» Startseite > Region > Bergsträßer Anzeiger > Bergsträßer Jazz-Festival > Artikelseite
Lorsch. Ein knackiges Konzert vor historischer Kulisse erlebte das Publikum im Rahmen des Bergsträßer Jazz-Festivals. Auf dem Lorscher Benediktinerplatz sorgte die Rüsselsheimer "IKS Big Band" drei Stunden lang für klassischen Swing und coole Standards.
Die Vielseitigkeit der über 20-köpfigen Gruppe und die wechselnden Besetzungen teilten das Programm in verschiedene Mini-Konzerte von hohem Unterhaltungswert. Bandleader Horst Aussenhof und sein ebenso grundsolider wie virtuoser Klangkörper verwöhnten die Zuhörer mit bekannten Stücken im elegant-fetten Big Band Sound der goldenen Ära.
Bei kuscheligen Temperaturen wurden dem Publikum ein paar erfrischende Brisen cooler Jazz um die Ohren geblasen.Doch nicht nur die personalstarke Horn-Section der IKS Band leistete ganze Arbeit.
Bei Stücken wie "Take the A Train" und dem famosen "Shiny Stockings" zeigten die Musiker, dass gute Jazz Bands auch an einer schulischen Arbeitsgemeinschaft heraus geboren werden können.
1986 hat der Physik- und Mathelehrer Aussenhof die Karriere der Combo an der Immanuel-Kant-Schule (IKS) begründet, die sich längst einen guten Ruf weit über die hessische Jazzszene hinaus erspielt hat. Bei Orchesterwettbewerben schneidet die Band ebenso gut ab wie bei ihren vielen Auftritten im In- und Ausland.
Kein Wunder, denn inzwischen haben sich viele der bei IKS aufgewachsenen jungen Talente als Berufsmusiker einen Namen gemacht. Ein Höhepunkt war vor acht Jahren der Sieg beim 5. Deutschen Orchesterwettbewerb in Karlsruhe.
Die Kennzeichen der Big Band waren auch in Lorsch unüberhörbar: Ein kompakter, satter Sound, gepaart mit einer chronischen Spiel- und Experimentierfreude.
Regelmäßig brüten die Musiker neue stilistisch und thematisch gewichtete Programme aus, was das Repertoire zu einem Fundus der Jazz-Geschichte hat anschwellen lassen.
Zu den feinen Kostproben, die dem Publikum beim Bergsträßer Festival gratis serviert wurden, gehörten legendäre Nummern von Count Basie, Benny Goodman oder Duke Ellington. Klassische Stücke und modern arrangierte Kompositionen reihen sich zu einer kurzweiligen und facettenreichen musikalischen Reise von 1935 bis heute aneinander, die gestern ausgiebig genossen und begeistert beklatscht wurde.
Während des in drei Sets gespielten Konzerts hatte die Band einige Überraschungen parat.
Vor allem Sängerin Kristina Blaha krönte den Auftritt mit ihrer intensiven und dynamischen Stimme, die bisweilen an ihr großes Vorbild Ella Fitzgerald erinnert. Mit Standards wie "Angel Eyes" und "How high the moon" hat die Flörsheimer Jazz- und Musicalsängerin die Ohren des Publikums erobert.
Neben dem Turbo-Gebläse der IKS Big Band mit einer zugstarken Sektion aus Saxophonen, Posaunen und Trompeten überzeugt auch die Rhythmustruppe, die vor allem Latin-Stücke wie "Coconut Champagne" richtig in Fahrt bringt.
Nicht minder hörenswert ist das aus der Formation ausgekoppelte Gesangsquartett aus je zwei Damen und Herren, die mit einer gehörigen Portion Verve und anspruchsvollem Chorgesang beeindruckt haben - eine Musik, die ideal zum blauen Himmel über dem Benediktinerplatz gepasst hat: Leichtfüßiger Swing und sommerliche Stimmung bildeten in Lorsch eine unschlagbare Kombination, der sich kein Zuhörer entziehen konnte.
Wer nicht gezielt zur Lorscher Open-air-Bühne gepilgert, geradelt oder gelaufen ist, der musste vor dem Sound der Gruppe kapitulieren und sich schnell ein gemütliches Plätzchen suchen. Das Ambiente im Stadtzentrum bot viel Raum für drei gemütliche Stunden mit feinster musikalischer Unterhaltung, die einmal nicht aus der Bergsträßer Nachbarschaft kam. Der künstlerische Leiter des Jazz Festivals, Dr. Bruno Weis, kennt die Big Band von einigen gemeinsamen Auftritten mit seinen Original Blütenweg Jazzern.
Die Verpflichtung für Lorsch war ebenso konsequent wie goldrichtig in Sachen Publikumsgeschmack: Die Gäste waren vom zackigen Big-Band-Sound begeistert. Wer einmal saß, der stand erst nach drei Stunden wieder auf.
Es sei denn zum taktvollen Mitswingen, zu dem die Musik der Rüsselsheimer Combo pausenlos animiert hat. Kräftiger Applaus vom Lorscher Publikum und viel Lob von weit gereisten Jazzfans.
Unterstützt wird die Reihe vom Bergsträßer Anzeiger, der Stadt Bensheim, GGEW und der Sparkasse Bensheim. (tr)
Bergsträßer Anzeiger
26. Mai 2008
Adresse der Seite: http://www.morgenweb.de/region/bergstraesser_anzeiger/jazz/20080526_iks_lorsch.html