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Von unserem Mitarbeiter Thomas Tritsch
Das Publikum ließ sich vom Regen die Stimmung nicht vermiesen. (Bild: Dietmar Funck)
Sie haben nichts unversucht gelassen. Da wurde der "Summertime" gehuldigt und die "Sunny Side Of The Street" besungen, doch es half alles nichts: Der Abend begann und blieb verregnet. So feucht war es in der jungen Biografie des Bergsträßer Jazz-Festivals bislang noch nicht zugegangen. Der Auftritt im Rahmen des Lorscher Frühlingsmarktes fand vor einem recht kleinen Publikum statt. Für die Band kein Grund, sich von ein wenig vorsommerlicher Lufterfrischung die gute Laune verderben zu lassen: Die Musiker um Bandleader Dr. Bruno Weis, künstlerischer Leiter des Festivals, haben die angekündigten drei Stunden professionell durchgezogen, was man von weiten Teilen der Festbesucher nicht behaupten konnte.
"When You're Smiling": Schon kurz nach 20 Uhr hat Gastsänger Peter Petrel dem Wetter ein Lächeln gezeigt und es kurzfristig sogar geschafft, die Bindfäden um den Bühnenbereich am Benediktinerplatz herumzuleiten. Mit ihrem gewohnt abwechslungsreichen und süffigen Repertoire an Jazz-Oldies und bekannten Dixieland-Stücken waren die Musiker ein Lichtblick zum ansonsten eher vergrauten Auftakt der dreitägigen Veranstaltung.
Satter New-Orleans-Jazz, heiße Dixielandklänge und vitale Soli der spielfreudigen Instrumentalisten sorgten für gute Laune und die nötige Jazz-Stimmung, die nach wenigen Minuten auf die Zuhörer übersprang. Stücke wie "Just A Closer Walk With Thee" oder "Creole Love Call" von der frühen New-Orleans-Jazzgröße King Oliver mundeten nicht nur den hart gesottenen Fans, die den Bensheimer Musikern seit genau 30 Jahre die Treue halten. Unter den Regenschirmen und Zeltdächern ließ es sich gemütlich mitswingen - und wem es am späten Abend etwas zu frisch wurde, der schmiegte sie einfach etwas näher an seinen Nebenmann beziehungsweise die andere Alternative. "Bei mir biste scheen", klang es situationsgerecht von der Bühne.

Die Original Blütenweg Jazzer spielten mit Titeln wie "Summertime" und unterstützt von Peter Petrel gegen den Regen an. (Bild: Dietmar Funck)
Vor schöner Kulisse am Alten Rathaus entführten die Original Blütenweg Jazzer ihr Publikum ins verjazzte New Orleans zur Bourbon Street Parade" oder boten ihren Zuhörern ein Häppchen "Ice Cream" an, was auch bei Temperaturen um die 15 Grad bestens gemundet hat. Im Gepäck hatte die Band außerdem ihre brandneue und erste Live-CD, auf der auch Peter Petrel zu hören ist.
Mit dem stimmgewaltigen Nordlicht hatte die Band einen regelmäßigen Begleiter dabei, dessen vielfarbiges Jazz-Organ perfekt zum Sound der Bensheimer Formation passt, die gegen Ende des Konzerts auch mal in den Rock'n'Roll-Rhythmus umgeschaltet hat. 1968 wurde Petrel zum besten Jazzsänger in Deutschland gekürt - eine Auszeichnung, die man auch heute noch durchaus nachvollziehen kann. An Wind und Wetter ist der Sänger anscheinend gewöhnt, auch drei Stunden nach der musikalischen Eröffnung des Frühlingsmarktes zeigte Peter Petrel keine stimmlichen Ermüdungserscheinungen.
Dem Publikum hat das feuchte Konzert auf jeden Fall gefallen. Auch, wenn es auf dem Benediktinerplatz am Ende recht übersichtlich war. Echte Jazzer schätzen Clubatmosphäre in jeder Form. Und was wäre eine Band ohne ihren harten Fan-Kern, der Lust auf Jazz, Ausdauer und eine allwettertaugliche Garderobe mitbringt?
Bergsträßer Anzeiger
18. Mai 2009
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