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Der "Swing Express" zog am Nachmittag das Publikum in seinen Bann. (Bild: Dietmar Funck)

Der "Swing Express" zog am Nachmittag das Publikum in seinen Bann. (Bild: Dietmar Funck)

Festival: Hochklassiger und abwechslungsreicher Musik-Marathon / Vier Bands servieren zehn Stunden Musik

Open-Air-Jazz am Bürgerwehrbrunnen

Von unserem Mitarbeiter Thomas Tritsch

Als ob es in der Innenstadt nicht heiß genug gewesen wäre: Der Samstag gehörte in Bensheim wieder mal dem Jazz. "Von 10 bis Zehn" swingte es rund um den Bürgerwehrbrunnen, der als zentraler Umschlagplatz für Creole-Jazz, Blues und Dixieland viele Zuhörer anlockte. Es gab leidenschaftliche Jazzfans und vorübergehende Zaungäste, Geselligkeitsfans mit trainiertem Sitzfleisch und solche, die sich zu Bier, Wein und Grillgut einfach nur einen appetitlichen Soundtrack gönnen wollten nach dem Motto: Kein Dach, kein Eintrittsgeld und keine halben Sachen.

Wenn schon, dann richtig: Zwölf Stunden lang hielt ein bunt gemixter Open-Air-Marathon das Publikum bei Laune. Eine musikalische Überdosis, die gesundheitlich unbedenklich ist, aber - wie man hörte - durchaus süchtig machen kann: "Vier Bands hintereinander, da kann man nicht nein sagen", kommentierte ein Auerbacher Musikfreund den beschwingten Ausnahmenzustand, dessen stimmige Choreografie der künstlerische Leiter des Bergsträßer Jazz-Festivals, Dr. Bruno Weis (Original Blütenweg Jazzer), zu verantworten hat.

Bei nicht gerade kühlen, aber doch eher erfrischenden Temperaturen zapften die Red Hot Dixie Devils die erste Maß Swing - und so mancher nutzte den pfiffigen Auftakt zum urigen Frühschoppen in durstigem Gefolge.

Betont publikumsnah

Hochbetrieb und beste Stimmung herrschten beim Bergsträßer Jazz-Festival rund um den Bensheimer Bürgerwehrbrunnen. (Bild: Dietmar Funck)

Hochbetrieb und beste Stimmung herrschten beim Bergsträßer Jazz-Festival rund um den Bensheimer Bürgerwehrbrunnen. (Bild: Dietmar Funck)

Als versierte Marchingband zeigten sich die Devils betont publikumsnah und ohne stilistische Berührungsängste. Das Repertoire umfasst Blues und Dixie, alte deutsche Schlager und coole Swingnummern. Mit Banjo, Tuba, Klarinette und Trompete sorgte die Truppe um Klaus Gaa für einen schnörkellos puren Sound und lässige Atmosphäre am Bürgerwehrbrunnen.

Zu den ganz Großen der Szene gehören die Musiker der Woodhouse Jazzband. Mit 56 Jahren auf dem Buckel ist sie die älteste deutsche Jazzformation. Tausende von Konzerten im In- und Ausland, zahllose TV- Auftritte und ein ganzes Bündel an Tonträgern macht die Band aus Mühlheim an der Ruhr zu einem enorm abgeklärten und unerschrockenen Klangkörper. Die Besetzung ist so international wie spielfreudig, die stilistische Bandbreite reicht von Bossa Nova über Rock und Blues bis zu Mainstream-Jazz.

Kontrastreicher Auftritt

Ebenso kontrastreich war der Auftritt in Bensheim, den die Combo um den erfahrenen Posaunisten und Bandmanager Horst Janßen immer wieder mit bekannten Jazzballaden garniert hat - genau die richtige Mischung für die heiße Mittagszeit, zum entspannten Abkühlen im Schatten der Alten Faktorei. Apropos: Der Platz am Bürgerwehrbrunnen ist in Sachen Akustik überaus konzerttauglich, was bei diversen Konzerten der vergangenen Jahre mehrfach bestätigt wurde.

Karibisch-schwüler Abend

Professor Dr. Bruno Weis (vorne) und  Bensheims Bürgermeister Thorsten  Herrmann bei der offiziellen Eröffnung. (Bild: Dietmar Funck)

Professor Dr. Bruno Weis (vorne) und Bensheims Bürgermeister Thorsten Herrmann bei der offiziellen Eröffnung. (Bild: Dietmar Funck)

Dass es im Ried - zumindest musikalisch gesehen - so flach nicht ist, bewies der Swing Express am späten Nachmittag. Die 1989 gegründete Band um den Hofheimer Posaunisten Hans-Jürgen Lösch ist eine verlässliche Größe für klassischen Swing, Boogie und Dixie der herzhaften Art. Es wird gerne und gut improvisiert, was vor allem viel gehörten Standards bestens bekommt.

Im gemütlichen Eilzug fuhr das Publikum in einen ebenso milden wie karibisch-schwülen Abend, der kurz nach sieben von "Viva Creole" eröffnet wurde. Doch bevor es auf dem Mississippi richtig zur Sache ging, wurde die Band durch technische Probleme lahmgelegt. Gleich beim ersten Titel verabschiedete sich der Ton - und es folgte eine längere Pause, in der die Störung beseitigt wurde.

Umso spritziger setzte die Rheingauer Formation ihren Auftritt fort. Seit 1992 spielen sie die Hits der goldenen New-Orleans-Ära, mischen pulsierende Latin-Grooves mit karibischen Rhythmen und swingenden Melodien aus der alten Bourbon Street. Musik aus der Wiege des Jazz, angereichert mit leichtsinnigen Karibik-Sounds.

Bei dieser Mischung füllte sich der Platz zusehends und bescherte den Veranstaltern einen schönen Ausklang des zweiten Bensheimer Jazz-Marathons im Rahmen des Bergsträßer Festivals, das wie immer von der Stadt Bensheim und dem Bergsträßer Anzeiger in Zusammenarbeit mit der GGEW AG und der Sparkasse Bensheim organisiert wurde.

Das Jazz-Jahr 2009 wird mit einem Weihnachts-Gospelkonzert abgeschlossen. Die Details sind noch in Planung.

Bergsträßer Anzeiger
17. August 2009



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