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Bergstraße. Das Bergsträßer Jazz-Festival hat seine Feuertaufe mit Bravour bestanden. Die Premiere im Bensheimer Varieté Pegasus am Samstagabend mit den Lokalmatadoren, den Original Blütenweg-Jazzern, war ausverkauft: das Haus rappelvoll, die Stimmung prächtig, die Band in Bestform.
Die Fans saßen auf eigenen Wunsch auf Tuchfühlung, Schulter an Schulter. Die von den Veranstaltern so vorgesehenen "lockere Bestuhlung" mit zusätzlichen Stehtischen stieß beim Publikum auf Widerstand: Es wollte sitzen. Drinnen ist halt anders als draußen. Und weil der Gast König ist, reagierte das Pegasus-Team prompt und schleppte Stühle bei. Dann war alles in Butter.
Damit waren die anfänglichen Irritationen aber auch schon vorbei: Die Lokomotive Jazz zog - und wie. Mit Volldampf und mit nur einer kleinen Verschnaufpause in der Halbzeit rollte der New Orleans-Zug von einer Haltestation zur nächsten. Zielbahnhof waren Dixieland und New-Orleans-Jazz.
Los ging es gleich nach der Abfahrt mit Blues, Spirituals und Gospels. Professor Dr. Bruno Weis, zuständig fürs Banjo und Waschbrett, moderierte den Festival-Start in gewohnt souveräner Manier, gespickt mit Geschichten, Geschichte und Jahreszahlen. Ab und an ein verblüffender Zaubertrick brachte die Festival-Gäste ins Grübeln.
Egal, was die Blütenweg-Jazzer auch spielten, ihr Sound war gewohnt unverwechselbar und wohl temperiert, mit dem gewissen Schuss Lebens- und Spielfreude, den man von den Musikern kennt und so sehr an ihnen mag.
Fremdeln war jedenfalls nicht angesagt: Man mochte sich, und die meisten kannten sich auch. Beim Jambalaya sprang der Funke ebenso blitzschnell von der Bühne in den Saal über wie beim St. Louis Blues, dem Muskrat Ramble oder dem Wabash Blues.
Die Original-Crew mit einigen Gästen und Newcomern zeigte Improvisationstalent und bewies Authentizität. Immerhin zählt die Band mittlerweile 28 Lenze - was weder ihr noch den Mitgliedern anzumerken ist. Das Repertoire sitzt, die Lust am Ausprobieren und Herumalbern ist noch immer da. Das Publikum, darunter viele treue Fans, ging zweieinhalb Stunden lang mit.
Wolfgang Völker überraschte auf der ersten Fahrtstrecke des New Orleans-Expresses als rabenschwarzer "Black Man" und mit Soloeinlagen als Trompeter und Sänger. Auch Günter Mackowiak am Klavier und mit Akkordeon, Klarinettist Markus Jörg, Hans-Dieter Vötter am Schlagzeug und Frank Ebert am Sousaphon heimsten Szenenbeifall ein. Dr. Bruno Weis zeigte sich angesichts niegelnagelneuer Waschbrett-Handschuhe besonders motiviert und fingerfertig. Peter Glenewinkel an der Posaune, Günther Flassak am Bass und Dr. Rainer Dorstewitz am Banjo machten das ganze rund. (gs)
Bergsträßer Anzeiger
25. Februar 2008
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