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Freude an Fuchsien trotz Frost

Von Helga Panten

Wer keinen Platz hat, um Fuchsien zu überwintern, sollte auf robuste Sorten zurückgreifen. Und sich sputen: Mai und Juni sind die besten Monate zum Auspflanzen.

Fuchsien sind besonders empfindlich. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um zu pflanzen.

© dpa

Fuchsien in voller Blüte vor der Kuppel des Berliner Doms.

© dpa

In England und Irland gehören die über mannshohen Fuchsienhecken zum Bild der Landschaft. Bei uns ist das Klima dafür viel zu rau - oder etwa nicht? Ohne Frage, die meisten Fuchsien halten es bei uns im Winter draußen nicht aus. Aber es gibt winterharte Sorten, die auch mit unserem Klima zurechtkommen.

Wer keinen Platz hat, um Fuchsien zu überwintern oder sich das Ein- und Ausräumen ersparen will, sollte auf robuste Sorten setzen. Weit über 100 Sorten listet die Deutsche Dahlien-, Fuchsien- und Gladiolengesellschaft auf, die den Erfahrungen ihrer Mitglieder nach bei uns winterhart sind.

Sogar Sorten aus dem Standardsortiment reihen sich überraschend in die Schar der harten Fuchsien ein. Die rot-violette "Beacon" findet sich beispielsweise auf der Liste, die beliebte "Dollarprinzessin" und "Tom Thumb", eine der ganz alten Sorten, die bereits 1850 gezüchtet wurde. Sie sollen es selbst in Klimazone Sechs aushalten, die durch Tiefsttemperaturen zwischen minus 17,8 Grad und minus 23,3 Grad definiert wird. Vor allem im Alpen- und Voralpenraum sind die Winter derart rau.

Nur starke und gesunde Pflanzen können den Winter überstehen. Gepflanzt wird spätestens im Juli an einem hellen, vor praller Mittagssonne geschützten Platz.

Vor dem Pflanzen ist der Boden gut zu lockern und mit Humus zu versorgen. Die Düngung sollte unbedingt im August eingestellt werden.

Dahlien, Fuchsien und Gladioliengesellschaft: www.ddfgg.de

Die meisten Regionen Deutschlands zählen zur Klimazone Sieben mit Tiefsttemperaturen zwischen 12,3 Grad und 17,7 Grad. Damit kommen die harten Fuchsien in der Regel sehr gut zurecht. Die Einschränkung "in der Regel" ist wichtig, denn Winterhärte ist keine absolute Größe. Sie sinkt, wenn die Fuchsien zu spät im Jahr gepflanzt wurden und nicht richtig einwurzeln konnten. Mai und Juni sind die optimalen Monate für das Auspflanzen. Juli kann bereits zu spät sein.

Die Winterhärte sinkt auch, wenn die Pflanzen zu spät im Herbst noch Dünger bekommen. Vor allem Stickstoff kurbelt das frische Triebwachstum an. Die Triebe haben dann keine Zeit, auszureifen und gehen weich in den Winter. Daher wird spätestens im August das Düngen eingestellt. Auch ein falscher Standort und entsprechender Schädlingsbefall kann die Fuchsie so kraftlos werden lassen, dass sie Frost nichts entgegenzusetzen hat. Nur starke Pflanzen bekommen bei sorgfältiger Pflege die nötige Kraft, um den Winter zu überstehen. Sehr junge überwintern besser im ersten Jahr drinnen.

Eigentlich verwundert es nicht, dass es winterharte Vertreter unter den Fuchsien gibt. Fuchsia magellanica, die auch die Hecken in England zum Blühen bringt, ist im südlichen Chile und Argentinien zu Hause. Dort wächst sie bis in 3000 Meter Höhe, wo die Wintermonate mindestens so rau sind wie bei uns. Kennern galt die Magellan-Fuchsie lange Zeit als die winterharte Fuchsie schlechthin.

Als rund 140 Zentimeter hoher Busch erfreut sie im Garten durch zierliche rot-blaue Blüten und überhängende Zweige. Von der Magellan-Fuchsie gibt es zwei hübsche, verhalten wachsende Varietäten. Fuchsie magellanica var. aurea fällt durch goldgelbes Laub auf, das mit dem Rot der Blüten, Stängel und Blattadern kontrastiert. Var. Tricolor besitzt graugrün, gelb und rosa panaschiertes Laub, das die Pflanzen vor der Blüte attraktiv macht.

Seltener als die Magellan-Fuchsie wachsen die beiden anderen robusten Arten in den Gärten. Die eine ist Fuchsie regia ssp. reitzii. Sie besitzt eine unbändige Wuchskraft, schafft Jahrestriebe von zwei Metern Länge, an denen kleine rot-blaue Blütchen sitzen, und treibt Ausläufer.

Das Gegenstück dazu bildet Fuchsia procumbens. Sie wächst ganz flach, bildet dichte grüne Matten mit eher unscheinbaren, grünlichen Blüten. Als Bodendecker ist sie die passende Ergänzung im Fuchsiengarten zu Füßen der anderen winterharten Fuchsien.

Geduld gefragt

An vorderster Stelle bei den Winterharten stehen kleinblütige Sorten wie die schneeweiße "Hawkshead", die rosaweiße "Whiteknight's Pearl", oder "Riccartonii", die bereits 1838 als Sorte von Fuchsia magellanica entstand und ihr auch sehr ähnlich sieht. Sie alle gleichen geringe Blütengröße durch Blütenfülle aus und hängen oft voll mit hunderten zierlichen, eleganten Blüten.

Die Zahl der gefüllt blühenden, winterharten Fuchsien ist um einiges geringer: "Heidi Ann", die einen roten Kelch mit blasslila Röckchen kombiniert, "Arlendon" mit dickem weißem Petticoat unterm roten Kelch oder "Tennessee Waltz", unter deren Kelch es blau geflammt hervorquillt.

Sie alle sind robust. Trotzdem frieren die oberirdischen Triebe in den meisten Wintern zurück. Ob sie austreiben werden, zeigt sich im Frühjahr, wenn es beim Ankratzen unter der Rinde grün schimmert. Ist das nicht der Fall, wird bis auf den Boden zurückgeschnitten. Die Fuchsien treiben dann willig aus der Wurzel wieder aus. Meist zeigen sich die jungen Triebe bereits im April, je nach Witterung kann es aber auch bis Mai oder gar Juni dauern. Also Geduld, wenn die Triebe auf sich warten lassen.

© Mannheimer Morgen, Samstag, 05.05.2012
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