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Eine Affenbande und manche Schweinerei

Von Uta Abendroth

Enten, Füchse, Hasen und auch Schweine: Die Designer sind Tierfreunde geworden – immer mehr animalische Objekte zieren Geschirr oder den Wohnraum. Was steckt hinter diesem Trend?

Die Affen von Kay Bojesen für Rosendahl stammen aus dem Jahr 1951.

Achtung, Überraschung! Becher von Donkey Products. (Bilder: dpa)

Wohnen mit lauter Tieren - das klingt erst mal anstrengend. Aber diese Vierbeiner verschmutzen nichts, fressen nichts, lärmen nicht und stellen keine Ansprüche. Denn sie sind aus Holz, Porzellan, PVC oder Leder. Ob auf Tellern, als Buchstütze, Badewannenstöpsel oder Lampe: Dekorationen in Tierform sind reihenweise derzeit bei den Ausstattern im Programm.

Allenfalls der Platzbedarf ist mitunter beträchtlich: So entwarfen etwa die Designerinnen des schwedischen Trios Front für das holländische Avantgarde-Label Moooi ein lebensgroßes Pferd aus schwarzem Kunststoff, das als Lampe dient. Und ihr Plastik-Schwein dient mit einem Tablett über den Schulterblättern als Beistelltisch.

"Tiere im Design sind eine Form der Infantilisierung, denn die Motive bedrohen uns nicht und fordern uns nicht heraus", erklärt die Trendforscherin Oona Strathern aus Wien, warum Erwachsene sich mit Spielzeug umgeben. "Stattdessen bieten sie uns eine Art Komfortzone, die sich von der Unschuld in der Kindheit speist."

Bereits in den 50er Jahren waren Tiere Thema im Design - vielleicht weil die Menschen auch in dem Jahrzehnt nach dem Zweiten Weltkrieg Sicherheit suchten. Damals schuf Kay Bojesen Holztiere für die Firma Rosendahl. Für den Dänen sollten die Objekte beim Betrachter das Gefühl hervorrufen, sie wegen ihrer lebendigen und einnehmenden Erscheinung berühren zu wollen. Allen voran seine Äffchen sind zu begehrten Sammlerstücken avanciert.

Ebenfalls schon in den 50er Jahren gestaltete Kristian Vedel seine "Birds" für Architectmade. Die Köpfe der kleinen Vögel lassen sich bewegen und können durch veränderte Stellungen immer wieder einen neuen Ausdruck annehmen.

Ein ungewöhnliches Objekt haben die beiden Karlsruher Designerinnen Yvonne Fehling und Jennie Peiz mit "Still lives" entworfen: ein lebensgroßes Schwein, das mit Rindsleder bezogen ist. Dieses ist rautenförmig geheftet und mit Knöpfen versehen - was das Schwein zu einem typisch englischen Chesterfield-Polstermöbel macht. Das Objekt ist Hocker, Spielzeug, Skulptur, Kuscheltier und Turngerät zugleich. "Vielleicht ist es die Aufforderung zum spielerischen Umgang mit dem Schwein, das uns in einen kurzweiligen, kindlichen Zustand der Unbekümmertheit und Unwissenheit zurückversetzt, und so die Menschen beim Anblick dieses Objekts in heitere Stimmung versetzt", sagt Designerin Jennie Peiz.

Manche tierischen Objekte lassen einen schmunzeln - wie die von Donkey Products. Zum Beispiel, wenn jemand aus einem Becher trinkt, Mund und Nase in der Tasse versenkt, und das Gegenüber plötzlich auf eine Tierschnauze wie einen Schweinerüssel oder eine Hasenscharte blickt, die auf der Unterseite des Trinkgefäßes auftaucht.

© Mannheimer Morgen, Samstag, 29.12.2012
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