DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR

Mittwoch, 22.03.2017

Suchformular
 
 

Lieber Leser, bitte aktivieren sie Cookies, um in den vollen Genuss unseres Angebotes zu kommen.

  • Drucken

Zu schade für die Tonne

Melanie Öhlenbach

Man muss nicht im Müll kramen, um manches Alte und Kaputte noch mal zu verwerten. Aber man kann sich durchaus der Umwelt zuliebe das Wegwerfen so mancher Dinge sparen und ihnen ein zweites Leben geben.

Leere Plastikflaschen lassen sich als Stiefelspanner zweckentfremden (li.) oder zu einer Art Anzuchthaus (re.). Gläser mit Schraubverschluss (Mitte r.) werden zum Hingucker im Regal. Die Buchautoren Kai Daniel Du (u.r., vorn) und Benjamin Behnke suchen nach simplen Ideen für Alltagslösungen.

© Michael Ruder/frechverlag/dpa-tmn

Nicht jeder Abfall ist Müll. Altes und Kaputtes lässt sich mit etwas Kreativität einfach wiederverwerten. Und das nicht nur, um Ressourcen zu schonen und Geld zu sparen, sondern einfach auch, weil es Lösungen für Alltagsprobleme bietet. So sorgen etwa alte Plastikflaschen im Hausflur für Platz und Ordnung, wenn ein Stiefelspanner fehlt: Sie werden in die Stiefel gesteckt, die dadurch aufrecht stehen bleiben.

Im Frühjahr können Kunststoff-Flaschen vielseitig im Garten und auf dem Balkon eingesetzt werden: In der Mitte oder der Länge nach durchgeschnitten, ersetzen sie Blumentopf oder Blumenkasten. Halbiert und über Jungpflanzen gestülpt, fungieren sie wie Minigewächshäuser und schützen die Pflanzen vor Schnecken. An heißen Tagen schließlich können sie mit Wasser gefüllt Pflanzen vor dem Austrocknen retten: "Mit einem Stück Stoff versehen oder mit Löchern im Deckel und kopfüber in den Topf gestellt, bekommt man so ein prima Dauerbewässerungssystem", verrät Buchautor Kai Daniel Du. Er sammelt simple Ideen für Alltagslösungen, "Lifehacks" genannt.

Damit bezeichnet man Ideen, mit denen sich effizient kleine und große Alltagshürden lösen lassen. Alte Strumpfhosen eignen sich beispielsweise nicht nur zum Parkettputzen, weil sie Staub anziehen. "Über das Ende des Staubsaugerrohrs gestülpt, kann man damit Stifte, Ketten, Münzen und ähnlich filigrane Gegenstände unter dem Sofa hervorsaugen, ohne dass sie gleich im Staubsaugerbeutel verschwinden", schlägt Lifehacker Du vor.

Gut für den Geldbeutel

Im Grunde erleben unter dem neuen Namen Lifehack derzeit viele gute alte Hausfrauentipps eine Renaissance. "Bevor ich etwas Neues kaufe, überlege ich immer erst: Was habe ich im Haus, mit dem ich das Problem lösen könnte?", sagt Du. Dieses Verhalten schont auf Dauer nicht nur den Geldbeutel. "Je mehr wir kaufen und wegwerfen, desto mehr belasten wir die Umwelt", erklärt Nadine Schubert. Die Buchautorin verzichtet im Alltag ganz bewusst auf Plastik und ist immer auf der Suche nach Lösungen und ressourcenschonenden Ideen.

So lassen sich viele auch leicht beschädigte oder aussortierte Gegenstände und Materialien in einem anderen Kontext wiederverwenden. Altbekannt sind natürlich Tipps wie der, dass ausgediente Unterhemden und T-Shirts aus Baumwolle gute Putzlappen abgeben. Das hat abgesehen vom Umweltgedanken durchaus einen ganz praktischen Nutzen: Baumwolle gilt als sehr saugfähig und ist fusselfrei. Schubert empfiehlt sie daher besonders für das Trockenreiben von Waschbecken, Duschkabine und Badewanne oder als Ersatz für Geschirrtücher. Und auch beim Schuheputzen kann man auf ausgediente Kleidung zurückgreifen: "Alte Sweatshirts und Wollpullover sind gut zum Polieren von Schuhen geeignet", sagt Liane Reichhart, stellvertretende Vorsitzende des Landesverbands Hessen des DHB-Netzwerk Haushalt.

Wer liebgewonnene Textilien nicht zum Saubermachen verwenden möchte, sollte sich mit dem Upcycling vertraut machen. Damit ist gemeint, dass man sich Abfallprodukten, Produktionsresten oder etwa Sperrmüll bedient und etwas hochwertiges Neues aus dem vermeintlichen Ballast herstellt. Möbeldesigner fertigen zum Beispiel aus Bauschutt Tische. Eine Idee: Aus den alten Klamotten kann man Decken, Topflappen oder Laptop- und Tablethüllen im Patchwork-Stil nähen. Und alte Bettbezüge aus Leinen verleihen als Tischdecken Festtagstafeln ein besonderes Flair. Anderes Beispiel: Aus Weinkorken lassen sich Pinnwände und Untersetzer gestalten: "Die Korken in gleichdicke Scheiben schneiden und auf Pappe kleben", erläutert Reichhart.

Zeitschriften in Weinkisten

Auch für Möbel eignet sich Ausrangiertes. Schubert bewahrt Zeitschriften in alten Weinkisten auf, eine Leiter hat sie zum Regal gemacht, ein altes Brett aus der Werkstatt ihres Vaters als Ablage an der Wand montiert - den derzeit so angesagten Vintage-Stil gibt's zum Nulltarif dazu. "Das Material hat so viel Charme, dass ich es gar nicht mehr bearbeiten musste", sagt sie.

Manchmal kommt es auch einfach darauf an, die Reste richtig zu verpacken, damit sie eben nicht nach Müll, sondern nach einen kreativen Alltagshelfer aussehen: Werden Milch- und Safttüten etwa mit Baumrinde beklebt, werden daraus rustikale Blumentöpfe, erklärt Reichhart. Aber auch andere Behälter lassen sich daraus fertigen, um Schlüssel, Stifte und Krimskrams darin aufzubewahren - "ein idealer Bastelspaß für die ganze Familie", findet Reichhart. Gläser mit Schraubverschluss für das Aufbewahren von Speiseresten, Vorräten und sonstigen Alltagskram werden zum Hingucker im Regal, wird am oberen Brett eine Magnetleiste befestigt. Daran bleiben die metallischen Deckel hängen - und die Gläser schweben quasi.

Manches lässt sich aber auch zweckentfremden. Ein simples Beispiel ist die Foldback-Klammer. Sie ist eigentlich nur dafür gedacht, Papierstapel zusammenzuhalten, ohne sie zu beschädigen. Doch sie hält auch Stifte, verschließt Mehl- und Zuckertüten oder hilft, Kopfhörer ohne Knoten aufzubewahren. Buchautor Du ist ein Fan der unscheinbaren Vielzweckklammer. Er fand in der Foldback-Klammer eine Lösung für das Fixieren der USB-Kabel am Schreibtisch: Klammer an die Tischkante klemmen und USB-Kabel durch die beiden Griffe fädeln, Stick verkanten, fertig.

© Mannheimer Morgen, Samstag, 11.03.2017
  • Drucken
 

Kontakt zur Redaktion Vermischtes

Telefon 0621/392-1313
Fax 0621/392-1373

Schreiben Sie uns eine E-Mail!

Artikel

Hochstapler-Delikatesse

Wer heutzutage mit seinem Foodtruck (eine Art Restaurant auf Rädern) in die Gewinnzone fahren will, muss originell sein. Das hat auch der Koch Philipp Rees (35) gemerkt, als er der badischen Küche entflohen ist und sich Gedanken darüber gemacht hat, wie er seinen Foodtruck "Frachtgut Brooklyn… [mehr]

 

DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR