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Im Nu zum grünen Kranz

Von Dorothée Waechter

Himbeer- oder Ginkgoblätter, die Blüten der Fetthenne oder die Früchte der Büschelrose - ungewöhnliches Material für ungewöhnliche Kränze.

Im Herbst findet man besonders viel Pflanzenmaterial, das sich zum Basteln eignet, auch Ginkgoblätter (links).

© dpa

Kränze lassen sich aus vielen Materialien zusammenstellen.

© dpa

Es geht auch mal anders: Türkränze müssen nicht immer nur aus Reisig oder Beerenzweigen gebunden sein. Der Garten bietet im Herbst besonders viel ungewöhnliches Material.

Der Kranz kann beispielsweise aus Himbeerlaub sein. Und die im Herbst leuchtend gelben Blätter des chinesischen Ginkgo fallen an der Tür besonders auf: Im Garten finden sich gerade im Herbst viele Materialien, die sich zu Kränzen binden lassen. "Etwas Besonderes sind jetzt die langen biegsamen Ranken von Waldreben (Clematis)", sagt Beate Walther, Buchautorin und Floristmeisterin aus Rohr (Thüringen).

Neben Rosen und Brombeeren tragen Schneeball, Liguster und Feuerdorn bunte Früchte, die sich gut in einem Gesteck machen. Unter den Blühpflanzen lassen sich Rosen, Hortensien, Zinnien und Sonnenblumen in verschiedenen Größen und deren Fruchtböden gut binden, rät Manfred Hoffmann, Kreativ-Direktor des Fachverbandes Deutscher Floristen aus Düsseldorf. Gräserblüten lockern das Gesteck auf.

Besonders variantenreich ist derzeit das Laub - und vor allem jene Blätter, deren Ober- und Unterseiten sich unterscheiden. Walther empfiehlt Himbeerlaub und Pappelblätter. Besonders schöne Farbakzente zeigen auch Kastanie, Eiche, Buche und Fächerahorn sowie Ginkgo und Magnolie.

Besondere Intensität

Allerdings sollte der Bastler nicht zu viele Materialien mischen. Sonst komme der Charakter der einzelnen Teile nicht gut zur Geltung. "Damit ein Kranz, der aus verschiedenen Materialien zusammengestellt wird, harmonisch wirkt, sollte deren Stärke gleichmäßig sein", rät Mechthild Bennor, freie Dozentin für Floristik aus Herten (Nordrhein-Westfalen).

Als Kombination empfiehlt sie zum Beispiel Blätter und Blüten der rosaroten Heide sowie der rostroten, rosa oder weißen Fetthenne und der rosafarbenen Hortensien. Dazu kommen einige Hagebutten der Hundsrose oder Früchte der Büschelrose. Dezenter wirke ein Kranz mit Silberkörbchen, schwarzen Ligusterbeeren, blauen Hortensien und Blättern der Silberpappel.

Sehr schönes Material kann auch allein für einen Kranz verwendet werden. "Bei derartigen Werkstücken können in besonderer Intensität Textur, Strukturen und Farbverläufe der eingesetzten Materialien herausgearbeitet werden", sagt Jürgen Herold, Deutscher Meister der Floristen 2012. Beispiele sind Kränze aus Zweigen mit Beeren oder mit den stark gemusterten Blättern des Efeus. Herold hat dazu einen Dekorationstipp: Der Effekt lässt sich verstärken, wenn zwei oder drei Monokränze aus jeweils verschiedenen Materialien nebeneinander hängen.

Die Kränze brauchen eine Unterlage. Für dickere Modelle taugen sogenannte Strohrömer, fest gebundene Strohkränze mit einer Stärke zwischen drei und zwölf Zentimetern, erläutert Walther. Für filigrane Kränze reichen gewellte Drahtreifen. Das Binden geht leichter, wenn die Unterlagen am Tisch befestigt oder angebunden werden.

Gestalterisches Element

Ein etwa vier Zentimeter breites, braunes oder dunkelgrünes Vliesband kommt um einen Strohrömer. "Mit dem Vlies verhindert man, dass das helle Material des Strohs zwischen den Blüten und Blättern durchschaut", erläutert Bennor. Außerdem verhindere die Lage, dass die Feuchtigkeit in das Stroh eindringt und sich Gerüche entwickeln. Um einen Drahtstreifen kommt am besten ein Klebeband, damit das Pflanzenmaterial nicht abrutscht.

Ein Wickeldraht befestigt dieses auf dem Kranz, erläutert Floristmeister Hoffmann. In den Farben Schwarz oder Grün ist er nicht sichtbar. Aber es gibt ihn auch in Bunt - und diene am besten als gestalterisches Element, so Hoffmann. Auf einem Strohreifen hält das Material auch mit Nadeln und U-förmigen Haften, einzelne Früchte, Zapfen und Nüsse befestigt die Heißklebepistole.

Die Materialien liegen schuppenförmig auf dem Rohling, so dass die Spitzen der folgenden Blätter, Zweige oder Fruchtstände den Draht oder die Nadeln verdecken. Zum Aufhängen dienen am besten Bänder, Kordeln oder Bast. Bindedraht, der rosten kann, könne Flecken an der Tür hinterlassen, sagt Walther. Sie rät, darauf zu achten, dass das Gebinde nicht an die Tür schlägt oder an ihr scheuert.

Die Alternative ist ein Kranz oder Gesteck auf Steckmoos. "Es eignet sich besonders gut für frische Blüten", sagt die Floristmeisterin. Das Steckmoos komme erst in eine Wanne mit Wasser - aber nur auf die Wasseroberfläche. Es darf nicht untergetaucht werden, da es sich selbstständig vollsaugen soll. Die schräg angeschnittenen Blüten stehen vor dem Stecken über Nacht in Wasser.

"Der Kranz gehört wie die Girlande zu den ältesten floralen Werkstücken, die die Menschheit kennt", erläutert der amtierende Deutsche Floristen-Meister Jürgen Herold. "In seiner runden Formgebung symbolisiert er den Kreislauf des Lebens und der Natur." Sieger, Helden und Dichter trugen schon in der Antike Lorbeerkränze zur Ehrung.

"Es haben sich im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Kranzformen als Dekoration von Festen im Freien entwickelt", sagt Manfred Hoffmann. Sie dekorieren Maifeiern oder Richtfeste sowie Taufen, Hochzeiten und Trauerfeiern. Aber besonders im Frühjahr oder Herbst hängen sie gerne im Haus - denn der Kranz symbolisiert mit seiner runden Form den Kreislauf der Natur, die sich in diesen Jahreszeiten stark verändert.

© Mannheimer Morgen, Samstag, 08.09.2012
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