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Die Members-Only-Group gestaltete im Bensheimer "Pegasus" den Auftakt der Jazz-Festivals für dieses Jahr. (Bild: Funck)
Es gibt Ost-West-Beziehungen, die funktionieren einfach. Vor zehn Jahren sind die Jazzer der "Members Only Group" im hügeligen Winterkasten aufgebrochen, um auch den Landstrich am Fuße des Odenwalds mit wohl klingender Musik zu versorgen.
Eine Mission, die im Laufe der Jahre ungeahnte Ausmaße angenommen hat. Mittlerweile gehört die stilistisch erfrischend wechselhafte Combo zu den vitalsten Jazzbands der Region, die sich ihre Meriten mit legerer Spielfreude und einer Batterie von hervorragenden Live-Konzerten verdient hat. Jetzt enterte die Formation um Gründer und Pianist Henry Vollrath die Bühne im ausverkauften Varieté "Pegasus", um das zweite "Bergsträßer Jazz Festival" auf den Weg zu schicken.
In gestreckter Besetzung mit der facettenreichen Sängerin Jutta Glaser aus Heidelberg und der Flötistin Stephanie Wagner nahmen die "Members" Kurs auf die Ohren ihrer Zuhörer. Die wuchtigen und oftmals herzhaft improvisatorisch gewürzten Arrangements der Band wurden zu Gunsten einer eher in den Mainstream schwappenden Windrichtung entschärft, die im "Pegasus" ein breites Publikum erfreut hat. Mit Titeln wie dem lasziv gehauchten "The Girl From Ipanema" oder einem knackigen "It Don't Mean A Thing" bewiesen die Musiker, dass sie auch in loungiger Umgebung zu überzeugen wissen.
Die intime Atmosphäre im Bensheimer Varieté harmonierte bestens mit der butterweichen Stimme Glasers, die zudem eine hervorragende Scatsängerin ist. Nachzuhören bei Duke Ellingtons "Caravan" oder der außergewöhnlich poetischen Version von Miles Davis' "All Blues" im Sechs-Achtel-Takt, bei der die Rhythmus-Sektion viel Ausdauer und instrumentale Präzision an den Tag legte: Mit Walter "Kippe" Helbig (Viernheim) und Carlo Dambruch aus Winterkasten am Bass haben die "Members" eine zuverlässige Rückendeckung am Start, die der Bühnen-Front viel Raum zum Spielen lässt. Die disziplinierte und abgeklärte Art, wie Dambruch die Bassläufe "erledigt", gehört zu den markantesten Gesichtszügen der barrierefreien Jazzer.
Brillant auch, wie Reinhard Kretschmers rotzfreches Saxofon Thelonious Monks "Straight, No Chaser" zu einem wahrhaft puren und unverdünnten Hörerlebnis machte. Zum Ende des ersten Sets drehte die Band noch einmal richtig auf und fegte ein paar erstklassige Soli auf die Bühne. Die Seeheimer Vollblut-Jazzerin Stephanie Wagner agierte todsicher im kunterbunten Sound-Gewühl und führte vor, wie virtuos und gediegen dominant eine Jazz-Flöte klingen kann.
Die "fünf Stunden Trainingszeit im Pegasus" (Kretschmer) waren unüberhörbar. Vom ersten Stück an klang die Band sauber justiert und gut akklimatisiert. Der ständige Dialog der Musiker offenbarte sich in Stücken wie "Nostalgia In Times Square" von Charles Mingus, dessen dichte und saftige Struktur besonders schön zum Ausdruck kam. Bei Cannonball Adderleys stilistisch scharf gemixtes "Sambops" gab Kretschmers Tenorsaxofon den Ton an, bevor sich das Publikum zu "Yesterdays" wieder zurück lehnen und Jutta Glasers vielfarbige Stimme genießen konnte, die heftig mit einer swingenden Flöte flirtete.
Im zweiten Teil wurde das Repertoire beinahe noch relaxter. Der Samba "Mas Que Nada" und der melodisch subtil variierende Jazz-Standard "Lullaby Of Birdland" (George Shearing) trugen das Publikum auf einer sanften Klang-Wolke, die von Jutta Glasers Interpretation von "My Foolish Heart" nochmals angepustet wurde. Die Mischung aus süffigem Mainstream und blutdruckanfeuernden Uptempo-Nummern ist als gelungen zu bezeichnen.
Die "Members Only Group" zeigte sich stilistisch biegsam, hemmungslos und ausgestattet mit dem, was man einen treffsicheren Jazz-Instinkt nennen könnte. Unterm Strich ein musikalisch feines und dramaturgisch stimmiges Konzert - ein standesgemäßer Auftakt für das zweite "Bergsträßer Jazz-Festival". Präsentiert wird das Festival erneut von der Sparkasse Bensheim, der GGEW AG, der Stadt Bensheim sowie dem Bergsträßer Anzeiger. Die künstlerische Leitung hat Prof. Bruno Weis, der im "Pegasus" schon Lust auf das nächste Konzert gemacht hat. (tr)
Bergsträßer Anzeiger
02. März 2009
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