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Farbenspiele

Von Sascha Rettig

Gelb fürs Arbeitszimmer, Rot in der Diele - Farben haben verschiedene Wirkungen. Dies kann man sich beim Planen von Wohnungen oder Häusern zu Nutzen machen.

Grün beruhigt, Gelb aktiviert die Gehirntätigkeit, und Rot wirkt anregend. Doch streicht man in diesen Farben ganze Wände der Zimmer, kann sich ihre Wirkung ändern: Rot macht dann etwa aggressiv. Wie Farben wirken, kommt auf die Dosierung und Balance an.

Farben wirken, ob man will oder nicht. Und sie erzeugen Stimmungen, die auch beim Gestalten einer Wohnung eine wichtige Rolle spielen. Farben entscheiden mit darüber, wie wohl man sich fühlt, wie angeregt oder produktiv man ist. Doch nicht jede Farbe passt mit ihrer Wirkung in jedes Zimmer - und manche Farben sollten besser nur sparsam zum Einsatz kommen.

Farben und Raumgröße

Farben beeinflussen auch die Wahrnehmung der Raumgröße. "Bunte, kräftige Farben machen einen Raum immer kleiner, weil sie ins Auge springen und sich Platz machen", erklärt Wohnpsychologe und Coach Uwe Linke.

"Pastelltöne können hingegen die Fernwirkung und damit die Größe des Raums positiv beeinflussen. Besonders eignen sich dafür ein zartes Blau oder helle Grautöne - die wir auch am Horizont sehen können, wenn wir in die Ferne sehen."

Büchertipps:

Isabelle Wolf: "Was Farben sagen"; Goldmann Verlag; ISBN 978-3442172313; 8,99 Euro - Uwe Linke: "Die Psychologie des Wohnens"; Nymphenburger Verlag; ISBN 978-3485013086; 17,99 Euro.

"In der Farbwahrnehmung gibt es keine großen individuellen Unterschiede", sagt Farbgestalterin Isabelle Wolf aus Zweibrücken. Niemand empfinde beispielsweise Rot als kalt. "Das ist so etwas wie eine Urprägung." Während Rot dynamisch, kraftvoll und anregend wirke, sei Grün harmonisch, beruhigend und ausbalancierend. "Allerdings können in diese Wahrnehmung immer auch persönliche Erfahrungen und Assoziationen reinspielen - wenn die Küche der Oma, in der man glückliche Ferien verlebt hat, grün war, dann verknüpft man damit eine positive Erinnerung."

Nicht monothematisch

Wohnräume sollten laut Axel Venn farblich nicht monothematisch gestaltet werden. "Ideal ist eine Mischung aus Beruhigung und Anregung", erklärt der Designer und Professor für Farbgestaltung und Trendscouting (Hildesheim). "Zwei Drittel des Raumes sollten eher beruhigend wirken." Das erreiche man mit neutralen Farben ohne starke Charakteristik, etwa durch getrübte Kalk- oder Sonnentöne, durch Leinen-, Bast- oder Sorbettöne.

"Die anregende Wirkung des restlichen Drittels kann zum Beispiel durch buntstiftartige, pastellige Farben erzielt werden." Also unter anderem über Stoffe und Vorhänge oder den Buchbestand und die Bilder. Kommen reine, intensive Farben zu stark zum Einsatz, wühlt das laut Venn zu sehr auf. "Sie sind auch aus farbmedizinischer Sicht unangenehm, weil man nach dem Blick auf eine rein grüne Wand Rot-Ereignisse vor den Augen hat."

"Ausdrucksmittel im Raum"

Generell empfiehlt Uwe Linke für Räume und Wohnungen ein Farbkonzept. "Außer dem Stil der Möbel ist die gekonnt eingesetzte Farbe schließlich ein starkes und beeindruckendes Ausdrucksmittel im Raum", erklärt der Wohnpsychologe aus München. "Darüber hinaus handelt es sich um ein preiswertes Stilmittel, das in Form von Bildern, Wandfarben und Wohntextilien angewendet werden kann."

Entscheidend für die Wirkung sei unter anderem das Farbgewicht im Raum. "Während helle Pastelltöne beispielsweise wenig Gewicht haben, wirken kräftig-bunte und dunkle Farben besonders massiv und sollten mit Bedacht eingesetzt werden", sagt Linke. Er rät, möglichst nicht mehr als drei Farben einzusetzen, weil der Raum sonst unruhig wirke.

Neben dem Farbgewicht ist das Licht ein wichtiger Aspekt. "Durch Licht kommen Farben erst richtig zur Geltung und entfalten am besten ihre Wirkung", sagt Venn. "Dabei empfiehlt sich der Einsatz mehrerer Lichtquellen, um gemütliche Ecken zu schaffen." Einen Raum, der voll lichtdurchflutet ist, würden die meisten Menschen nicht mögen.

Manche Farben eignen sich am besten für Farbakzente. "Rot etwa wird selten für ganze Zimmer verwendet, sondern empfiehlt sich als Akzentfarbe. Nur selten genutzte Räume wie die Diele oder ein repräsentatives Esszimmer kann man komplett in Rot gestalten", sagt Wolf. "Für das Schlafzimmer ist rot hingegen zu anregend, an einen erholsamen Schlaf wäre nicht zu denken." Rot werde zudem von vielen als primitiv oder zu dominant empfunden.

Nicht immer muss tatsächlich eine Farbe verwendet werden, um in einem Raum auch einen bestimmten Farbeindruck zu erzielen. "Farben lassen sich auch in Formen und Materialien übersetzen", erläutert Wolf. "Ein roter Raumeindruck entsteht zum Beispiel durch Holzkuben und Lederhocker, durch schwere, massive Materialien, durch Leder, Felle und einen offenen Kamin." Gelb, eine stimmungsaufhellende Farbe, öffnet Räume und regt die Gehirntätigkeit an - sie findet ihre Entsprechung in großzügigen Räumen, großen Fenstern und Materialien, die reflektieren, wie polierter Stahl.

Auch für Büros interessant

Die Farben spiegeln dabei nicht nur die Persönlichkeit eines Menschen wider. Sie nehmen auch Einfluss auf das Temperament einer Person. "Ein Phlegmatiker, der sich in Grün einrichtet, kommt überhaupt nicht mehr in Schwung", sagt Wolf. Grün sei zu bedächtig, da passiere nichts. "Stattdessen sollten Farben mit einem aktivierenden Impuls wie Rot oder Orange zum Einsatz kommen."

Auch für Büros werden oft Farben verwendet, die eine bestimmte Intention fördern. "Arbeitsbereiche werden in Gelb noch anregender, und Geschäfte wirken mit Rottönen einladender", sagt Linke. Für einen Kindergarten eignen sich keine roten Wände, denn das fördere die Aggression und die Lautstärke. Doch unabhängig von allen Farbspielen und Kombinationen sollten Räume laut Venn vor allem eines haben: eine persönliche Botschaft. "Dann sind sie auch angenehm."

© Mannheimer Morgen, Samstag, 13.10.2012
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