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Zum Abschluss des Bergsträßer Jazz-Festivals 2008 gastierten am zweiten Weihnachtsfeiertag die Sängerin Jo Ann Pickens (Bild) und "Gospel Jamboree" im Bensheimer Parktheater. (Bild: Neu)
Jo Ann Pickens ist gebürtige Texanerin aus Corpus Christi in Texas.
Die weltbekannte Sopranistin begann ihre Karriere als Opernsängerin und gastierte mit berühmten Orchesterdirigenten in fast allen großen Opernhäusern. Auch im Fernsehen und auf Galas war Jo Ann Pickens häufig zu Gast. Beispiele: "Wetten dass" mit Thomas Gottschalk, der Frankfurter Opernball und der Ball des Sports.
Vor zehn Jahren kehrte die Amerikanerin zu ihren Wurzeln zurück und feiert seitdem mit Gospelmusik Erfolge in ganz Europa.
Das Bergsträßer Jazz-Festival, dessen Gast Jo Ann Pickens am 2. Weihnachtsfeiertag war, geht 2009 in die nächste Runde: Am 28. Februar (Samstag) spielt im Variete Pegasus die Members Only Group. Die Big Band ?70 gastiert am 17. Mai (Sonntag) von 11 bis 14 Uhr auf dem Benediktinerplatz in Lorsch. Am 15. August (Samstag) geht es am Bürgerwehrbrunnen in Bensheim "Von 10 bis Zehn" rund. Es spielen die Red Hot Dixie Devils, die Woodhouse Jazzband, der Swing Express und Viva Creole.
Das nächste Weihnachts-Gospelkonzert ist bereits in der Planung.
Nicht nur ihre Musiker hat Jo Ann Pickens bestens im Griff. Auch das Publikum im restlos ausverkauften Parktheater in Bensheim ließ sich von der charismatischen Sängerin mit der unwiderstehlichen Ausstrahlung allzu gern um den Finger wickeln.
Schnell war klar, wer auf der Bühne das Sagen hat, und genauso schnell ließen sich die Zuhörer von der guten Laune der Interpretin und ihrer Crew anstecken. Mitmachen und mitswingen hieß das Motto des Konzerts, das selbst ruhigere Zeitgenossen von den Stühlen riss. Sitzenbleiber hatten keine Chance. Ein einfaches Fingerschnippen, eine kurze Aufforderung von Pickens genügte, und alle - wirklich alle - riss es von den Sitzen. Gospels, Spirituals und vor allem deren mitreißende, moderne Interpretation durch das Ensemble der "Gospel Jamboree" ließ die Beine von ganz allein hin und her tippeln. Hüften wiegten sich, wie unter Hypnose, ohne viel eigenes Zutun zum Takt der Melodien, Hände klatschten wie magisch angezogen ineinander.
Erst wenn Jo Ann Pickens mit der Lautstärke ihres Zufallschors im Zuschauerraum zufrieden war, durfte sich der - für ein paar Minuten - wieder ausruhen. "Gut, gell?" flachste die Sängerin mit ihrem Publikum und verteilte Bestnoten für dessen ausdauernde Hand- und Fußgymnastik.
"Oh happy day" war zwar die definitiv allerletzte Zugabe, die Pickens und die "Gospel Jamboree" den Konzertbesuchern gönnten, der Titel stand aber gleichzeitig symbolisch für die vorausgegangenen knapp zweieinhalb Stunden im Parktheater.
Zum Abschluss des ersten Bergsträßer Jazz-Festivals in 2008 setzte das Weihnachts-Gospelkonzert am zweiten Feiertag einen ebenso gefühlvollen wie temperamentvollen Höhepunkt. Termin und Auswahl der Künstler, die allesamt auch begnadete Solisten sind, hätten nicht besser sein können.
Initiator Dr.?Bruno Weis, der Jo Ann Pickens und ihre Musiker im Parktheater kurz vorstellte, hat ein gutes Händchen bewiesen. Keine Frage, dass das noch junge Jazz-Festival keine Eintagsfliege bleiben wird. Gemeinsam mit den Sponsoren, dem GGEW, der Sparkasse, Stadt Bensheim und dem Bergsträßer Anzeiger, hat Weis bereits das Programm für 2009 fest im Visier.
Am zweiten Weihnachtsfeiertag wurden Pickens und ihre Begleiter Clivia Christina (Alt), Joyce Lyle (Sopran), Toni Lorenzo (Bass), Jens Glaßner (Schlagzeug), Peter Glaßner (Klavier) und Christian Lassen an der Gitarre vom Bergsträßer Publikum frenetisch gefeiert. Sowohl die Chorsänger als auch die herausragenden Instrumentalisten überzeugten als harmonisches Ensemble und mit mehreren Solis.
Im Repertoire der Gospel-Queen fehlte kaum einer der traditionellen religiösen Gesänge, in denen die schwarzen Gemeinden im Süden der USA gesungene Geschichten aus dem Alten und Neuen Testament erzählen. Pickens und die "Gospel Jomboree" präsentierten Klassiker von "Down by the riverside", "Sweet low, Sweet chariot" bis zu "Go down Moses" rundum erneuert, dennoch authentisch und ohne reißerische Mätzchen. Qualität, Können und Improvisationstalent erwiesen sich als zeitlos.
Pickens und ihre Musiker drückten den Gospels und Spirituals ihren ganz persönlichen Stempel auf - und der reichte vom vor Lebensfreude nur so strotzenden Karibik-Stil bis hin zum modernen Rap. Leise, zurückhaltende Interpretationen berühmter Lieder wie "Sweet little Jesus boy" wechselten sich ab mit temperamentvollen, tief religiösen Lobpreisungen wie "Lord I love you". Mit "White Christmas" und "Stille Nacht" verabschiedeten sich Jo Ann Pickens, ihr Begleitchor und ihre drei Musiker von einem hingerissenen Publikum.
Bergsträßer Anzeiger
29. Dezember 2008
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