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Ein Baum voller Sterne

Von Dorothée Waechter

"Momiji", die Wandelbaren, nennen die Japaner ihre Ahorne. Denn sie verwandeln ihre grüne Krone im Herbst in ein Meer aus roten Sternen.

In herbstlichen Farben leuchten im Sonnenlicht die Blätter an einem japanischen Ahornbaum. (Bild: dpa)

Im Bild ein Fächerahorn der Sorte "Batsford".  (Bild: dpa)

Wenn die Tage kürzer und die Nächte kühler werden, findet im Garten ein Farbspiel statt. Aus den Blättern des Fächerahorns ziehen sich die grünen Farbanteile zurück, so dass Rot-, Gelb- und Orangetöne das spitzgelappte Laub zum Leuchten bringen. "Japanischer Fächerahorn ist eine Sammelbezeichnung für die Ahorn-Arten Acer japonicum, Acer palmatum und Acer shirasawanum und ihre Sorten", sagt Björn Ehsen, Gärtnerischer Leiter im Park der Gärten in Bad Zwischenahn.

Zwischen 400 und 500 Sorten gibt es. Ursprünglich stammen die Gehölze aus Asien. "Fächerahorne sind in den japanischen Bergwäldern auf einer Höhe zwischen 200 und 1300 Metern über dem Meeresspiegel sowie in Korea und China beheimatet", erläutert Heribert Reif, Leiter des Botanischen Gartens Rombergpark in Dortmund. Im Norden Japans fehlen sie in der natürlichen Vegetation.

Der Fächerahorn gilt als kostbares Gehölz. Denn er wächst sehr langsam und wird meist nicht besonders groß. Im Jugendstadium verteilt sich das Astgerüst gleichmäßig am Stamm. Bei älteren Exemplaren wird das untere Drittel kahl. "So entsteht ein niedriger Wald, den Kinder gerne als Unterschlupf nutzen", beschreibt Reif den Wuchs. "Bei uns im Botanischen Garten Rombergpark nennen die Kinder die Japanischen Fächerahorne ,Sternenbaum' - weil die Kinder unter dem Baum stehen, zum Himmel schauen und die Blätter wie Sterne aussehen."

Riesiges Spektrum

Allerdings fällt es dem Laien oft schwer, eine gute Sorte auszumachen. Denn das Spektrum ist riesig, wie Reif erläutert. Häufig werden auffällige Exemplare mit einem Sortennamen versehen, ohne dass Experten prüfen, ob beispielsweise die Herbstfärbung tatsächlich auf einem genetisch bedingten hohen Anteil des roten Farbstoffes Anthocyan beruht. Manchmal handele es sich auch um eine Altersform.

Und neben der Sorte haben auch Standort und Klima Einfluss auf die Herbstfärbung. Diese kann der Gärtner somit beeinflussen: "Wichtig für die optimale Herbstfärbung sind ein sonniger Standort und eine nur mäßige Düngung", erklärt Gartenleiter Ehsen. "Nur bei wenigen Ausnahmen von sonnenempfindlichen Sorten wie zum Beispiel Acer shirasawanum ,Aureum' sollte der Standort schattig sein."

Experte Heribert Reif empfiehlt die Sorte Acer palmatum ,Osakazuki'. Ehsen schätzt im Herbst innerhalb dieser Art besonders die Sorte "Trompenburg" sowie die rötliche Färbung von "Sangokaku". Aus der sogenannten Dissectum-Gruppe der Art Acer palmatum empfiehlt der Gartenexperte die Sorten "Dissectum", "Ornatum" und "Garnet" - alle mit tief eingeschnittenem Laub und einem überhängenden Wuchs. In der Art Acer japonicum stechen die Sorten "Aconitifolium" und "Vitifolium" hervor.

Der Fächerahorn passt gut in den kleinen Hausgarten. Einen Hinweis für den perfekten Standort liefert seine Heimat. "Es handelt sich um Gehölze, die in den Bergen vorkommen", sagt Reif. Durch den steinigen Untergrund kann das Regenwasser dort gut ablaufen. Im Garten bedeute das, dass der Japanische Fächerahorn eine gute Drainage braucht.

Pflegeleichter Baum

Das gilt auch, wenn die Pflanze im Kübel kultiviert wird. Ehsen rät, hier auf einen guten Wasserabzug zu achten. Der Boden sollte keine tiefgründigen Verdichtungen haben. Ein leichter Sandboden mit Lösslehm oder Lehmanteil ist ideal. Die Toleranz des pH-Wertes liegt laut Ehsen zwischen 4,5 und 7.

Ist der Boden besonders feucht, sollte man das Gehölz auf einen kleinen Erdhügel setzen. So kann das Wasser besser ablaufen. Wenn im Sommer die zum Teil sehr filigranen Blattspitzen verbrennen, ist die Ursache meist ein zugiger Standort.

Japanische Fächerahorne sind pflegeleicht, wenn sie gut angewachsen sind. Da sie langsam gedeihen, erübrigt sich ein Schnitt - dieser würde zudem die charakteristische Wuchsform verändern, erläutert Ehsen. Er empfiehlt, wenn überhaupt, nur bei starkwüchsigen Sorten im Juni oder Juli die Triebspitzen über einer Knospe etwas einzukürzen oder nach den Winterfrösten abgestorbene Triebspitzen herauszuschneiden. Im Winter hat die Schere Pause.

Reif rät zudem, das Gehölz ausgewogen zu düngen - eine übermäßige Stickstoffversorgung sollten Hobbygärtner vermeiden. "Das größte Risiko für Japanische Fächerahorne stellt die Verticillium-Welke dar", sagt Ehsen. Die Erkrankung werde von Pilzen im Boden verursacht, die über die Wurzeln in die Leitungsgefäße des Baumes gelangen und sich ausbreiten. Die Blätter erschlaffen, und die Zweige sterben ab. "Die Krankheit kann nicht mit pilztötenden Mitteln bekämpft werden", erläutert der Pflanzenexperte. Auch ein großzügiger Schnitt rette den Baum nicht.

Stattdessen müssen Gartenbesitzer vorbeugen: Gartenleiter Björn Ehsen aus Bad Zwischenahn empfiehlt, beim Setzen einen optimalen Standort auszuwählen und den Boden gut vorzubereiten. Aber: "An Verticillium-verseuchten Standorten sollten sicherheitshalber keine Fächerahorne nachgepflanzt werden." Selbst dann nicht, wenn der Boden großzügig ausgetauscht wird.

© Mannheimer Morgen, Samstag, 20.10.2012
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