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Sparen: Fristlose Kündigung aus wichtigem Grund jederzeit möglich / Vorsicht vor automatischer Vertragsverlängerung

Festgeld gar nicht so fest

Von unserem Mitarbeiter Andreas Kunze

Festgeld bietet im Vergleich zu Tagesgeld oft höhere Zinsen. Die Laufzeiten von mehreren Monaten bis hin zu einigen Jahren schrecken manchen Sparer jedoch ab.

Festgeld bietet im Vergleich zu Tagesgeld oft höhere Zinsen. Die Laufzeiten von mehreren Monaten bis hin zu einigen Jahren schrecken manchen Sparer jedoch ab.

© dpa

Düsseldorf. Tagesgeldangebote bieten momentan akzeptable Möglichkeiten, sein Geld sicher und einigermaßen gewinnbringend anzulegen. Einige Banken bieten Konditionen, die einen Inflationsausgleich gewähren und dazu noch einen kleinen Zinszuschlag bieten. Die Alternative, Sicherheit mit einem sogar noch etwas höheren Ertrag zu kombinieren, stellt die Festgeld-Anlage dar. Allerdings scheuen einige Sparer davor zurück, weil sie sich gerade nicht fest binden wollen. Was vielen Anlegern unbekannt ist: In Notfällen muss selbst Festgeld jederzeit zurückgezahlt werden.

Banken, Sparkassen und Volksbanken bieten Festgeld-Anlagen meist mit Laufzeiten von drei, sechs, neun und zwölf Monaten an. In der Regel wird ein Mindestanlagebetrag gefordert. Die eine Bank begnügt sich mit 500 Euro, die andere will mindestens 2000 Euro sehen. Einige wenige Anbieter fordern sogar 5000 Euro Mindestbetrag für die Eröffnung eines Festgeld-Kontos (auch "Termingeld" genannt).

Für den vereinbarten Anlagezeitraum hat der Sparer den Zinssatz sicher - darin liegt sein großer Vorteil. Die Bank wiederum kann in der Zeit mit dem Geld arbeiten. Verfügungen, etwa eine teilweise Auszahlung, sind anders als bei einem Tagesgeldkonto nicht möglich. Genau das lässt jene Sparer zögern, die gerne für alle Unwägbarkeiten des Lebens gewappnet sein sollen. Möglicherweise kommt eine dicke Steuer-Nachzahlung, der Job wird gekündigt oder aber es findet sich die Traum-Immobilie, für die das Geld dringend benötigt wird.

Für Sparer ist es deshalb gut zu wissen, dass er das Festgeldkonto als ein sogenanntes Dauerschuldverhältnis bei einem "wichtigen Grund" fristlos kündigen kann. Das ist ein gesetzlicher Anspruch (Paragraf 314 Bürgerliches Gesetzbuch), den die Bank oder Sparkasse nicht im Kleingedruckten ausschließen darf. Aber ist ein wichtiger Grund?

Der Gesetzgeber hat das wie folgt geregelt: Er liegt vor, "wenn dem kündigenden Teil unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalls und unter Abwägung der beiderseitigen Interessen die Fortsetzung des Vertragsverhältnisses bis zur vereinbarten Beendigung oder bis zum Ablauf einer Kündigungsfrist nicht zugemutet werden kann". Viele Institute haben diese Formulierung weitgehend wörtlich in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) übernommen.

Den Tod des Kontoinhabers sehen Bankjuristen ganz klar als einen "wichtigen Grund". Erben könnten somit das Festgeld vorzeitig beenden. Ebenso wäre nach überwiegender Ansicht eine drohende Insolvenz eines Institutes zu sehen. Ob Arbeitslosigkeit oder eine hohe Steuernachzahlung als "wichtiger Grund" zu werten sind, darüber lässt sich streiten. "Sofern jemand als Hartz-IV-Antragsteller von der Arbeitsagentur zur Vermögensverwertung gezwungen wird, dürfte dies zu bejahen sein", sagt der Düsseldorfer Rechtsanwalt Udo Vetter.

Bei den Banken heißt es, sie prüften jeweils im Einzelfall, was sie als wichtigen Grund anerkennen könnten. Zudem gibt es einigen Spielraum, wie mit dem Zinsanspruch des Kunden bei vorzeitiger Kündigung verfahren werden. Von vollständigem Verlust bis anteiliger Gutschrift ist alles möglich.

Wer ohne besonderen Anlass sein Geld nach dem vereinbarten Anlagezeitraum wiederhaben will, muss unter Umständen rechtzeitig aktiv werden und einer Verlängerung widersprechen. Der Grund: Einige Institute haben Verlängerungsklauseln in ihren AGB. Dort heißt es, der Kunde erhalte zum Beispiel zwei Wochen vor Ablauf des Festgeldes ein neues Angebot. Reagiere er darauf nicht, werde das Geld mit gleicher Dauer wieder neu angelegt. Bei solchen Klauseln muss der Festgeldkunde also deutlich sagen, dass er eine Auszahlung wünscht. Ftx

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 31.01.2012
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