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Weihnachten

Von Ingeborg Schiele

Schiele.eps

Schiele.eps

In meinen Kindertagen haben sich alle Kinder unbändig auf Weihnachten gefreut.

Nicht einmal Bombennächte im Luftschutzkeller, schlechte Noten in der Schule oder die Mühe, die Weihnachtsgeschichte für die Bescherung auswendig zu lernen, konnten diese Freude trüben.

Dabei konnten wir keine großen Geschenke erwarten, die Gabentische waren bescheiden, und schon Kleinigkeiten ließen Kinderaugen glücklich strahlen. Auch das Weihnachtsessen fiel nicht all zu üppig aus, selbst wenn die Mütter schon wochenlang Lebensmittelmarken gehortet hatten, um etwas Besonderes auf den Tisch stellen zu können.

Und es erscheint fast unglaublich, dass es auch vielen Erwachsenen gelang, an Heiligabend wenigstens für einige Stunden ihre Ängste und Nöte zu verdrängen und die Weihnachtsfreude in ihr Herz zu lassen.

Hinter verdunkelten Fenstern sangen sie die altvertrauten Weihnachtslieder. Wie konnte es nur geschehen, dass im herbeigesehnten und nun schon Jahrzehnte währenden Frieden die Weihnachtsfreude bei vielen dem Stress und der Kommerzialisierung des Festes gewichen ist?

Auf der Suche nach innerem Frieden, dem Sinn des Lebens, erhoffen sich immer mehr Menschen Hilfe von dubiosen Gurus und Heilern. Ist das klüger und rationaler als die Weihnachtsfreude ins Herz zu lassen, und dem zu glauben und zu vertrauen, der an Weihnachten als Heiland in die Welt gekommen ist? "Fürchtet Euch nicht, freuet Euch!" Diese Botschaft der Engel ist so heilsam und ermutigend wie vor 2000 Jahren.

© Mannheimer Morgen, Samstag, 22.12.2012
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