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Über 2000 Kurgäste im Jahr

Vom Aufblühen des Fremdenverkehrs in Lindenfels

Die Geschichte zur Entwicklung von Lindenfels zum Luftkurort lässt sich zurück verfolgen bis in die 30er Jahre des 19.Jahrhunderts. Die Burg auf kleiner Anhöhe und die topografische Lage des Ortes begeisterten die ersten Besucher.

In einem Buch über das Großherzogtum Hessen aus dem Jahre 1849 heißt es in dem Abschnitt "Das Weschnitzthal": "Im Sommer ist die Gegend sehr schön, überall üppige Wiesen, wallende Saatfelder und bewaldete Höhen. Höchst malerisch, dabei hoch liegt Lindenfels, Stadt mit 950 Bewohnern. Wegen seiner herrlichen Umgebung (man hat es ,Die Perle der An- und Aussichten des Odenwaldes' genannt) wird dieses Städtchen häufig besucht".

Besonders wichtig war die Verkehrserschließung zur Bergstraße hin durch die 1840 vollendete Staatsstraße, die heutige Nibelungenstraße. Ein steter Förderer des Fremdenverkehrs war der am 16. März 1826 in Lindenfels geborene Wilhelm Baur, der als Berliner Hof- und Domprediger immer wieder nach Lindenfels zurückkam und dabei wesentliche Grundlagen für den Fremdenverkehr legte. Bereits in seiner Jugend- und Studentenzeit organisierte er Reisen und Wanderungen in den Odenwald und nach Lindenfels. Auch die Gründung des Verschönerungsvereins am 8. November 1879 geht auf Wilhelm Baur zurück.

In der Mitte des 19.Jahrhunderts entstanden die ersten Herberge und Gasthöfe. Die Gäste, durchweg mit Dienerschaft, aus Frankfurt, Heidelberg, Darmstadt und Koblenz fanden Unterkunft in den Gasthäusern Zur Harfe, Hessisches Haus und Burg Lindenfels sowie in Privathäusern. Einer Fremdenliste aus dem Jahre 1885 kann man entnehmen, dass die Gäste in vier Gasthäusern und 24 Pensionen sowie in Privathäusern untergebracht waren.

In der Zeit von 1880 bis etwa 1905 verzeichnete Lindenfels eine rege Bautätigkeit. Viele Gaststätten, Pensionen und Hotels entstanden, sowie zahlreiche Villenbauten von Sommergästen. Dazu zählten die Villa des Justizrates Schenck, eine zweite Villa Schenck am Schenkenberg, die Villa Jacobi am Schlosswaldweg, die Villa Viol am Schenkenberg und die Villa Luthmer am Schlosswaldweg.

In der Entwicklungsphase des Lindenfelser Fremdenverkehrs spielte die "Kur- und Wasserheilanstalt" des Sanitätsrates Dr. Nikolaus Schmitt eine besondere Rolle. In wenigen Jahren baute er eine vorzügliche Kureinrichtung mit über 120 Betten auf. Dazu zählten die Villa Maria, das weiträumige Gartenhaus, das Kurhaus und die gärtnerischen Außenanlagen mit den Liege- und Ruhehallen.

Im Jahre 1906 standen bereits über 400 Betten in 15 Hotels, Gasthäusern und Pensionen einschließlich des Sanatoriums Dr. Schmitt bereit. In diesem Jahr zählte man über 2000 Kurgäste. Doch auch später war Lindenfels als Ausflugsziel beliebt. Zu Pfingsten 1936 - der Kurgarten war gerade im Bau - hieß es: "Schon in den Nachmittagsstunden des Samstags setzte reger Fremdenverkehr ein, der sich über die beiden Feiertage erheblich steigerte. li

  • 1849: In Deutschland und Österreich gehen die Revolutionen zu Ende; Preußen und Dänemark schließen Frieden.
  • 1885: Kunstseide kommt auf den Markt; Gottlieb Daimler baut ein Motorrad; Kongo-Konferenz in Berlin.

Bergsträßer Anzeiger
27. Februar 2007

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