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"Kein Fest der Ausgelassenheit und des Übermutes" sollte das erste Bergsträßer Winzerfest vom 19. bis zum 22. Oktober 1929 werden. Vielmehr - so Joseph Stoll, Vorsitzender des Verkehrsvereins Bensheim - sollte das Fest den wirtschaftlichen Aufschwung wie in anderen Kommunen voranbringen. Als "sichtbares Zeichen der in die Tat umgesetzten Volksgemeinschaft", ein Begriff, der wenige Jahre später bei den Nazis - auch mit Propagandaleiter Joseph Stoll in Bensheim - eine unrühmliche Rolle spielen sollte.
Wenige Tage vor dem "schwarzen Freitag" an der Börse in New York feierte die Bergstraße mit fröhlichem Treiben im Winzerdorf, in den Weinschänken und im Vergnügungspark. Gewerbevereine und Innungen tagten. Sonntags gab es den ersten Winzer- und Werbeumzug, abends Feuerwerk am Kirchberg. Konzerte, Tanz und Sportveranstaltungen rundeten das viertägige Programm ab. Die Überschriften im BA spiegelten die Stimmung wider: "Großer Erfolg heimischer Verkehrswerbung", "Massenbesuche aus Nah und Fern", "Überfüllung überall!", "Großstadt Bensheim", "Das grandiose Feuerwerk", "Frohsinn und Freude die Parole". Auch wurde der Ruf nach "Verlängerung" laut, weil viele Besucher wegen des Andrangs keine Gelegenheit hatten, einen einzigen Tropfen Weins zu kosten. Buchtenmieter, Wirte, Bäcker, Metzger und andere Geschäftsleute hatten Grund zur guten Miene.
Der "gesunde und erhabene Gedanke dieses Festes" sollte "im gewissen Sinn das Samenkorn sein, das dem Boden der Zukunft anvertraut werde!" hieß es zum Abschluss. Und natürlich richtete sich der Blick auf eine Fortsetzung im folgenden Jahr. lo.
Bergsträßer Anzeiger
22. Februar 2007
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