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Vögel mit Beerenhunger

Von Dorothée Waechter

Das Büfett ist eröffnet: An vielen Stauden hängen jetzt schöne bunte Früchte. Die Vögel machen sich darüber gerne her - und der Hobbygärtner hat im winterlich tristen Garten einen Hingucker.

Im Winter kommen viele Vögel wie diese Amsel in den Garten, wenn ihnen Beeren serviert werden. Vogelbeeren sind besonders beliebt.

Auf die Beeren des Schwarzen Holunder fliegen rund 40 Vogelarten.

Im Winter haben Amsel, Drossel, Rotkehlchen und Star einen Beerenhunger. Sie nehmen einfach alles, was noch an Sträuchern und Bäumen hängt. Hobbygärtner können ihnen ein reichhaltiges Büfett auftischen - wenn sie die richtigen Pflanzen setzen. "Man unterscheidet bei den im Winter bei uns vorkommenden Singvögeln nach den Nahrungsgewohnheiten zwischen Weichfutter- und Körnerfressern", erläutert Lars Lachmann, Referent für Ornithologie und Vogelschutz beim Naturschutzbund Deutschland (NABU) in Berlin. Die erste Gruppe ernährt sich zum einen von Früchten der heimischen Pflanzen und zum anderen von Insekten, Würmern und Spinnen. Zu ihnen zählen Drosseln, Rotkehlchen, Zaunkönig, Star und Heckenbraunelle.

Körnerfresser wie Grünfink, Distelfink, die verschiedenen Meisen und Sperlinge bevorzugen Pflanzensamen. "Das Rotkehlchen macht sich in diesen Wochen über die Früchte des Pfaffenhütchens her", sagt Reinhard Witt, Vorstand und Gründer des Vereins Naturgarten in Heilbronn. Der Dompfaff mag die Vogelbeere - aber nicht nur er: "Dieses Gehölz dient über 60 Vogelarten als Nahrungsquelle", sagt Witt.

Angebot an Köstlichkeiten

Ähnlich beliebt wie die Vogelbeere ist der Schwarze Holunder. Rund 40 verschiedene Vogelarten stillen mit den Beeren ihren Hunger. Schlehe und Wildrosen ergänzen das Angebot an Köstlichkeiten. Auch der Weißdorn trägt Früchte, die gerne gepickt werden. Für Eichelhäher und Buntspecht sind Haselnüsse im Herbst eine Speise, von der natürlich auch Eichhörnchen profitieren.

Wildfrüchte sind auch farblich eine Attraktion im Garten. Idealerweise werden sie mit einer Hecke ergänzt. Aber nicht jeder hat den Platz und kann ein vielfältiges Angebot für die Vögel im Garten unterbringen. "Ein oder zwei Pflanzen, je nach Größe des Gartens, sind ein guter Anfang und besser als nichts", sagt der Ornithologe Lachmann.

Aber es darf nicht irgendwas aus der Baumschule sein. "Man muss die richtigen Pflanzen auswählen", sagt Witt. Er erläutert das am Beispiel Hartriegel: "Kauft man im Gartencenter einen Hartriegel, bekommt man in der Regel den Gelbholzigen Hartriegel, der botanisch Cornus stolonifera heißt." Dieser Strauch wird aber nur von maximal zwei verschiedenen Singvögeln als Nahrungspflanze angenommen. "Will man über 20 verschiedene Vogelarten anlocken, braucht man den heimischen Roten Hartriegel, Cornus sanguinea", erklärt er. "Man muss auf die Feinheiten der botanischen Bezeichnungen achten."

Doch die Früchte reichen nicht für den ganzen harten Winter. Aber: "Haben sich die Beerenvorräte erschöpft, machen sich Rotkehlchen, Kleiber und Zaunkönig auch auf die Suche nach ein paar Raupen oder Puppen", sagt Lachmann. Im Winter gibt es naturgemäß weniger Insekten. Aber wenn Gartenbesitzer im Herbst ihr Grundstück nicht ganz so sauber rausputzen, können Insekten die Haufen aus Ästen und Laub als Schutzräume zum Überwintern nutzen. "Für Körnerfresser wie Meisen und Finken ist es ganz wichtig, dass man die Pflanzen im Herbst nicht zurückschneidet", rät Witt.

Die Wilde Karde, eine heimische Distelart, ernährt den Distelfink. Auch Königskerzen werden bis in den Winter von Vögeln auf Nahrungssuche angeflogen. Fällt das Thermometer unter Null, bildet sich Raureif, der die Blütenstände überzuckert - und das ist ein Hingucker für den Hobbygärtner, auch wenn sich auf den hohen Blütenständen dann die Vögel niederlassen.

Kohlmeisen mögen Rohrkolben, die auch als Lampenputzer bekannt sind. Diese können den Kolben in flinker Arbeit aufblättern und die Leckereien herausholen, berichtet Witt. "Gerade an den Blütenständen nisten sich auch Insekten ein, die bei den Weichfutterfressern beliebt sind." Der Gärtner fördert damit einen Kreislauf, bei dem die Vögel auch Schädlinge vernichten und der Mensch nicht eingreifen muss. Erst im Frühjahr, wenn die Pflanzen neu austreiben, beginnt man mit dem Rückschnitt der krautigen Pflanzen.

Im Schutz der Blätter

Macht man dies vor dem Winterende, nimmt man mit den Pflanzen den Vögeln auch einen Schutzraum für den Winter weg. "Der Zaunkönig hält sich das ganze Jahr über in der Krautschicht auf", sagt Witt. Ist diese Schicht aus Pflanzen mit einer Höhe von bis zu 1,50 Meter im Winter weg, hat der Zwerg unter den Singvögeln keinen Lebensraum mehr und wandert ab. Auch im immergrünen Dickicht von Efeu finden viele Singvögel Platz, wenn es kalt wird. Gleichzeitig können früh brütende Arten im Schutz des dunkelgrünen Blattwerks ihre Nester bauen - selbst wenn der neue Laubaustrieb noch auf sich warten lässt.

Wer selbst Vogelfutter produzieren will, sollte die Sonnenblume setzen, sagt Lachmann. Allerdings wird man nicht die Menge bekommen, die man benötigt, um ein Futtersilo über die Wintermonate zu füllen. Aber jeder Hobbygärtner kann so zufüttern. Die reifen Blütenstände werden im Herbst zunächst geschützt, trocken und kühl gelagert. Wer mit Körnern und Samen zufüttert, sollte darauf achten, dass das Futter in Silos angeboten wird. Hier können die Tiere nicht im Futter sitzen oder darauf herumlaufen. "So verhindert man, dass das Futter durch Vogelkot verunreinigt wird", sagt Lachmann.

© Mannheimer Morgen, Samstag, 08.12.2012
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