Beispiel in Anwendung der Akupunktur erwerben. TCM-Kliniken öffnen ihre Pforten - etwa jüngst in Waldmichelbach/Siedelsbrunn im Odenwald oder in Illertissen auf der Schwäbischen Alb. Allen gemeinsam ist, dass der Organismus als sensibles Ganzes betrachtet wird. Gesundheit bedeutet, das Gleichgewicht der natürlichen Kräfte - der fünf Elemente - zu erhalten. Krankheit kann auch Folge von zu starken äußeren Einflüssen sein. So zählen Kälte, Hitze und Wind zu möglicherweise schädigenden Faktoren - und natürlich psychische.

Ein Organ, das schmerzt oder nicht mehr richtig funktioniert, ist demnach nur der Ort, an dem sich das generelle Ungleichgewicht manifestiert. Früher wurde ein Arzt in China nur bezahlt, wenn sein Patient gesund blieb - Prävention nahm traditionell breiten Raum in der Heilkunde ein. Nicht nur Medikamente beziehungsweise Heilkräuter, sondern auch die Ernährung, Atem- sowie Bewegungstechniken (Qigong) sind Teil der TCM.

Dünn wie Spinnenbeine kommen Akupunkturnadeln zum Einsatz. Sie werden an speziellen Punkten angesetzt, die auf zwölf netzartig über dem Körper verteilten Energiebahnen - den Meridianen - liegen (hinzu kommen zwei Sondermeridiane). Über den physikalischen Reiz soll der Energiefluss (Chi) beeinflusst werden. Anerkannte Studien belegen bereits die Wirkung bei Spannungskopfschmerz und Migräne, weshalb viele Krankenkassen eine solche Behandlung bezahlen.

Auch exotische Bestandteile

Die chinesische Kräuterheilkunde ist ein weiterer Baustein der TCM. "Schon als Kind habe ich mich für Pflanzen interessiert - irgendwann wurde die einheimische Botanik dann zu langweilig", erzählt Pharmazeutin Brigitte Hofmann-Tratz aus Mannheim. In Fortbildungen sowie bei mehreren Reisen nach China befasste sie sich intensiv mit der Wirkung dieser Substanzen - die in der Fachsprache Drogen genannt werden. Neben Tees, die bei TCM "Dekokt" heißen, werden Granulate oder Suppen ("Tang") verabreicht.

"Ich schaue mir die Pflanzen sehr genau an", unterstreicht sie, wie wichtig es ist, auf gute Qualität zu achten. Bei der richtigen Zubereitung hilft die Expertin den Patienten weiter: "Blüten zum Beispiel dürfen nicht lange gekocht werden, die Ginseng-Wurzel hingegen muss lange sieden." Letztere hilft bei vielen Altersbeschwerden. Was sie an TCM fasziniert? "Hier wird nicht ein krankes Organ behandelt, sondern der gesamte Körper des Menschen." Anders als Homöopathie sei die chinesische Medizin keine alternative, sondern eine ergänzende. Manche Zutaten können durchaus exotisch sein: So kommt recht häufig Dulang in den Teepott - das ist ein getrockneter Regenwurm.

Mannheimer Morgen
04. März 2010

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