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Raus aus der Deckung

Von Dorothée Waechter

Grünes fällt im Garten normalerweise wenig auf. Doch im Winter, wenn kaum etwas blüht, werden immergrüne Pflanzen plötzlich zum echten Hingucker. Zedern und Zypressen sind dabei besonders eindrucksvolle Gehölze.

Die Libanon-Zeder (Cedrus libani) hat ursprünglich ausgedehnte Wälder im Libanon gebildet. (Bild: dpa)

Im Winter fallen jene Pflanzen im Garten auf, die sonst Tarnfarben tragen: Immergrüne Gehölze. Unter ihnen zeigen vor allem die Nadelgehölze im tristen Graubraun des Winters Farbe. Zu ihnen zählen Zedern und Zypressen - die Exoten haben auch hierzulande einen Platz in den Gärten gefunden. Während die Zedern der Familie der Kieferngewächse zugeordnet werden, gehören die Zypressen in eine eigene Familie, zu den Zypressengewächsen.

"Zedern haben ein ungewöhnliches Verbreitungsgebiet", sagt Wolfram Lobin, Kustos des Botanischen Gartens der Universität Bonn. "Sie kommen zum einen rund um das Mittelmeergebiet vor und zum anderen im Himalaya." In den mitteleuropäischen Breiten haben Zedern kein natürliches Verbreitungsgebiet. Einige wenige Arten sind hier inzwischen aber heimisch, sagt Ulrich Pietzarka, Kustos des Forstbotanischen Gartens Tharandt in Sachsen.

Dazu zählt die Atlas-Zeder (Cedrus atlantica). Sie kommt natürlich im nordafrikanischen Atlasgebirge vor. Besonders beliebt ist hierzulande die Blaue Atlas-Zeder. Der stattliche Baum mit seiner lockeren Krone und blaugrauen Nadeln hat sich als besonders widerstandsfähig im städtischen Umfeld bewährt.

Die Libanon-Zeder (Cedrus libani) hat ursprünglich ausgedehnte Wälder im Libanon gebildet. Auch wenn dieser Baum durch Übernutzung der Bestände sehr rar geworden ist, ziert seine Silhouette immer noch das Staatswappen des Landes. Auch in Zypern komme eine Zeder vor, die mal als eigene vierte Art unter dem botanischen Namen Cedrus brevifolia geführt wird, und mal der Zypern-Zeder als Unterart Cedrus libani var. brevifolia zugeordnet wird, führt Pietzarka aus. Aus dem Himalaya stammt eine weitere Art: die Himalaya-Zeder (Cedrus deodora).

Zedern eignen sich nur für große Hausgärten, denn sie brauchen besonders viel Platz, sagt Lobin. In ausgedehnten Parkanlagen können sich Zedern zu stattlichen Bäumen entfalten. Alle Arten sind winterhart - ausgenommen die aus Zypern kommende Form. Zedern sind recht anpassungsfähig und kommen auch auf saurem, trockenem Boden zurecht. Aber beispielsweise auf einem lehmigen, nährstoffreichen Boden wachsen sie deutlich besser, erläutert Pietzarka.

Zedern erkennt man an ihren Nadeln, sagt Wolfram Lobin. Sie sitzen sowohl an den langen Trieben als auch an den davon abgehenden kürzeren Trieben. Das Holz der Zedern ist wertvoll und sehr rar geworden. "In der Antike hatte es eine gigantische kulturelle Bedeutung", erzählt der Forstwissenschaftler Pietzarka. Die Phönizier nutzten Zedernholz zum Schiffsbau. Und König Salomo ließ in Jerusalem einen Tempel aus Zedernholz bauen. Es enthält ein Öl, das nach Angaben von Lobin zum Mikroskopieren verwendet wurde.

"Es ist jedoch falsch, dass Zedernholz intensiv duftet", klärt der Botaniker Lobin auf. Das Holz, das zur Vorbeugung gegen Motten für Schuhspanner, Bügel und Zigarrenkästen verwendet wird, sieht nur ähnlich rötlich aus wie Zedernholz.

Es handelt sich dabei aber um das aromatisch duftende Holz des Riesen-Lebensbaumes (Thuja plicata). Er wird im englischen Sprachraum als "Red Cedar" bezeichnet.

Nicht ausladend, sondern schlank und hoch wachsen die Säulen-Zypressen, die man aus dem Mittelmeerraum kennt. Die Auffahrten zu toskanischen Landgütern zieren malerisch die schwarzgrünen Bäume. Auch auf südlichen Friedhöfen ist das wunderschöne Gehölz üblich. Die Echte Mittelmeer-Zypresse (Cupressus sempervirens) ist in unseren Breiten allerdings nicht zuverlässig winterhart. "Bei uns im Botanischen Garten in Bonn wächst seit vielen Jahren ein Exemplar", berichtet Lobin zwar. Allerdings liegt das Rheinland in einem vergleichsweise milden Bereich Deutschlands. Außerdem schütze die Schlossmauer den Baum vor Wind und Wetter. Die weichen Zweige mit den rundlichen Zapfen werden hierzulande gerne als Dekoration zu Weihnachten verwendet.

Optimaler Windschutz

Auch die Mexikanische und die Monterey-Zypresse sind sehr wärmebedürftig. Winterhart sind dagegen die aus Nordamerika stammenden Arten Arizona-Zypresse (Cupressus arizonica) und Siskiyou-Zypresse (Cupressus bakeri) sowie die in Asien vorkommende Kaschmir-Zypresse (Cupressus cashmeriana). Zypressen haben schuppenförmige Blätter, die sehr dicht stehen und daher einen optimalen Windschutz bieten. Vor allem ihre rundlichen Zapfen sind etwas Besonderes: Sie öffnen sich erst nach einem Feuer, um ihre Samen freizusetzen.

"Wenn es einem um die schlanke, säulenförmige Wuchsform geht, findet man in der Familie der Zypressengewächse zahlreiche Koniferen, die ähnlich aussehen", rät Botaniker Ulrich Pietzarka. Beispiele sind die Lebensbäume (Thuja), Scheinzypressen (Chamaecyparis) und auch einige Wacholder-Bäume (Juniperus). Sie sind leicht zu kultivieren, vollkommen winterhart und werden häufig als Heckenpflanzen angeboten.

Wer dagegen Wert auf ein besonderes Gehölz legt, dem empfiehlt der Forstwissenschaftler die Weihrauchzeder (Calocedrus decurrens). "Auch hier handelt es sich um ein Zypressengewächs und nicht um eine Zeder", sagt Pietzarka. Im Garten kann er zu einem eindrucksvollen Baum mit rotbrauner Rinde heranwachsen. Die Industrie schätzt hingegen sein Holz: Aus der Pflanze werden Bleistifte hergestellt.

© Mannheimer Morgen, Samstag, 05.01.2013
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