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Donnerstag, 02.10.2014

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Grüne Akrobaten

Baldachin aus Blättern, Sichtschutz aus Rosen und Immergrünes als Schmuck für die graue Fassade sogar im Winter: Kletterpflanzen sind Baumeister der Natur. Von Dorothée Waechter

Soll eine Wand rasch begrünt werden, leisten Kletterpflanzen gute Dienste. Die Pflanzen mit ihren lianenartigen Trieben spenden an einer Pergola Schatten und schaffen sommerliche Blütenpracht am maroden Baumstamm. Zwischen zwei und sieben Meter können sich Kletterpflanzen - je nach Pflanzart - in die Höhe schlingen. "Ein einziger Wilder Wein kann im Laufe der Jahre ein dreistöckiges Haus dicht begrünen", sagt Robert Markley, Geschäftsführer des Verbandes der Gartenbaumschulen in Haan (Nordrhein-Westfalen).

"Man unterscheidet zwischen den Gerüstkletterpflanzen und den Selbstklimmern", erläutert Stefan Brandhorst, Experte in der Fachvereinigung Bauwerksbegrünung in Saarbrücken. Zu den Gerüstkletterpflanzen zählen Schlinger, Ranker und Spreizklimmer. In der Natur finden sie Halt an anderen Pflanzen oder einem Bauwerk.

Fassaden vor Begrünung überprüfen

Wer eine Fassadenbegrünung plant, sollte vorher das Mauerwerk von einem Fachmann überprüfen lassen. "Der Putz muss intakt sein", erläutert Stefan Brandhorst, Experte für Fassadenbegrünung der Fachvereinigung Bauwerksbegrünung in Saarbrücken.

Selbstklimmer brauchen etwa einen intakten mineralischen Putz oder einen nicht ganz frischen Beton als Unterlage. Der Fachmann müsse auch die Last der Pflanze berechnen und auf dieser Grundlage die Anker und ein stabiles Ranksystem wählen und installieren. "Anderenfalls kann die Last zu groß, die Verankerung aus der Fassade gerissen oder die Kletterhilfe durch die mit der Pflanzenlast zusammenhängenden Kräfte beschädigt werden."

Robert Markley: "Hecken und Ziergehölze". BLV. 127 S., Euro 9,95. ISBN 978-3-835407213

"Wurzelkletterer wie Efeu und Kletterhortensie bilden an den jungen Trieben sprossbürtige Haftwurzeln, mit denen sie sich am Mauerwerk oder an einer rauen Borke halten können", sagt Gärtnermeister Brandhorst. Das Besondere: Die Triebe gedeihen nicht zum Licht, sondern zur von der Sonne abgewandten Seite hin zu einer Mauer oder einem Stamm und suchen dort Halt. "Dabei wachsen sie gerne in Fugen und Risse."

Die Gerüst-Akrobaten bevorzugen verschiedenen Kletterhilfen: "Schlingpflanzen wie der Blauregen umschlingen Seile oder Stäbe mit einem Durchmesser zwischen 0,5 und fünf Zentimeter", sagt Brandhorst. Diese Kletterhilfen sollten möglichst vertikale Strukturen aufweisen.

Unterschiedliche Ansprüche

Spreizklimmer wie Kletter- und Rankrosen haken sich mit Hilfe von Dornen, Stacheln oder Kurztrieben in Kletterhilfen mit waagerecht verlaufenden Strukturen. "Für Ranker sind gitterartige Kletterhilfen ideal. Bei den Clematis wird durch einen Berührungsreiz der Blattstiel umgeformt", erklärt Brandhorst.

Sprossranker, zu denen der Wein zählt, bilden aus einem Spross eine Ranke. Haftscheibenranker wie der Wilde Wein lassen veränderte Sprossen wachsen, die sich an den rauen Untergrund heften können.

In der Gartengestaltung übernehmen Kletterpflanzen unterschiedliche Aufgaben. "An Wänden bilden sie einen gleichmäßigen Hintergrund", sagt Markley. Er rät hierfür zu Efeu, der immergrün und sehr robust ist. Als grünes Kleid für Lauben und Pergolen empfiehlt der Buchautor Rambler-Rosen. "Diese reich blühenden Sorten haben fast keine Stacheln, wachsen aber rasch und blühen eindrucksvoll."

Manche Kletterpflanzen können als eine Art Verband auch Schäden am Bauwerk verstecken. "Knöterich wird im Volksmund auch Architektentrost genannt, weil er sehr schnell kleinere bauliche Mängel unter seinem dichten Blätterkleid verdeckt", sagt Markley. "Allerdings muss man wissen, dass die Pflanzen nicht aufhören zu wachsen." Sie müssten daher regelmäßig zurückgeschnitten werden.

Kletterpflanzen haben unterschiedliche Ansprüche an den Standort. Für sonnige Plätze empfiehlt Brandhorst Zier-Kiwi mit einer rosafarbenen Blattspitze und gelb blühende Waldreben. "Für schattige Plätze eignen sich die Alpen-Waldrebe und das Trompeten-Geißblatt." Die Duftrebe, Wilder Wein und die Spalthortensie vertragen sowohl Sonne als auch Schatten.

Der Wind ist ein entscheidender Faktor für das Wachstum, denn er zieht mit großer Stärke um die Hausecken - das beeinträchtige das Pflanzenwachstum, sagt Gärtnermeister Brandhorst. Mit zunehmender Höhe wirkten die Kräfte stärker. Daher sollten Kletterpflanzen nicht an diesen exponierten Stellen in die Höhe gezogen werden, sondern sich von der Wandmitte aus entwickeln.

"Kletterpflanzen sind in Auen und Wäldern heimisch", ergänzt Gartenspezialist Robert Markley. "Daher brauchen sie einen frischen, humosen Boden, der tiefgründig ist." Stefan Brandhorst empfiehlt, das Pflanzloch vor dem Setzen gut vorzubereiten: "Im Bereich von versiegelten Flächen sollte der Unterbau so beschaffen sein, dass die Wurzeln das Substrat durchwurzeln können."

© Mannheimer Morgen, Samstag, 11.08.2012
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