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Im Sommer 1909 veranstaltete der an der Nette-Schule im sauerländischen Altena tätige Lehrer Richard Schirrmann eine achttägige Wanderfahrt von Altena nach Aachen. In der ersten Nacht war die Gruppe in einer Scheune untergekommen, wo ein freundlicher Bauer sie mit Decken versorgt und Pflaumen und frische Milch gespendet hatte.
In der zweiten Nacht erreichten sie das Bröltal, wo sich gerade ein Gewitter zusammenbraute. Ein Bauer, den sie um Erlaubnis gebeten hatten, in seiner Scheune schlafen zu dürfen, war wenig entgegenkommend, gab ihnen aber schließlich ein bisschen Stroh, das sie zur leerstehenden Dorfschule mitnahmen, wo sie mit Erlaubnis der Lehrersfrau die Nacht verbrachten und Lehrer Schirrmann sozusagen die Jugendherbergen "erfand":
"Das Unwetter tobte während der ganzen Nacht mit Blitz und Donnerschlag, mit Sturm und Wolkenbruch und Hagelprasseln, als wenn die Welt untergehen sollte. Während die wandermüden Jungen fest schliefen, lag ich hellwach. Plötzlich überfiel mich der Gedanke: Jedem wanderwichtigen Ort in Tagesmarschabständen gleich Schule und Turnhalle auch eine gastliche Jugendherberge zur Einkehr für die wanderfrohe Jugend Deutschlands ohne Unterschied." Jener 26. August 1909 also war der eigentliche Geburtstag der deutschen Jugendherbergsbewegung - und der Jugendherbergsbewegung in aller Welt.
Im Verbreitungsgebiet des Bergsträßer Anzeigeblatts dieser Zeit dauerte es nur wenige Jahre, da schloss man sich in Zwingenberg der Jugendherbergsbewegung zunächst mit der Gründung eines Ortsvereins des Jugendherbergsverbands (1927) und dann mit der Errichtung eines Gebäudes auf dem mittelalterlichen Speicherkeller über der Stadt an: Im September 1928 wurde der Grundstein gelegt, die Einweihung erfolgte im April 1930. Zu Ehren des ersten Staatspräsidenten des Freistaates Hessen, Carl-Ulrich, erhielt die Jugendherberge seinen Namen.
Das Bergsträßer Anzeigeblatt berichtete in seiner Ausgabe vom 24. September 1928: "Die Bergstraße war am Samstag und Sonntag das Ziel der Jugend, galt es doch den Grundstein für eine neue Jugendherberge zu legen und zwei neue Jugendherbergen im Fürstenlager zu weihen." Während im ältesten Bergstraßenstädtchen nämlich ein Neubau errichtet und anlässlich der Grundsteinlegung sogar ein Feuerwerk gezündet wurde, widmete man im Auerbacher Fürstenlager zwei vorhandene Gebäude dem Jugendherbergszweck: Das "Hexehaisle" und die "Brunnennixe". Ähnliche Domizile für die "wandernde Jugend" gab es in dieser Zeit auch an anderen Orten in der Region.
1935 erfolgte ein kleiner Umbau der Zwingenberger Jugendherberge, die während des Zweiten Weltkriegs als Schule benutzt und dann mit Besatzungssoldaten belegt wurde. Seit 1952 dient sie bis heute wieder ihrem eigentlichen Zweck - allerdings modernisiert und erweitert.
Im heutigen Verbreitungsgebiet des BA gibt es eine weitere Jugendherberge, nämlich auf der Starkenburg in Heppenheim. Im Fürstenlager gibt es keine Jugendherbergsgebäude mehr.
Bergsträßer Anzeiger
16. Februar 2007
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