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Der Welt zu Füßen

Von Simone Andrea Mayer

Erdige Farben, blumige und folkloristische Muster - das Schlagwort Natürlichkeit ist der Trend bei Teppichböden im Jahr 2013.

Die nackten Füße laufen über die weiche Blumenwiese, oder die Zehen graben sich in kuschelige afrikanische Webstoffe: Das Schlagwort Natürlichkeit ist der Trend bei Teppichböden im Jahr 2013. Sei es wegen der erdigen Farben, der blumigen Muster oder des Revivals folkloristischer Webmuster. Auf der weltweit führenden Teppichmesse Domotex in Hannover (von heute bis 15. Januar) präsentieren rund 1400 Unternehmen aus 60 Ländern Neuheiten.

In drei Haupttrends hat die Deutsche Messe in Hannover das Neue eingeteilt: "Dark Opulence", "Soft Coolness" und "Native Craft". Letzteres stehe für ein Naturerleben in einer von Technik dominierten Welt, heißt es in dem Trendbericht. Die Farben verliefen unregelmäßig, die Oberflächen wirkten teils handwerklich bearbeitet wie gekittet und geflickt. "Die Farben sind meist erdig und warm wie Beige, Braun, Rotbraun, Orange und Ocker. Kräftigere Farben wie Flaschengrün, Türkis, Rot und Gelb kommen bei ethnischen Musterungen hinzu", heißt es in einer Pressemitteilung der Messe.

"Schon in den vergangenen Jahren sah man verstärkt Einflüsse aus dem Orient", erläutert die Trendanalystin Gabriela Kaiser aus Weißdorf (Bayern). Der Perserteppich war die Wiederentdeckung. "Jetzt geht es nach Mexiko." Das erkenne man etwa an den verwendeten Farben wie Kakteengrün, Erdtöne der Prärie und Chilirot, und an den dazu typischen folkloristischen Mustern der Region.

Der Orientteppich bleibe aber immer noch ein Modehit, erläutert Ali Ipektchi, Verbandsvorsitzender der European Carpet-Importers Association (Vereinigung der europäischen Teppich-Importeure, EUCA) in Hamburg. Er sei nun aus den Messen heraus beim Verbraucher erst richtig angekommen.

Neu zusammengepuzzelt

Und die Hersteller entwickelten diesen Trend noch weiter: "Vieles orientiert sich derzeit am Teppich mit klassischen Mustern. Junge Designer setzen sich mit diesem Thema auseinander und lassen sich davon inspirieren", berichtet Ipektchi aus der Branche. Muster werden verfremdet, den eigentlich bunten Klassiker gibt es plötzlich auch einfarbig oder sie werden anders zusammengesetzt. Dafür werden etwa alte Teppiche zerschnitten und neu zusammengepuzzelt - oder gleich als Stückwerk maschinell gewebt.

Die Importeure bemerken ebenfalls einen Trend zu Naturtönen, darunter viel Grau. "Violett, das in den vergangenen Jahren Trendfarbe war, ist nur aktuell noch ein Thema. Die Händler haben es derzeit in den Geschäften, aber es spielt in der Planung weniger eine Rolle", sagt Ipektchi. Stattdessen seien Grüntöne wie Petrol gefragt. "Und es gibt eine Tendenz zu Blau, dafür spricht auch das Petrol."

Farbenfroh sind die Bodenbeläge, die die Deutsche Messe Hannover im Trendthema "Soft Coolness" (dt.: Sanfte Kühle) zusammenfasst. Sie sind etwas für moderne Einrichtungsstile. "Hell und lichtdurchflutet - so zeigen sich moderne urbane Räume, die vor allem von Architektur und Technik beeinflusst sind", beschreibt die Deutsche Messe in der Pressemitteilung. Das kann kalt wirken. Sogenannte Nichtfarben wie Weiß, Hellgrau und Beige sowie zarte Pastellfarben wie Türkis und Rosa durchbrechen das dann.

"Menschen brauchen helle Räume, in denen sie die Gedanken fliegen lassen können", sagt Gabriela Kaiser. Aber eine komplett weiße Einrichtung würde einen Raum zu puristisch und kalt wirken lassen. "Daher kommen hier etwa im Boden verschiedene Weiß- und Beigetöne sowie Ahornholz und ein Minzgrün hinzu", sagt sie. "Es ist eine sanfte Note des Purismus, der sonst eher nur aus Schwarz-Weiß bestand."

Dezente Farbtöne

Statt knallig bunter Farben als Kontrast werden hier dezente Töne verwendet: "Aus dem Pink der letzten Jahre ist Flamingo geworden, aus einem hellen Rot ein Himbeerrot." Die Teppiche sind häufig uni oder - und das sei neu in dieser Saison - sie haben mehrere große, sich im Ton nur leicht unterscheidende Flächen nebeneinander. Auch Blumenmuster finden sich.

Den Kontrast zur "Soft Coolness" bildet das Thema "Dark Opulence" (dt.: Dunkle Fülle) - vor allem die Farbe Schwarz liegt hier auf dem Boden. "Dazu gesellt sich ein Mix aus dunklen, eleganten Tönen: ein dunkles Braun, ein mystisches Violett, Mitternachtsblau, Petrol, dunkles Rot, Kupfer, Bernstein und Gold", heißt es in dem Trendbericht zu der Weltleitmesse. Die dunklen Teppichböden sind aus eleganten Materialien geknüpft: feine Wolle, Seide oder samtiges Chenillegarn. Sie dürfen auch glitzern - etwa durch metallisch glänzendes Lurexgarn.

"Grundsätzlich mag der Mensch ja das Dunkel in der Wohnung - es bietet Schutz, wie in Höhlen", erläutert die Trendanalystin Kaiser. "Aber die dunklen Töne sind auch heftig. In Designbeispielen von Architekten und in Fachzeitschriften sieht man zwar schwarze Böden in toll inszeniertem Ambiente. Aber wer will schon komplett im Dunkeln leben?" Sie beantwortet es gleich selbst: "Nur wer gerne Extremes zeigt."

Und auch diese Nachtschwärmer werden eher keine komplett schwarzen Wohnräume einrichten, sondern sich auf einzelne Möbel oder auf den Boden fokussieren. "Dazu kommen helle Lichtpunkte oder einfach nur weiße Wände", sagt Kaiser. Schön wirke das etwa in Rückzugsräumen wie dem Wohn- oder Schlafzimmer - "wo man sich hineinkuschelt". In der Küche oder dem Esszimmer, wo sich Menschen zum Reden und Austauschen treffen, sollte es hingegen heller sein. Damit eben die Gedanken fliegen können.

© Mannheimer Morgen, Samstag, 12.01.2013
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