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Interview: Künstlerischer Leiter Prof. Bruno Weis kann sich künftig auch experimentelle Beiträge vorstellen / Neues Internetangebot fasst alle Infos übersichtlich zusammen

"Das Bergsträßer Jazz-Festival ist zu einer bekannten Marke geworden"

Prof. Bruno Weis, Gründer der bekannten Original Blütenweg Jazzer, fungiert im dritten Jahr als künstlerischer Leiter des Bergsträßer Jazz-Festivals. (Bild: Dietmar Funck)

Prof. Bruno Weis, Gründer der bekannten Original Blütenweg Jazzer, fungiert im dritten Jahr als künstlerischer Leiter des Bergsträßer Jazz-Festivals. (Bild: Dietmar Funck)

Bergstraße. Begonnen hat alles vor drei Jahren: Da lud der Bergsträßer Anzeiger die Jazz-Liebhaber aus der Region zum ersten Mal zum Bergsträßer Jazz-Festival ein. Seit 2008 steht die Konzertreihe, die sich auf Anhieb als Volltreffer erwies, auf noch professionelleren Füßen. Als Kooperationspartner sitzen seitdem - neben der Stadt Bensheim und dem BA - der kommunale Energieversorger GGEW AG und die Sparkasse Bensheim mit im Boot. Ihr Motto: Gemeinsam stark für die Region!

Mit dem Jazz-Festival hat die kulturelle Szene an der Mittleren Bergstraße einen weiteren Leuchtturm erhalten. Dafür steht vor allem Prof. Bruno Weis. Der Gründer und Chef der weit über die Region hinaus bekannten Original Blütenweg Jazzer fungiert im dritten Jahr als künstlerischer Leiter. Der Bergsträßer Anzeiger hat ihn zu seinen Motiven und Ambitionen für das Bergsträßer Jazz-Festival befragt.

Herr Prof. Weis, was hat Sie dazu bewogen, zusammen mit den drei Sponsoren und der Stadt Bensheim, die wertvolle Hand- und Spanndienste leistet, das Festival auf die Beine zu stellen?

Prof. Bruno Weis: Die Idee habe ich schon lange mit mir herumgetragen. Umso mehr hat es mich gefreut, dass ich mit meinem Konzept auf offene Ohren gestoßen bin. Und von Anfang an hat die tolle Resonanz des Publikums bestätigt, was ich nicht anders erwartet hatte: Es besteht großes Interesse an einer solchen Veranstaltungsreihe.

Obwohl die "Konkurrenz" vor der Haustür riesig ist.

Prof. Weis: In der Tat, wir leben in einer stark jazzaffinen Region mit vielen Aushängeschildern, professionellen wie semi-professionellen Bands, die sich einen hervorragenden Ruf erworben haben. Und wir haben schöne Spielstätten - gerade hier bei uns.

Dort setzen Sie ganz bewusst auf die populäre Schiene.

Prof. Weis: Ja, weil das zum Ambiente passt und vom Publikum geschätzt und angenommen wird. Mir geht es darum, die Jazzmusik zu den Menschen zu bringen, und zwar den alten, traditionellen Jazz: von der Big Band - ideal platziert auf dem Benediktinerplatz vor dem Weltkulturerbe Kloster Lorsch - bis zu unserem ganztägigen Kompaktprogramm "Jazz von 10 bis zehn" vor dem Bensheimer Bürgerwehrbrunnen. Den Jahresabschluss bildet dann immer am zweiten Weihnachtsfeiertag ein festlicher Gospelabend im Bensheimer Parktheater.

Für die Freiluftveranstaltungen wird kein Eintritt erhoben.

Prof. Weis: Richtig. Hier ist es unser Ziel, viele Menschen zu erreichen und damit die Innenstädte zusätzlich zu beleben. Das ist uns bisher in hervorragender Weise gelungen.

Wie man hört, wollen Sie in Zukunft auch den einen oder anderen großen Namen präsentieren.

Prof. Weis: Ja, ich denke da an ein Sonderkonzert, das auch überregional wahrgenommen wird. Ein idealer Anlass dafür bietet sich im nächsten Frühjahr im Rahmen der Festwoche "25 Jahre Eysoldtring" in Bensheim. Mit der Verleihung dieses bundesweit bekanntesten Theaterpreises ist die Stadt Bensheim in allen bedeutenden Feuilletons vertreten.

Ihr Konzept ist eindeutig darauf ausgerichtet, dass es nicht nur Insider anspricht.

Prof. Weis: Ja, das ist unser Anspruch und unser Ziel. Wir präsentieren Jazz, der von einem breiten Publikum gerne gehört wird - handgemacht, ohne Elektronik und laute Verstärker. Diese Plattform wollen wir in Zukunft nutzen, um auch dem Nachwuchs ein Forum zu geben, zum Beispiel im Rahmen eines Wettbewerbs.

Das Bedürfnis nach populärem Jazz zu bedienen und künstlerisch ambitionierte Auftritte müssen sich also nicht ausschließen.

Prof. Weis: Nein, das sind zwei Seiten einer Medaille. Im vergangenen Jahr etwa hatten wir einen amerikanischen Weltklasse-Banjospieler zu Gast, der den "Liebestraum" von Liszt inszeniert hat. Überhaupt liegt mir die Verbindung zur klassischen Musik am Herzen. Es geht mir darum, unsere wunderbare Region mit ihren kulturellen, architektonischen und historischen Wurzeln mit anspruchsvoller und gleichzeitig ins Ohr gehender Jazzmusik zu bereichern.

Dabei setzen Sie ganz bewusst auch auf Lokalkolorit.

Prof. Weis: Die Mischung macht's. Lokale Bands, die ihr Publikum haben und sich hier präsentieren wollen, gehören genauso dazu wie der eine oder andere "Knaller" von auswärts. In diesem Jahr sind das die Allotria-Jazzband aus München und die Legenden Charly Antolini und Gustl Mayer.

Auch dank solcher Ausnahmekönner ist das Bergsträßer Jazz-Festival innerhalb kürzester Zeit zu einem Markenartikel geworden.

Prof. Weis: Richtig. Ich merke das auch an den Bewerbungen. Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht mehrere Anfragen für ein Engagement habe.

Beweis dafür, dass die Richtung stimmt.

Prof. Weis: Trotzdem kann ich mir - jetzt, wo die Basis geschaffen ist - künftig auch mal das eine oder andere experimentelle Angebot vorstellen. Schließlich gab es früher in Bensheim einmal eine sehr lebendige Jazzszene, die leider eingeschlafen war, jetzt aber wieder an Fahrt gewinnt. Deshalb freut es mich auch, dass die Zusammenarbeit mit Reinhold Schmitt und seinen Jazzfreunden immer besser klappt. Wenn es nach mir geht, würden wir beide Veranstaltungsreihen unter dem Dach des Bergsträßer Jazz-Festivals zusammenführen. Das Potenzial dafür ist vorhanden. red

Bergsträßer Anzeiger
26. Juli 2010



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