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Wild und lecker

Von Dorothée Waechter

Sanddorn, Mispel und Zierquitte als Alternative im Garten zu Apfel und Birne? Wildobstgehölze werfen nicht nur Essbares ab, sondern sehen oft auch hübsch aus.

Schlehen (Prunus spinosa) sollten frühestens nach dem ersten Frost gepflückt und gegessen werden.

© dpa

Holunder.

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Zierquitte.

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Mispel.

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Vögel sind Feinschmecker. Sie schlagen sich im Herbst den Bauch mit Kornelkirschen, Berberitzen und Holunderbeeren voll. Warum es ihnen nicht nachmachen? Viele Wildobstgehölze können im Garten kultiviert werden, und ihre Früchte sind eine Alternative zu Apfel, Birne oder Traube. Einst wurden sie genascht. Aber: "Im 20. Jahrhundert ist das Wildobst in Vergessenheit geraten", sagt Hans-Joachim Albrecht, Gartenbauingenieur und Ehrenpräsident der Gesellschaft zur Förderung von Wildobst und Sanddorn in Altlandsberg (Brandenburg).

Er definiert Wildobst als jene Gruppe Früchte, die nicht traditionell als Obst gelten wie Apfel, Pflaume und Johannisbeere, aber noch zum Obst hinzugerechnet werden können. "Es sind nicht immer reine Wildarten, sondern auch Auslesen und züchterisch bearbeitete Formen", erläutert Albrecht. Und die Pflanzen sind nicht unbedingt heimische Arten.

Allerdings haben die Gehölze noch ihre ursprüngliche Robustheit gegenüber Krankheiten und Schädlingen. Und sie haben einen großen Zierwert, aromatische Früchte und sind ökologisch wertvoll. "Viele Wildobstarten sind in drei Jahreszeiten ästhetisch reizvoll", erläutert Burkhard Kayser, Wildwuchsberater aus Minden. Im Frühling schmücken sie sich mit attraktiven Blüten, im Sommer tragen sie die intensiv gefärbten Beeren, und im Herbst fallen Arten wie die Felsenbirne durch ihre leuchtende Blattfärbung auf.

Saft aus Berberitzen

Die kräftig roten, länglichen Beeren lassen sich zu Saft verarbeiten. Dazu werden die Früchte in wenig Wasser weichgekocht, erläutert der Verbraucherinformationsdienst aid in Bonn. Dann presst man sie durch ein Tuch aus und erhitzt den mit Zucker oder Honig vermischten Saft, bis dieser sich aufgelöst hat.

Der aid empfiehlt Berberitzen auch gedünstet als Zutat in einem Salat mit Möhren und Mandelblättchen. Im Müsli, Kuchen oder pur seien sie ein guter Vitaminspender.

Ursprünglich wuchsen die Pflanzen am Wald- und Feldrand. "Natürlich kann man Wildobst auch im Garten pflanzen, allerdings muss man berücksichtigen, dass manche Art stark in die Breite wächst", sagt Kayser. Die Schlehe bilde im Laufe der Jahre ein breites Dickicht. "Auch der Sanddorn treibt Ausläufer", ergänzt Albrecht. Er rät, die Sträucher als Hecke zu pflanzen.

Mit viel Vitamin C

Ideal für den kleinen Hausgarten ist die Felsenbirne. Die heimische Art Amelanchier ovalis wird nur zwei Meter hoch. Attraktiv ist die Kornelkirsche, deren gelbe Blüten den kargen Garten im Vorfrühling zieren. Albrecht empfiehlt Sorten, die große Früchte tragen wie "Jolico" und "Schönbrunner Gourmetdirndl". "Letztere schmeckt sogar roh süß und fruchtig", sagt der Experte. Das ist eine Besonderheit, denn viele Wildobstarten müssen wegen ihrer Bitterstoffe vor dem Verzehr verarbeitet werden. Außerdem wirken sie roh adstringierend. Das heißt, die Mundschleimhaut trocknet aus oder der Mund zieht sich zusammen.

Einige Wildobstgehölze benötigen sehr viel Platz. Zu ihnen zählen Speierling, Elsbeere und Maulbeere. Eine Alternative sind Arten mit kletterndem Wuchs für die Wände. "Die Mini-Kiwi bildet deutlich kleinere Früchte, sie haben jedoch einen hohen Vitamin-C-Gehalt", beschreibt Gartenbauingenieur Albrecht die Kletterpflanze.

Die Früchte tragen eine glatte Schale, sie müssen nicht geschält werden. Meist ist der Ertrag hoch, aber er kann eingelagert werden. Dafür schneidet man den fruchttragenden Kurzstiel ab und lagert die Mini-Kiwis in Kisten mit Holzwolle.

Als kleiner Hausbaum ziert die Mispel den Garten. Der strauchartige Baum schmückt sich im Frühsommer mit cremefarbenen Blüten. Bevor der Apfel hierzulande geschätzt war, waren die dunkelbraunen Früchte der Mispel ein wichtiges Herbst- und Winterobst. Sie sollen laut Kayser bis nach dem ersten Frost am Baum bleiben, damit sich die enthaltene Stärke in Zucker umwandelt. "Übrigens kann man auch Zieräpfel zum Teil genießen", sagt der Wildwuchsberater. Essbare Sorten seien "Red Sentinel", "Evereste" und "Golden Hornet".

Auch manche Zierquitte trägt kleine gelbe Früchte, die genießbar sind. "Die Sorte ,Cido' wird wegen ihres hohen Gehalts an Vitamin C besonders geschätzt", sagt Kayser. Diese Eigenschaft hat der Pflanze auch den Namen "Lettische Zitrone" eingebracht. Die Früchte müssen verarbeitet werden und können etwa gut in Kombination mit den Beeren der Edeleberesche zu Marmelade eingekocht werden.

Die Apfelbeere wächst als Strauch. Die schwarzen Beeren haben einen hohen Anteil an antioxidativen Stoffen und erinnern im Geschmack an Blaubeeren. Die Früchte werden getrocknet oder entsaftet, um sie haltbar zu machen. Doch hierbei muss der Gärtner besonders gut auf die Ernte aufpassen, sonst sind die nimmersatten Vögel - ähnlich wie bei Vogelbeeren - schneller.

© Mannheimer Morgen, Samstag, 15.09.2012
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