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Reiserecht: Die Grundsätze einer Pauschalreise gelten auch für Kreuzfahrten

Eine Kreuzfahrt mit Mängeln

Archiv-Artikel vom Samstag, den 24.03.2012

Urlaub auf dem Kreuzfahrtschiff ist als Pauschalreise zu betrachten - auch im juristischen Sinne.

© dpa

Trotz des Schiffunglücks der "Costa Concordia" im Januar wird der Markt für Kreuzfahrten nach einer gewissen Zeit der Stagnation weiter wachsen. Allein 2010 haben über 1,2 Millionen deutsche Urlauber eine Hochseekreuzfahrt und mehr als 430 000 Reisende eine Flusskreuzfahrt unternommen. Für die Schiffstouristen ist es daher wichtig, die reiserechtlichen Probleme und typischen Fälle für eine Reklamation zu kennen. Dabei ist eingangs die Beantwortung der Frage von Bedeutung, ob eine Kreuzfahrt eine Pauschalreise darstellt.

Sie ist zu bejahen, da diese Form des Urlaubs zumindest aus der Beförderung per Schiff und einem Aufenthaltsprogramm an Bord besteht. Letzteres untergliedert sich in Verpflegung und Unterhaltung. Damit sind die Regelungen des Pauschalreiserechts im Bürgerlichen Gesetzbuch (§§ 651a ff BGB) anwendbar. Auch wenn ein Urlauber eine längere Tour mit einem Frachtschiff gebucht hat, ist von einer Pauschalreise auszugehen.

Dagegen ist eine Überfahrt mit einem Fährschiff trotz Mitnahme des Fahrzeugs und Buchung einer Kabine keine Pauschalreise. Anderes kann gelten, wenn eine Fährfahrt als "Minikreuzfahrt" gegebenenfalls mit Zusatzprogramm an Bord und Stadtrundfahrt beworben wird. Im Falle eines Bootscharters kommt Mietvertragsrecht zur Anwendung. Wird dagegen ein kompletter Törn mit gebuchten Liegeplätzen und Skipper (Besatzung) zusammengestellt, kommt das Reisevertragsrecht zur Anwendung.

Der Urlauber muss unverzüglich möglichst eine schriftliche Mängelanzeige bei der Reiseleitung anbringen. Ist diese nicht vorhanden, ist der Reisveranstalter oder die von ihm benannte Empfangsperson Adressat.

Fehler sind objektiv und ohne persönliche Wertung darzustellen.

Da der Urlauber für behauptete Reisemängel beweispflichtig ist, sollte er Beweise sammeln, z. B. Aussagen von Mitreisenden, Fotos, Videoaufnahmen, Mängelprotokoll

Gewährleistungsansprüche müssen innerhalb einer Ausschlussfrist von einem Monat nach Reiseende beim Veranstalter geltend gemacht werden.

Für eine solche Reisemängelrüge reicht es aus, wenn der Reisende erklärt, den Vorfall nicht auf sich beruhen lassen zu wollen, und dabei die Mängel nach Ort, Zeit, Geschehensablauf und Schadensfolgen so konkret beschreibt, dass der Reiseveranstalter die zur Aufklärung des Sachverhalts gebotenen Maßnahmen zur Wahrung seiner Interessen ergreifen kann.

Zweck der Ausschlussfrist ist es ebenfalls, dass der Reiseveranstalter zeitnah in die Lage versetzt wird, etwaige Regressansprüche gegen seine Leistungsträger geltend zu machen und seinen Versicherer zu informieren.

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Die Grundsätze einer normalen Pauschalreise gelten auch für die Buchung von Kreuzfahrten. So sind nachträgliche Preiserhöhungen im Rahmen der gesetzlichen Regelung möglich. Voraussetzung: Der Veranstalter muss sie sich in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen vorbehalten haben. Des Weiteren muss eine für den Kunden nachvollziehbare Berechnung erstellt werden. Allgemeine Hinweise auf gestiegene Ölpreise rechtfertigen keine nachträgliche Erhöhung des Preises.

Die Buchung und Bestätigung eines bestimmten Kreuzfahrtschiffes stellt eine zugesicherte Eigenschaft dar. Erfüllt der Veranstalter sie nicht, können für den Urlauber Gewährleistungsansprüche entstehen (zum Beispiel Preisminderung, Kündigung wegen eines erheblichen Mangels oder auch Schadensersatzansprüche). Auf eine unterschiedliche Ausstattung der Schiffe kommt es nicht an, denn es liegt eine mangelhafte Abweichung von der vereinbarten Reiseleistung vor. Dies betrifft in erster Linie die klassische Hochseekreuzfahrt. Falls das Schiff als solches nur eine untergeordnete Rolle spielt, etwa bei einer Flusskreuzfahrt auf dem Nil, bei der die Sehenswürdigkeiten am Fluss entlang im Vordergrund stehen, kann eine andere rechtliche Bewertung angebracht sein. Bei einem einvernehmlichen Schiffswechsel besteht für den Urlauber kein Minderungsrecht im Hinblick auf den Tausch.

Dagegen kann eine Kündigung in Betracht kommen, wenn das Ersatzschiff nicht die gebuchten Ausstattungsmerkmale erfüllt oder die Zielgruppe der Passagiere sich anders darstellt. So war nach einer Gerichtsentscheidung eine Minderung des Reisepreises um 100 Prozent gerechtfertigt, als eine "Piratenkreuzfahrt" für Jugendliche bis 25 Jahre gebucht und bestätigt war, später auf einem Ersatzschiff mit Reisenden im Alter von über 75 Jahren stattfinden sollte. Damit war dem Reisekunden eine Kündigung des Reisevertrags wegen eines erheblichen Reisemangels möglich. Weiterer Beitrag folgt. Ka

© Mannheimer Morgen, Samstag, 24.03.2012
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