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Auch nach fast 30 Jahren ist nicht ganz nachvollziehbar, warum das Endspiel um die Deutsche Handball-Meisterschaft der Frauen am 3. April 1977 zwischen der TSV Auerbach und dem TSV GutsMuths Berlin in der Bundeshauptstadt und nicht in einer neutralen Stadt ausgetragen wurde. Die damals vom Trainer der ersten TSV-Männer-Mannschaft, Seppl Brendle, betreuten Rot-Weißen hatten im Halbfinale sensationell Bayer Leverkusen ausgeschaltet.
Beim 7:12 im Finale l gegen den TSV GutsMuths waren die Auerbacher Handballerinnen jedoch chancenlos. Angesichts der 2000 Zuschauern - Hunderte fanden keinen Einlass mehr - standen auch die 70 Bensheimer Schlachtenbummler auf verlorenem Posten. Dass dies auch auf die TSV Auerbach zutreffen würde, unterstrich der schon aussichtslose Rückstand von 1:7. Die Berlinerinnen wirkten an diesem Tag cleverer, die "Gäste" legten ihre Zurückhaltung erst gegen Spielende ab. Die Nationalspielerinnen Erika Walthes und Ellen Krebs mussten sich mit einem bzw. zwei Toren begnügen. Auch die Kampfkraft und Wurfgewalt der einmal erfolgreichen Doris Pätzel reicht an diesem Tag nicht.
Am 4. April stachen die Überschriften "Die Handball-Mädchen wie Sieger gefeiert - Jubel bei der Ankunft in Bensheim" und "Handball-Wunder fand nicht statt" im Lokal- bzw. Sportteil des Bergsträßer Anzeiger hervor. "Nach der Rückkehr auf dem Frankfurter Flughafen wurde der TSV-Equipe gegen 18 Uhr ein würdiger Empfang im Verlagsgebäude des Bergsträßer Anzeiger bereitet. Schon gegen 14 Uhr hatte die Heimatzeitung Extrablätter vom DM-Finale in Berlin drucken und vorwiegend auf den Sportplätzen verteilen lassen. Im Tross von Iris Blab, Ingrid Habermehl, Ellen Krebs, Karin Euler, Erika Walthes, Renate Schaffranek, Doris Pätzel, Petra Panne, Elfriede Bayer, Christel Kahle, Edda Weigold und Ute Heldmann waren auch TSV-Vorsitzender Manfred Kassahn und Handball-Abteilungsleiter Reinhardt Bender. Mit Böllerschüssen war die TSV Auerbach auf dem BA-Betriebshof von Fans begrüßt worden", stand tags darauf in der Heimatzeitung geschrieben.
Nachdem die Auerbacher Spielerinnen Erinnerungsplaketten und Mannschaftsfotos erhalten hatten, bahnte sich ein Autokorso mit lautem Hupen und Sirenengeheul durch Bensheim und Auerbach. Die Sekt trinkenden TSV-Damen wurden überall beklatscht. Rund 300 Anhänger warteten im Vereinslokal Zur grünen Au - darunter auch die Spielerinnen der weiblichen A-Jugend, die am Morgen Südwestdeutscher Meister geworden waren. Das Festessen hatten sich die "TSV-Mädchen" redlich verdient.
Am 8. Mai 1977 ging auch das DHB-Pokal-Finale in Vellmar mit 10:18 gegen Eintracht Minden verloren. Die damaligen TSV-Spielerinnen trafen sich übrigens am 6. April 2002 zur 25. Wiederkehr ihrer Deutschen Vizemeisterschaft im Bürgerraum der Weststadthalle. rs
Bergsträßer Anzeiger
20. Februar 2007
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